Stadt Stuttgart testet in der Olgastraße einen innovativen Glitzerasphalt. (Foto: SWR)

Feenstaub auf Stuttgarts Straße

Stuttgart testet Glitzerasphalt – was sind die Vorteile?

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Olga Henich
Olga Henich (Foto: privat)

Feenstaub und Glitzer auf der Straße? Im Stuttgarter Süden testet die Stadtverwaltung funkelnden Asphaltboden. Ästhetisch macht die neue Deckschicht Eindruck. Doch was bringt sie?

Es ist ein unauffälliges Glanzstück im Grau der Stuttgarter Asphaltstraßen. Erst bei genauem Hinschauen kann man das schillernde Meer an kleinen Kristallen erkennen, die im Sonnenlicht reflektieren. "Der Boden sieht aus wie der Sternenhimmel", heißt es von einem Passanten. "Er wirkt wie Glitzer und Feenstaub oder eben viele zerbrochene Scherben", lautet das Urteil einer Fußgängerin.    

Glitzerasphalt für mehr Sichtbarkeit im Verkehr

Hinter dem geheimnisvollen Lichtspiel steckt ein funktionaler Gedanke. Auf 40 Meter Länge testet die Stadt zwischen der Olgastraße und der Falbenhennenstraße im Stuttgarter Süden eine neu entwickelte Asphaltdeckschicht mit Anteilen aus abgerundetem, recyceltem Glas und Spiegeln. Dem Stuttgarter Tiefbauamt geht es bei diesem Experiment weniger um die Ästhetik als vielmehr um den praktischen Nutzen des neuen Bodenbelags. Der glitzernde Asphalt soll tagsüber das Sonnenlicht und nachts das Scheinwerferlicht reflektieren und sich so besser von der üblichen Verkehrsfläche abheben.

Ein Effekt, der vor allem an sicherheitsrelevanten Stellen wie etwa Rad- und Gehwegen sinnvoll sei, sagt der parteilose Stuttgarter Stadtrat Christoph Ozasek. Gerade Radfahrende klagten häufig, dass sie sich auf den Straßen nicht sicher fühlten und durch Autos bedrängt würden. Insbesondere in den Abendstunden bringe der neue Asphalt Vorteile. "Wenn der Straßenraum für alle Verkehrsteilnehmer, gerade in den Abendstunden ohne zusätzliche Laternen besser ausgeleuchtet wird, bringt es allen mehr Sicherheit und spart nebenher Strom."

Stadt Stuttgart testet in der Olgastraße einen innovativen Glitzerasphalt (Foto: SWR)
Da die Glasscherben auf dem Boden abgerundet sind, besteht nach Angaben der Baufirma keine Gefahr, sich an spitzen Kanten zu schneiden. 

Nachhaltig in der Herstellung und gut für das Stadtklima

Neben mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, erhofft sich die Stadt vom neuen Asphalt auch einen positiven Klimaeffekt. Nach Angaben der Herstellerfirma Makadam Labor Schwaben besteht der Belag zur Hälfte aus recyceltem Glas und altem Asphalt. Außerdem speichere die Bodenoberfläche durch die Reflektion der Glasteilchen und die Aufhellung der Verkehrsfläche weniger Wärme als gewöhnlicher dunkler Asphalt. Das wiederum sorgt laut Laborleiter Sven Gohl für ein besseres Stadtklima im oft überhitzten Stuttgarter Talkessel.

"Mit dieser natürlichen Aufhellung können wir die innerstädtischen Wärmeinseln reduzieren."

Dresden, Leipzig und Koblenz als Vorreiter für Glitzerasphalt 

Das Stuttgarter Tiefbauamt möchte in den kommenden Monaten testen, ob sich der neue Asphalt nicht nur in Städten wie Dresden, Leipzig und Koblenz, sondern auch in Stuttgart gut macht und hält, was er verspricht. In einem langfristig angelegten Versuch will das Tiefbauamt nach eigenen Angaben beobachten, wie sich der Glitzereffekt in den kommenden Jahren unter Umwelteinflüssen wie Reifenabrieb oder Bremseinwirkung entwickelt. Für Stadtrat Christoph Ozasek wäre eine zügige Entscheidung wünschenswert, um die positiven Aspekte der Deckschicht schon früher nutzen zu können. Obwohl die Kosten für den wiederverwertbaren Asphalt namens "Lumivia" zwar höher liegen als für den normalen, sei die Anschaffung nachhaltiger und umweltfreundlicher, so der Politiker.

"Magische Momente durch mehr Licht und Strahlkraft sind ein wichtiger Baustein, um Menschen zu Fuß und auf dem Rad in Bewegung zu bringen."

Teststrecke entscheidet über weitere Anwendung in Stuttgart

Ob es im Stuttgarter Kessel künftig neben altbekannten Feinstaub auch eine "glitzernde Prise Feenstaub" auf den Straßen geben wird, entscheidet der Gemeinderat auf Basis der Erkenntnisse zur Teilstrecke. Ein Termin steht noch nicht fest. Bis dahin bleibt der funkelnde Asphalt in Stuttgart nur in der Olgastraße zu sehen.

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