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Stuttgart hat bald den schnellsten Rechner Deutschlands. Supercomputer "Hawk" wird in einigen Wochen seine ganze Rechenpower entfalten. Aber wozu braucht Stuttgart die?

Am Hochleistungsrechenzentrum Stuttgart ist am Mittwoch der neue Supercomputer in Betrieb gegangen. Dann muss er sich ein bisschen warm laufen, aber im April oder Mai wird er seine Spitzenkapazität erreichen. Das heißt, er kann dann 24 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde ausführen – "vor 80 Jahren, als der erste Rechner entwickelt wurde, waren das zwei Rechenoperationen pro Sekunde", sagt SWR-Wissenschaftsredakteur Uwe Gradwohl.

"Die Leute sollen merken, dass sie was davon haben, dass es diesen Rechner gibt."

Uwe Gradwohl, SWR-Wissenschaftsredakteur

Ein Supercomputer für die ganze Stadt

Das Ziel der Wissenschaftler am Hochleistungsrechenzentrum Stuttgart sei es, mit ihrem neuen Supercomputer auch der Stadt zu dienen. Zum Beispiel wollen sie das Feinstaub-Problem dort angehen: "Mit diesem neuen Rechner wird man die Ausbreitung des Feinstaubs viel besser berechnen können – sogar eine Vorhersage machen können, wann denn wahrscheinlich Feinstaub-Alarm eintritt. Damit hofft man, diesen Rechner im Bewusstsein der Bevölkerung besser zu verankern, als das bei früheren Modellen der Fall war."

Ein Supercomputer für die Wirtschaft

Unternehmen können sich Rechenzeit des Supercomputers kaufen. Das lohne sich etwa für mittelständische Maschinenbauer, die die Effizienz neuer Bauteile durchrechnen wollten. Wer noch die Rechenleistung von Supercomputern braucht und warum auch der SWR zu den Kunden zählt, erklärt Gradwohl im kompletten Interview:

Supercomputer für superlange Berechnungen

Eine der Rechenaufgaben für die Wissenschaftler ist etwa, Modelle für die Entstehung des sichtbaren Universums zu berechnen. Für die Milliarden Jahre von kurz nach dem Urknall bis quasi heute braucht der neue Supercomputer "Hawk" etwa drei Monate. Der Vorgänger-Supercomputer "Hazel Hen" brauchte ein Jahr. Ein aktueller Privat-PC wäre etwa 10.000 Jahre mit der Berechnung beschäftigt.

Forschung und Unternehmen profitieren

Natürlich bringt der Supercomputer auch Renommée für den Wissenschaftsstandort – zum Beispiel einen Platz auf der Bestenliste der Supercomputer: "Alle halbe Jahre wird diese Top 500 der leistungsstärksten Computer weltweit veröffentlicht und es ist schon mit Prestige verbunden, auf dieser Liste draufzustehen. Da wollen natürlich die Länder drauf, die ein gewisses Standing in Technologie und Wissenschaft haben." Da aber regelmäßig neuere, schnellere Supercomputer an den Start gehen, dürfte der aktuell wohl zehnte Platz auf dieser Liste nicht allzu lange zu halten sein.

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