Eine S-Bahn hält und Fahrgäste steigen ein. (Foto: SWR, Philipp Pfäfflin)

Auf Anfrage im Bundestag

Stuttgarter S-Bahn unpünktlicher geworden

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AUTOR/IN
Laura Cloppenburg

Die Stuttgarter S-Bahn war im vergangenen Jahr so unpünktlich wie seit fünf Jahren nicht mehr. Noch schlechter schneidet das S-Bahn-Netz Rhein-Neckar ab.

Die Stuttgarter S-Bahn war im vergangenen Jahr unpünktlicher als in den Jahren davor. Das zeigt eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Matthias Gastel aus dem Wahlkreis Nürtingen.

Stuttgarter S-Bahn unterdurchschnittlich

Rund 89 Prozent der Haltestellen hat die Stuttgarter S-Bahn 2023 pünktlich erreicht. Das ist der schlechteste Wert seit 2019. Damit liegt die Stuttgarter S-Bahn auch unter dem bundesweiten Durchschnitt aller S-Bahnen, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, ergibt sich aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums, das sich auf Zahlen der Deutschen Bahn AG stützt. Die Pünktlichkeitsquote aller S-Bahnen lag den Angaben zufolge im Schnitt vergangenes Jahr bei 92,5 Prozent. 2019 lag sie noch bei 95,3 Prozent, 2020 bei 96,5. Im vergangenen Jahr hatte unter anderem die Sperrung der Stammstrecke immer wieder für Chaos gesorgt.

Fast alle S-Bahnen in Deutschland unpünktlicher geworden

Im Vergleich mit den neun größten S-Bahn-Netzen in Deutschland belegt Stuttgart einen mittleren Platz. Noch unpünktlicher und damit auf dem vorletzten Platz waren beispielsweise die S-Bahnen 2023 im Gebiet Rhein-Neckar mit einer Pünktlichkeitsquote von 86,3 Prozent. 2020 waren es dort noch 93,7 Prozent. Am besten schneiden die S-Bahnen Berlin (96,6 Prozent) und Hamburg (96,5 Prozent) ab, ergeben die Zahlen der Deutschen Bahn AG. Insgesamt haben sich mit Ausnahme der S-Bahn Rhein-Neckar alle Bahnen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Als unpünktlich gehe eine S-Bahn erst dann in die Statistik ein, wenn sie mit maximal 5:59 Minuten Verspätung ihren Halt erreicht.

Kritiker fordern bessere Infrastruktur

Als häufige Ursachen für Verspätungen sieht der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel Störungen an der Infrastruktur oder zu knapp bemessene Kapazitäten in überlasteten Bahnknoten. Er fordert auf lange Zeit höhere Investitionen, damit die Infrastruktur leistungsfähiger wird.

Pro Bahn: Fern- und Regionalverkehr haben immer Vorrang

Warum nach Meinung des Fahrgastverbandes Pro Bahn das Problem in Stuttgart und bei der S-Bahn Rhein-Neckar auftritt - und warum es ohne unabhängiges S-Bahn-Netz kaum zu lösen sei, erklärt Pro Bahn-Bundesvorsitzender Detlef Neuß:

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Neuß wundert sich nicht über die wachsende Unpünktlichkeit. Die Infrastruktur werde immer mehr auf Verschleiß gefahren, sagte er im SWR-Interview. Bei der S-Bahn verschärfe sich das Problem dadurch, dass sie sich Schienenwege mit Fern- und Regionalverkehr teile, die im Zweifel Vorrang haben. Wie es besser gehen könnte, zeige das Beispiel Berlin. Hier habe die S-Bahn ein eigenes Netz und könne eigenständig pünktlicher fahren.

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