Studie über Schutzmaßnahmen veröffentlicht

Uni Stuttgart: Stoßlüften schützt besser vor Corona-Infektionen als Luftfilter

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Die Stadt Stuttgart hat am Freitag eine Studie zur Corona-Ansteckungsgefahren in der Schule veröffentlicht. Ergebnis: Regelmäßiges Lüften hilft besser als Luftreinigungsgeräte.

Wie können Schüler und Lehrer nach den Ferien am besten vor Corona-Infektionen geschützt werden? Diese Frage wollte die Stadt Stuttgart beantwortet haben und gab eine Studie beim Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung der Universität Stuttgart in Auftrag, die schon vor ihrer Veröffentlichung für Aufsehen sorgte. Auch Kritik gab es bereits. Am Freitag wurden die Ergebnisse offiziell veröffentlicht. Das Institut untersuchte für die Studie an zehn Stuttgarter Schulen je ein bis zwei Klassenräume.

Stoßlüften hilft am besten gegen Infektionen: Das ist das Ergebnis einer Studie der Uni Stuttgart. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Stoßlüften hilft am besten gegen Infektionen: Das ist das Ergebnis einer Studie der Uni Stuttgart. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Versuche mit menschlichen Dummies

In den Klassenräumen wurde die Ausbreitung von Aerosolen, an denen ein Virus anhaftet, durch die Freisetzung von Spurengas und Testpartikeln an menschlichen Dummies nachgestellt. Diese Dummies bildeten die Wärme ab, die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer abgeben. So sollte die Auftriebsströmung an Menschen und deren Einfluss auf die Raumluftströmung berücksichtigt werden. Untersucht wurde die Wirkungsweise von Fensterlüftung, Luftreinigungsgeräten und raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen).

Stoßlüften zeigt die meiste Wirkung

Die Stuttgarter Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass das Lüften in den Pausen zwingend ist, um die Aerosolkonzentrationen für den folgenden Unterricht zu senken. Stoßlüften sei wirksamer als das dauerhafte Kippen von Fenstern. Auch der Einsatz von Luftreinigungsgeräten sei nicht zu empfehlen, da diese auf Dauer zu laut seien. Sie sollten nur als Unterstützung zur Virenreduktion eingesetzt werden. Und beim Einbau von RLT-Anlagen sollten künftig die Luftströme höher dimensioniert werden.

Auch Einsatz von FFP-2-Masken empfohlen

Wenn Lüften im Klassenzimmer nicht oder nicht ausreichend möglich ist, bieten Luftreinigungsgeräte nach Ansicht der Stuttgarter Wissenschaftler aber eine kurzfristige Alternative. Künftig sollte darauf geachtet werden, dass in Klassenräumen eine möglichst große Fensterfläche geöffnet werden kann. Die Studie weist außerdem auf den Nutzen von FFP2-Masken hin, die ein Infektionsrisikio deutlich senken.

Studien: Mobile Luftfilter grundsätzlich wirksam

Es gibt bereits mehrere Studien über die Wirksamkeit von Luftfiltern, die zu anderen Ergebnissen kommen. "Das Problem liegt ein bisschen in der Vergleichbarkeit. Die haben natürlich alle unterschiedliche Klassenräume, unterschiedliche Luftfilter und so weiter untersucht", erklärt Redakteurin Anja Braun von der SWR Wissensredaktion. "Aber ganz sicher ist, man weiß, dass mobile Luftreinigungsgeräte grundsätzlich wirksam sind und bis zu 90 Prozent der Aerosole aus der Luft filtern. Daran gibt es gar keinen Zweifel." Mobile Luftfilter reduzierten den Lüftungsbedarf in den Klassenräumen auf ein normales Maß. Alle Studien sprechen zudem davon, dass zusätzlich auch gelüftet werden muss.

"Die Studie widerspricht dem nicht, dass die Luftfiltergeräte durchaus wirksam sind. Sie sagt nur: Wenn man viele Fenster in den Klassenzimmern hat, dann kann man auch mit denen lüften", so Braun über die Ergebnisse der Stuttgarter Studie.

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