"Viele beschweren sich jetzt schon"

Streit im Gemeinderat Stuttgart: Wird die Rosensteinbrücke für viele Autos tabu?

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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Die Grünen und andere Fraktionen wollen darüber abstimmen lassen, ob bald nur bestimmte Autos und Lkw über die Rosensteinbrücke dürfen. Die CDU warnt vor wirtschaftlichen Schäden.

Was die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, SPD, Die FrAKTION und PULS vor gut einer Woche im Stuttgarter Gemeinderat eingereicht haben, sorgt für Gesprächsstoff. Denn für die Zeit, nachdem die marode und deshalb gesperrte Brücke saniert sein wird, schlagen sie zwei Varianten für weniger Verkehr vor. Davon versprechen sie sich, dass sich die Lebensqualität am Neckar verbessert.

Eine Absperrung steht bei einer Zufahrt der Rosensteinbrücke. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Rosar)
Wer nicht mit dem Rad oder zu Fuß kommt, darf seit kurzem nicht mehr über die marode Rosensteinbrücke. picture alliance/dpa | Andreas Rosar

Grüne wollen weniger Verkehr über die Rosensteinbrücke

Bei beiden Vorschläge und Varianten, über die abgestimmt werden soll, sollen Radfahrer und Fußgänger die Brücke über den Neckar passieren dürfen, der Durchgangsverkehr jedoch nicht. Unterschiede gibt es jedoch bei der Frage, ob außer dem Öffentlichen Nahverkehr, Taxen und Einsatzfahrzeugen auch "Anlieger" dort fahren dürfen. So sieht es zumindest eine der beiden Varianten vor, die im Antrag der Fraktionen zur Abstimmung gestellt wird. Zu dem Begriff "Anlieger" zählt Grünen-Stadtrat Björn Peterhoff im SWR-Interview auch Kundschaft oder Lieferanten, die mit dem Pkw oder mit Lastern unterwegs sind.

Doch es gibt noch sozusagen eine "strenge Variante", die zur Abstimmung steht: Bei ihr ist vorgesehen, dass diese Anlieger stattdessen eine Umleitung fahren müssten, anstatt über die Rosensteinbrücke fahren zu dürfen. Die CDU warnt im SWR vor diesem Szenario: Stadträtin Beate Bulle-Schmid sagte, Pendler, Händler und andere Firmen seien generell auf die Rosensteinbrücke angewiesen.

CDU: Bad Cannstatt braucht die Rosensteinbrücke

Die "strenge Variante" würde aus ihrer Sicht dem umliegenden Bad Cannstatt schaden, nachdem die marode Brücke schon jetzt unter anderem für Autos und Lkw gesperrt ist: Die Altstadt von Bad Cannstatt sei abgehängt, kritisiert die Stadträtin, die selbst in dem Stadtbezirk lebt. Viele Geschäfte dort beklagen ihr zufolge, dass sie nicht mehr so zugänglich seien. Handwerker hätten bereits jetzt ein Problem angesichts der derzeitigen Sperrung der Brücke.

"Viele Bürgerinnen und Bürger beschweren sich jetzt schon. Sie sagen: `Es ist ein Wahnsinn, was wir jetzt schon fahren müssen.`"

Das komme auch der Umwelt nicht zugute, sagt sie mit Blick auf die Grünen-Fraktion. Außerdem befürchte ihre CDU, dass die "strenge Variante" mit einem Verbot großer Teile des Auto- und Lkw-Verkehrs - inklusive Anliegerinnen und Anliegern - dem "Wirtschaftsverkehr sehr, sehr schaden" werde.

Grüne verteidigen ihren Antrag zur Rosensteinbrücke

Auf die Kritik der CDU angesprochen entgegnet Grünen-Stadtrat Björn Peterhoff im SWR, diese beziehe sich nur auf eine von zwei zur Abstimmung gestellten Varianten. Es sei jedoch seiner Meinung nach unter allen Fraktionen des Stuttgarter Gemeinderats Konsens, dass zumindest der Durchgangsverkehr von der Rosensteinbrücke in Zukunft ferngehalten werden sollte.

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