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In einem offenen Brief haben mehrere Stuttgarter Künstler, Medienmacher und Sportler die Gegner der Corona-Maßnahmen von "Querdenken 711" hart kritisiert. Es geht ihnen dabei vor allem um ein Symbol.

Die Rapper von den Fantastischen Vier, die Hiphopper von Freundeskreis, die ehemaligen VfB-Stuttgart-Spieler Timo Hildebrand, Kevin Kuranyi und viele weitere prominente Künstler, Medienmacher und Sportler haben sich gegen "Querdenken 711" gestellt. In einem offenen Brief wehren sie sich vor allem gegen die Umdeutung der Stuttgarter Vorwahl "0711", die ihrer Meinung nach "für das Überwinden von Grenzen und Unterschieden steht". Auf der Webseite des Künstler-Kollektivs "Kolchose.TV", das den Brief veröffentlicht hat, schreiben sie: "Wir verurteilen den Missbrauch des Symbols 0711 für populistische Zwecke und den Versuch, Popkultur aus hetzerischen und spalterischen Gründen umzudeuten."

Ein offener Brief von uns Allen für Uns Alle ! +++++ WIR ALLE SIND 0711 +++++ Liebe Alle, Wir haben uns die Tage...Posted by Kolchose on Saturday, November 7, 2020

Ein Symbol der Hiphop-Kultur

"0711" entwickelte sich in den 1990er Jahren zu einem in der Stuttgarter Hiphop-Szene beliebten Label, das auch von Graffiti-Künstlern aufgegriffen und schließlich zu einer Art Markenzeichen der Stuttgarter Hiphop-Hochburg avancierte. "Es war für ein Zeichen für ein weltoffenes Stuttgart, das allen Kulturen eine Heimat bietet", erklärt Johannes von Strachwitz, einer der Unterzeichner des Briefes. "Es war uns schon lange ein Dorn im Auge, dass die Querdenker sich darauf beziehen - spätestens seit der Demo Ende August in Berlin." Nachdem die Idee einige Wochen vor sich hin gährte, war es schließlich der ehemalige Massive-Töne-Rapper Wasilios Ntuanoglu, der den offenen Brief initiierte. "So konnten wir am 07.11. - quasi unserem Namenstag - und einen Tag vor der Oberbürgermeisterwahl, bei der ja auch einer der Querdenker kandidiert, damit rausgehen", sagte von Strachwitz.

Fehlende Abgrenzung zum Rechtsextremismus

Die Unterzeichner, zu denen auch SWR Sport-Moderator Lennert Brinkhoff gehört, werfen "Querdenken 711" zudem unzureichende Abgrenzung zum Rechtsextremismus vor: "Die Corona-Maßnahmen kritisch zu hinterfragen, ist wichtig. Auf Demos Seite an Seite mit Reichskriegsflaggenträgern zu marschieren, ist dagegen untragbar", heißt es ". In Zeiten, in denen unsere Demokratie zerbrechlich wirke, gefährde "Querdenken 711" den sozialen Frieden. "Wir wollen niemanden in irgendeine Ecke stellen, weil sie Angst haben oder ihre Existenz gefährdet ist", sagt Strachwitz. "Aber es gibt Dinge, mit denen darf man sich meiner Meinung nach nicht gemein machen."

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