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Wie sicher ist die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung von Coronafällen? Der Stuttgarter Rapper Smudo von den Fantastischen Vier, der die App mit entwickelt hat, weist die Kritik an Sicherheitslücken scharf von sich.

Die hoch ansteckende, britische Mutante des Coronavirus ist bundesweit für rund 90 Prozent der Corona-Infektionen verantwortlich, die Intensivstationen der Krankenhäuser sind nahezu am Anschlag, die Pflegekräfte arbeiten am Limit und die Gesundheitsämter kommen mit der Kontaktnachverfolgung der Corona-Infizierten nicht hinterher. Denn Hotspots sind nur noch selten auszumachen, bei den Gesundheitsämtern spricht man daher immer häufiger von "diffusem Infektionsgeschehen".

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CCC fordert "Bundesnotbremse" für Luca-App

Als ein Ausweg aus dieser Situation, und um den Menschen wider mehr Freiheiten gewähren zu können, setzen viele Länder auf eine einheitliche Kontaktnachverfolgung. Doch die Luca-App, die vielerorts - auch in Stuttgart - schon eingesetzt wird, erhält auch Kritik. Die Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) bemängelt Sicherheitslücken, das Luca-System sei potenziell jederzeit in der Lage, einzelne Geräte eindeutig zu identifizieren. Der CCC fordert daher einen bundesweiten Stopp der App.

"Keine gravierenden Sicherheitsmängel"

Die Kritik des CCC weist der Stuttgarter Rapper und Mitentwickler der App, Smudo, scharf von sich. Dem SWR sagte er: "Der CCC ist recht schrill in seinen Behauptungen. Tatsächlich ist es so, dass Luca sehr sicher ist. Es gibt keine gravierenden Sicherheitsmängel. Die Daten werden dezentral verschlüsselt".

Quellcode offengelegt

Die Entwickler der Luca-App haben den Quellcode ihres Systems am Mittwochabend vollständig veröffentlicht. Er kann damit nun von unabhängigen Stellen überprüft werden. Man wolle eine transparente Analyse und Weiterentwicklung der Software ermöglichen, erklärte die Culture4life GmbH, das Unternehmen hinter dem Luca-System.

"Kleinigkeiten behoben"

Kritik an der App nehme man sehr ernst, "Kleinigkeiten sind behoben worden" erklärte Smudo weiter. Insgesamt sei Luca ein sehr sicheres System, der Schutz der Kontaktdaten sei die ganze Zeit gewährleistet gewesen. Smudo verwies darauf, darauf dass die Datenschutzkommissionen der Länder Luca bundesweit gut fänden. Auch der Landesdatenschutzbeauftragte in Baden-Württemberg habe Luca zugestimmt, so der Ministerialdirektor im Gesundheitsministerium des Landes, Uwe Lahl im SWR-Interview.

Kritik hält an

Doch die Kritik an Luca hält an. Der Chaos Computer Club hatte gefordert, keine Steuermittel mehr für die App auszugeben. Baden-Württemberg hat im März verkündet, Lizenzen für den flächendeckenden Einsatz gekauft zu haben. Die FDP-Landtagsfraktion kritisiert das fehlende Vergabeverfahren und hat dazu nach SWR-Informationen eine Anfrage an die baden-württembergische Landesregierung gestellt. In ihrer Anfrage wollen die Liberalen wissen, warum das Land auf ein Ausschreibungsverfahren für die Luca-App verzichtet hat und mit welchen Lizenzkosten zu rechnen ist.

Der FDP-Abgeordnete Daniel Karrais sagte dem SWR, die Einführung von Kontaktnachverfolgungs-Apps sei zwar überfällig. Es sei allerdings bedauerlich, dass andere Konzepte keine Chance hatten. Im vergangenen halben Jahr, seit Luca auf dem Markt ist, hätte man nach Alternativen Ausschau halten müssen. Mitentwickler Smudo erklärte gegenüber dem SWR, Luca sei derzeit die einzige Kontaktnachverfolgungsapp, die die von Datenschützern geforderte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbiete: "Wir sind am Markt die Einzigen, die machen, was sich die Länder wünschen". Auch bei den Vergabeverfahren für die Lizenzen habe man sich in den Bundesländern jeweils an die Regeln gehalten.

Ende April in BW einsetzbar

Bundesweit sei die Luca-App bereits vier Millionen mal heruntergeladen worden, 81.000 Betriebe beteiligen sich, 8.000 davonin Baden-Württemberg, so Smudo. "Ich gehe davon aus, dass Ende April alle Gesundheitsämter angebunden sind und Luca dann in Baden.Württtemberg starten kann", erklärte er im SWR. Seiner Einschätzung nach werde Luca noch mindestens bis zum Frühjahr nächsten Jahres zum Einsatz kommen müssen.

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