STAND

83 von 100 Tatverdächtigen der Krawallnacht haben einen "gesicherten Migrationshintergrund". Das geht aus Zahlen des Innenministeriums Baden-Württemberg auf Anfrage der AfD hervor.

Zerstörung nach Krawallnacht in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance)
Die Nacht auf den 21. Juni wird als Stuttgarter Krawallnacht bezeichnet. Vor allem junge Männer randlierten und gingen gegen die Polizei vor. Jetzt hat das Innenministerium Zahlen zum Migrationshintergrund der Tatverdächtigen vorgelegt. (Archivbild) picture alliance

Von den 83 Tatverdächtigen besitzen 49 die deutsche und 34 eine ausländische Staatsbürgerschaft, heißt es in der jüngst veröffentlichten Antwort des Ministeriums. Wie ein Ministeriumssprecher am Donnerstag mitteilte, entspricht die Definition des Migrationshintergrunds jener des Statistischen Bundesamts. Einen Migrationshintergrund hat demnach eine Person, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.

Polizei begründete Vorgehen mit Präventionskonzepten

Danach gab es eine kontroverse Debatte, weil die Stuttgarter Polizei nach eigenen Angaben bei einigen Verdächtigen über die Standesämter die Nationalität der Eltern erfragt hatte, nachdem in der Vernehmung Angaben zur Herkunft verweigert wurden. Während Kritiker fragten, welche Rolle ein Migrationshintergrund bei der Bewertung der Taten spiele, begründete die Polizei das Vorgehen damals unter anderem mit der Schwere der Taten und Informationen für Präventionskonzepte. Es brauche andere Konzepte für Migranten aus sozialen Brennpunkten als etwa für Deutsche aus wohlhabenderen Gegenden.

Das Spektrum der Tatverdächtigen reichte laut Ministerium vom "13-jährigen syrischen Flüchtling bis hin zum 29-jährigen Deutschen mit Ausbildung". Die AfD kritisiert in ihrem Antrag wiederum, dass der Migrationshintergrund in der Kriminalitätsstatistik nicht erfasst wird, sie aber gleichzeitig herangezogen werde für die Aussage, dass "Ausländer nicht krimineller sind als Deutsche".

Polizisten wurden verletzt, Schaufenster zerstört

Bei den Krawallen im Juni hatten sich Dutzende vor allem junge Männer in der Innenstadt Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Es wurden mehrere Beamte verletzt und Schaufenster zerstört.

Erster öffentlicher Prozess zur Krawallnacht

Für Dienstag ist der erste öffentliche Prozess zur Krawallnacht angesetzt. Vor dem Stuttgart Amtsgericht muss sich ein 18-Jähriger wegen eines besonders schweren Falls von Landfriedensbruch verantworten. Er soll unter anderem die Heckscheibe eines Polizeiautos eingeschlagen haben.

Prävention mit Streetworkern Nach Krawallnacht in Stuttgart: Mobile Jugendarbeit gestartet

Eine Krawallnacht wie die im Juni soll sich in Stuttgart nicht wiederholen. Deswegen sind seit Sonntag Sozialarbeiter in Stuttgart unterwegs. Der Teil-Lockdown erschwert ihre Arbeit.  mehr...

Ausschreitungen in Stuttgart Polizeipräsidentin: "Krawallnacht wird sich so nicht wiederholen"

"Das, was sich am letzten Wochenende ereignet hat, das wird sich in Stuttgart für uns so nicht wiederholen", sagte die Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz im SWR-Interview. Dazu würden an den kommenden Wochenenden deutlich mehr Polizisten, teilweise beritten und mit Hunden, unterwegs sein.  mehr...

Zur Sache Baden-Württemberg! SWR Fernsehen BW

Einblicke in jugendliches Denken Sozialarbeiterinnen über Stuttgarter Krawallnacht: "Für Jugendliche wie ein großes Geländespiel"

Warum haben die jungen Menschen das gemacht? Diese Frage ist auch rund drei Wochen nach der Krawallnacht in Stuttgart noch offen. Die mobile Jugendarbeit in Stuttgart-Nord kennt einen der Randalierer.  mehr...

STAND
AUTOR/IN