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In Baden-Württemberg sind sexuelle Dienstleistungen derzeit komplett verboten. "Rotlicht an!" - das haben Prostituierte am Donnerstag bei einer Kundgebung auf dem Stuttgarter Wilhelmsplatz daher gefordert. Sie vermuten eine gezielte Breitseite, denn in anderen Bundesländern ist man nicht so strikt.

Das Stuttgarter Rotlichtviertel ist derzeit verwaist. Die Prostitution ist wegen Corona-Auflagen seit dem 19. Juli komplett verboten, nicht nur in Gewerberäumen wie Laufhäusern. Inzwischen gilt auch ein Verbot für selbständig tätige Sexarbeitende. Gleichzeitig gebe es keine wirksamen Hilfen für die Betroffenen, die kaum finanzielle Rücklagen hätten.

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Hygiene sei selbstverständlich für Sexarbeiter

"Während andere Bundesländer Prostitutionsbetriebe wie Laufhäuser, den Escort-Bereich, Tantra- und BDSM-Studios schrittweise wieder erlauben, wird hier jedwede sexuelle Handlung gegen Geld verboten", kritisiert eine Stuttgarter Sexarbeiterin. Sie ärgert das besonders deshalb, weil gerade ihre Branche schon lange auf Hygiene spezialisiert sei. "Für uns ist Hygiene nichts Neues. Wir wissen genau, wie man desinfiziert, dass gelüftet wird, in Zeiten von Corona auch länger. Wir arbeiten mit Masken und Handschuhen - was selbstverständlich ist, denn unsere Gesundheit ist unser Arbeitskapital", sagt die Frau.

Die Diakonie Baden plant wegen der Corona-Krise einen Nothilfefonds für ausländische Prostituierte (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Andreas Arnold/dpa)
Dieser Anblick bietet sich Gästen im Rotlichtbereich derzeit nicht. (Archiv) picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Massage-Studios dürfen wieder öffnen

Sexarbeiter seien Experten in Sachen Gesundheitsschutz, heißt es auch beim Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen. "Das haben sie seit Jahrzehnten bewiesen, indem sie sich und ihre Kunden erfolgreich vor sexuell übertragenen Krankheiten und auch Viren wie HIV schützen." Wieso Massage-Studios wieder öffnen dürften, die Pendants der Sex-Branche wie etwa Tantra-Studios jedoch nicht, sei nicht nachzuvollziehen - es sei denn, es handele sich um eine gezielte Breitseite gegen die Branche, hieß es bei den Betroffenen.

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Stuttgart Prostitution auch für Freier verboten

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