Geflüchtete sind mit den Zuständen in ihrer Unterkunft, eine Lagerhalle bei der Hans-Martin-Schleyerhalle, nicht zufrieden. (Foto: SWR, Maxim Flößer)

Krieg in der Ukraine

Taubenkot und Ratten: Geflüchtete bemängeln Stuttgarter Notunterkunft

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Thomas Fritzmann
Thomas Fritzmann (Foto: SWR)

Geflüchtete aus der Ukraine haben sich über die schlechten Zustände in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart beklagt. Ein Sprecher der Stadt stellt Veränderung in Aussicht.

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Dem SWR gegenüber haben sich Geflüchtete aus der Ukraine über die Zustände in ihrer Unterbringung beschwert. Die Lagerhalle, die zur Hanns-Martin-Schleyer-Halle gehört, sei stellenweise mit Taubenkot verdreckt. In dieser Halle leben und schlafen die Geflüchteten. In der Unterkunft gebe es außerdem Ratten und auch die sanitären Anlagen seien in einem schlechten Zustand. Zudem reiche das Duschwasser nur für drei Personen. Die Klagen gehen aber noch weiter.

Igor ist mit seiner Familie aus der Ukraine geflüchtet. Nachdem sie zunächst im Maritim Hotel und anschließend im A&O Hostel in Stuttgart untergebracht waren, mussten sie in die Scheyer-Halle umziehen. Im SWR-Interview spricht Igor englisch. Seine Antworten haben wir für diesen Artikel übersetzt.

"Wir sind froh ein Dach über dem Kopf zu haben. Aber die Organisation könnte viel, viel besser sein."

Die Stimmung sei angespannt. Auch wegen fehlender Privatsphäre, wie uns eine Frau erzählt. "16 Quadratmeter für acht Menschen. Das ist nicht normal." Es sei auch nicht normal, dass Tauben flögen und auf Toilette gingen, wo Menschen essen und schlafen, führt sie fort.

Kritik am Essen und am Verhalten des Sicherheitspersonals

Weitere Spannung entsteht laut Igor bei der Essensvergabe. "Das Essen wird von Tag zu Tag schlechter. Teilweise essen die Menschen es nicht einmal mehr." Außerdem gebe es nur für die Personen eine Mahlzeit, die auch anwesend seien. So könne beispielsweise für Kinder, die in der Kita oder in der Schule seien, kein Essen abgeholt werden und das fehle dann den Kindern. Dazu komme das Personal. "Das Sicherheitspersonal macht, was auch immer es gerade will. Die provozieren uns. Die rauchen zum Beispiel in der Halle."

Handybilder der Bewohner: Die kleinen Kabinen in der Unterkunft haben keine Decke. Taubenkod landet so, nach angaben der Geflüchteten immer wieder auf den Matratzen. Durch die weitläufige hohe Halle entsteht ein hoher Lärmpegel.  (Foto: SWR, Maxim Fößel)
Handybilder der Bewohner: Die kleinen Kabinen in der Unterkunft haben keine Decke. Taubenkot landet so - nach Angaben der Geflüchteten immer wieder auf den Matratzen. Durch die weitläufige hohe Halle herrscht viel Lärm. Maxim Fößel

Igor zeigt auf Handybildern, wie es in der Schleyer-Halle aussieht. Eine Drehgenehmigung hat der SWR nicht bekommen. Die Stadt Stuttgart begründet diese Entscheidung damit, dass sie die Privat- und Intimsphäre der Geflüchteten schützen möchte. "Man muss bedenken, dass Menschen, die zu uns flüchten, auch Angst haben. Und wenn sie nicht wissen, was aus den Bildern wird, die von ihnen verbreitet werden, ist das schwierig", so der Stuttgarter Stadtsprecher Sven Matis.

Stadt Stuttgart stellt Verbesserung für Geflüchtete in Aussicht

Im SWR-Interview betont der Sprecher, dass die Nebenhallen der Schleyer-Halle als Unterkunft eine vorübergehende Notlösung darstellten. "Wir haben es hier mit einer Notunterkunft zu tun, die als Lagerstätte gedacht war für Requisiten, Bühnenmaterial und nicht für 500 Menschen. Uns ist es aber gelungen binnen weniger Wochen hier Menschen notunterzubringen", sagt Matis. Außerdem achte die Stadt darauf, dass die Geflüchteten versorgt würden.

"Wenn es Probleme gibt wie zum Beispiel Tauben oder auch Ratten, die gesehen worden sind, dann muss das natürlich behoben werden - da sind wir auch dran."

Laut Matis sollten die Lagerhallen in der Schleyer-Halle ursprünglich nur bis zum 16. September genutzt werden. Die Veranstaltungsgesellschaft, die die Nebenhallen der Schleyer-Halle zur Verfügung stellt, habe jedoch zugestimmt den Zeitraum zu verlängern. Zum Glück, sagt die Stadt, die damit rechnet, dass in den kommenden Wochen weitere Geflüchtete in Stuttgart ankommen werden.

"Wir sind dabei neue Kapazitäten zu schaffen, um den Menschen baldmöglichst einen Auszug zu ermöglichen."

Nach dem landwirtschaftlichen Hauptfest: Container für 400 Geflüchtete

Um weiteren und komfortableren Wohnraum in den kommenden Wochen zu schaffen, plant die Stadt im Anschluss an das landwirtschaftliche Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen, Container für 400 Geflüchtete aufzustellen. Diese Plätze sollen dann zuerst an die vergeben werden, die am längsten auf einen Platz warten.