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Wo die belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa derzeit ist, weiß niemand so genau. Auch in Stuttgart ist die Sorge groß, denn hier lebte sie lange Zeit und hat Kontakte in die Künstlerszene.

Die Betroffenheit ist groß. Am Morgen des 7. September wurde Maria Kolesnikowa in Minsk, der belarussischen Hauptstadt, auf offener Straße in ein Auto gedrängt und vermutlich entführt. In den letzten Wochen war sie immer mehr zum Gesicht der Opposition in Belarus geworden, der Opposition gegen Alexander Lukaschenko.

Nicht nur in Minsk, sondern auch in Stuttgart ist die Sorge um Maria Kolesnikowa bei Vertrauten groß. Denn dort lebt die Berufsmusikerin und Musikpädagogin teilweise seit nunmehr 12 Jahren. Viktoria Vitrenkov und Jasmin Schädler saßen an ihrem Schreibtisch in Stuttgart als sie die Nachricht vom Verschwinden von Maria Kolesnikowa erreichte.

"Das hat mich zutiefst schockiert. Ich konnte das nicht glauben, obwohl man vermuten konnte, das etwas ähnliches kommen könnte. Aber man hofft, dass es nicht kommen wird."

Viktoria Vitrenkov, Sängerin und Dirigentin
Maria Kolesnikow vor der Stadtbibiliothek in Stuttgart. (Foto: Julia Schäfer (Archiv))
Maria Kolesnikowa vor der Stadtbibliothek in Stuttgart Julia Schäfer (Archiv)

Die beiden Künstlerinnen haben zusammen mit Maria Kolesnikowa 2017 in Stuttgart die Künstlerinitiative "Inter Akt" gegründet.

"Maria war in Stuttgart sehr engagiert und involviert. Es gab einen Bedarf und den hat sie gesehen. ... Sie war in Stuttgart in kulturellen Kreisen sehr engagiert."

Jasmin Schädler, Kollegin von Kolesnikowa

Als Flötistin und Musikpädagogin ist Maria Kolesnikowa nach ihrem Studium in der Stuttgarter Musikszene und zwölf Jahren Leben und Wohnen fest eingebunden. Auch Angelika Luz, Professorin für Neue Musik, kennt sie als eine engagierte und für vieles brennende Powerfrau:

"Da geht sofort das Herz auf. Sie hatte auch das Herz als Symbol bei dieser großen Protestbewegung. Das ist genau das richtige Symbol für sie, weil sie unglaublich empathisch ist. Sie ist unglaublich begeistert von allem was sie tut - übrigens auch von ihrem Land."

Angelika Luz, Professorin für Neue Musik

Kolesnikowa ist in der Stuttgarter Kulturszene bekannt

Den Standort Stuttgart hat Maria Kolesnikowa auch noch nicht aufgegeben. Aber Minsk rückte immer näher, beruflich – auch dort engagierte sie sich in der Kulturszene, aber auch als Patriotin.

"Ich bin so voller Hochachtung. Ich dachte, das ist so unglaublich toll, dass so jemand zusammen mit zwei anderen Frauen an der Spitze einer Bewegung ist. Größte, größte Hochachtung auch vor dem Mut, den sie beweist. Und natürlich auch große Angst, denn natürlich war klar, dass ist gefährlich, was sie da macht."

Angelika Luz, Professorin für Neue Musik

Maria Kolesnikowa wuchs in den letzten Wochen immer mehr in die Rolle des Gesichtes der Opposition. Das hat sie nicht geschützt sagt Jasmin Schädler:

"Es macht mir Angst zu sehen, dass eine Person, die so stark im Licht der Öffentlichkeit steht, dann trotzdem so leicht verschwinden kann. Das hat mich geschockt."

Jasmin Schädler, Kollegin von Kolesnikowa

Forderung: Bundesregierung soll Möglichkeiten ausschöpfen

Im offenen Brief an die Bundeskanzlerin haben sich Künstler und Kulturschaffende zusammengetan und fordern von der Bundesregierung alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Verbleib von Maria Kolesnikowa schnell aufzuklären. In Minsk hofft man darauf, genauso wie in Stuttgart, sagte Viktoria Vitrenkov.

"Wir hoffen natürlich, dass es ihr gut geht, auch körperlich und geistig. Das sie das alles durchhalten kann. Das sie genug Kräfte hat, das zu überwinden.

Viktoria Vitrenkov, Kollegin von Kolesnikowa

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