Ein Elektroauto lädt an einer Stromtankstelle. (Foto: SWR, Lino Mirgeler)

"Gesetze leichter formulieren"

Stuttgart fordert weniger Bürokratie bei E-Ladesäulen

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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR)

Die Stadt sieht sich bei öffentlichen Ladestationen unter Großstädten vorne. Nun will sie hunderte weitere schaffen. Sie wirft Bund und Land vor, bei privaten Stationen zu bremsen.

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Die Stadt Stuttgart fordert vom Bund und vom Land, die Vorschriften bei der Zulassung von privaten Ladepunkten für E-Autos zu vereinfachen. Das Stuttgarter Baurechtsamt müsse sich bei der Genehmigung an die Gesetze und Verordnungen halten, erklärte Martin Körner (SPD), Leiter des Grundsatzreferats Klimaschutz, Mobilität und Wohnen, im SWR-Interview. "Und wenn die leichter formuliert wären, dann würde uns das unheimlich helfen", sagte Körner. Damit bezieht sich Körner auf Kritik am Baurechtsamt, wonach die Behörde bei der Zulassung von Ladestationen zuviel Zeit benötige.

SWR-Moderatorin Diana Hörger im Interview mit Martin Körner:

Stuttgart: "Bei Ladepunkten einsam an der Spitze"

Grundsätzlich sei Stuttgart aber bei den Ladestationen sehr gut aufgestellt, sagte Körner. "Wir sind ein bisschen stolz darauf, dass wir unter den zehn größten deutschen Städten die meisten öffentlich zugänglichen Ladepunkte haben", sagte er dem SWR. "Da sind wir wirklich einsam an der Spitze, wenn man das auf die Einwohnerzahl jeweils bezieht." Die Stadt teilt mit, es handle sich um insgesamt 1.159 Ladepunkte, darunter 1.086 sogenannte Normalllader und 73 Schnelllader. Die Bundesnetzagentur bescheinige Stuttgart "die höchste Dichte an öffentlich zugänglichen Ladepunkten unter den deutschen Großstädten".

Unternehmensberater für E-Mobilität: "Stuttgart ist nur Durchschnitt"

Oliver Greiner aus Stuttgart, der Unternehmen in Sachen Umstieg auf Elektro-Mobilität berät, sieht die Ladesäulen-Infrastruktur in Stuttgart nicht ganz so enthusiastisch. "Stuttgart ist stolz, dass es an die 1.000 Ladepunkte hat. Bei 20.000 Elektrofahrzeugen ist das aber nicht so viel, das ist ein Ladepunkt pro 20 Fahrzeuge. Das liegt im Durchschnitt von Baden-Württemberg. Wenn Stuttgart vorne weg sein will, würde ich mir wünschen, dass man mit mehr Mut in den Ausbau der Ladeinfrastruktur geht."

"Stuttgart ist nicht schlecht - aber Stuttgart könnte viel besser sein."

Stadt Stuttgart sieht Grenzen bei öffentlichen Ladestationen

Die Stadt teilt mit, nach dem Ausbau der ersten 1.000 Ladepunkte sollten weitere 1.000 folgen. "Dazu wird 2023 ein Konzept erstellt", kündigt die Stadtverwaltung an. Allerdings gerät Stuttgart nach Angaben von Körner zunehmend an Grenzen, wenn es um die Zahl der Ladepunkte im öffentlichen Raum geht - worunter er beispielsweise solche versteht, bei denen man "am Gehweg" das Auto laden könne.

"Irgendwann sieht das auch nicht mehr nur gut aus."

Stromausfall durch zu viele E-Autos?

Stattdessen setze die Stadt darauf, dass mehr private Ladepunkte bei Haushalten und Unternehmen entstehen. Im vergangenen Sommer hat die Stadt nach Angaben Körners beschlossen, derartige private Ladepunkte zu fördern. Dazu zählen demnach die Förderprogramme "Solaroffensive" und "privates Laden".

Dass zuviele E-Autos das Stromnetz in Stuttgart überlasten könnten, dieses Risiko hält Körner für beherrschbar. Natürlich müsse man sich mit diesem Thema beschäftigen, sagte er. "Aber wir wissen mittlerweile aus sehr konkreten Studien, die wir zum Beispiel für Bad Cannstatt gemacht haben, dass das lösbar ist."

Über Martin Körner

Körner ist Chefstratege des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper (CDU). Zuvor war er SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat und damit lange Zeit qua Amt dessen politischer Kontrahent. Seine Ernennung durch Nopper sorgte im Sommer 2022 daher für Aufsehen. Körner kandidierte außerdem 2021 ohne Erfolg für das Amt des Oberbürgermeisters.

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