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Zum Tag der Kriminalitätsopfer haben sich am Montag verschiedene Akteure zur aktuellen Situation in der Region Stuttgart geäußert. Ein wachsendes Problem sind dabei Hass und Hetze.

Zum 30. Tag der Kriminalitätsopfer hat sich der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit dem Stuttgarter Polizeipräsidenten Franz Lutz und Vertretern der Opferschutzorganisation Weisser Ring im Rathaus in Stuttgart getroffen. Nur eine sichere Stadt sei eine lebenswerte Stadt, so Nopper. Und weiter: Stuttgart sei nicht mehr die beschauliche Stadt von früher. Nopper betonte, dass er den Zehn-Punkte-Plan der Sicherheitspartnerschaft zwischen Polizei, Stadt und Land, mit großem Engagement fortführen wolle.

Darüber hinaus führte Nopper aus, dass es mittlerweile mehr städtisches Vollzugsbeamte gäbe, die die Polizei bei der Kriminalprävention unterstützten.

"Bei 500 Delikten war das Tatmittel das Smartphone"

Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Clemens Maier betonte, Stuttgart sei eine sichere Stadt. Konzepte die nach der Krawallnacht entwickelt worden seien, hätten gut funktioniert. So auch die Kontrolle von dezentralen Hotspots neben der Präventionsarbeit in der Innenstadt. Laut Polizeipräsident Franz Lutz seien im vergangenen Jahr zwei von drei Straftaten in Stuttgart aufgeklärt worden. In der Kriminalstatistik sei eine deutliche Verrohung ablesbar.

Dies betreffe sowohl den direkten, zwischenmenschlichen Umgang, wie auch das Internet. Hier würden viele den Mantel der Anonymität ausnutzen, um unerkannt Hass und Hetze zu verbreiten. Besorgniserregend sei aber auch die Entwicklung an Schulen. Bei 500 von 670 Straftaten, war das Tatmittel das Smartphone. Gemobbt werde nicht mehr auf dem Pausenhof, sondern auch im Internet. Hass und Hetze sind aber über die Schulen hinaus, sowohl online als auch auf den Straßen ein Problem. Dabei kämen die Opfer aus unterschiedlichen Bereichen.

Opfer von Hass und Hetze gibt es in unterschiedlichen Bereichen

103 Bedrohungen und Beleidigungen an Personen des öffentlichen Lebens seien im vergangenen Jahr registriert worden, so Lutz. Das entspreche einer Steigerung von 300 Prozent zum Vorjahr. 80 Prozent seien dabei rechtsextremistisch motiviert gewesen. Diese würden sich deutlich von Meinungsäußerung abheben und seien nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Die Tatbeständen wurden im letzten Jahr deutlich verschärft, so Lutz. Betroffen seien Homosexuelle, Ausländer, Juden aber auch Polizisten. Auch die Polizei sei in den letzten Jahren häufig betroffen von Angriffen - gerade bei Demonstrationen.

"Nicht die Täter dürfen im Mittelpunkt stehen!"

Hartmut Grasmück, Landesvorsitzender des Weissen Rings

Auch Sprecher des Weissen Rings waren bei der Konferenz vertreten. Sie bemängelten, dass zu wenig auf die Opfer geachtet werde. Der Fokus liege zu oft auf dem Täter, während eigentlich die Opfer Aufmerksamkeit und Unterstützung benötigten. Sie seien es besonders, die unter Hass und Hetze litten. Der Weiße Ring fordert daher mehr Zivilcourage.

"Jeder kann helfen", so die Meinung von Grasmück. Beispielsweise solle man Hasskommentare per Screenshot dokumentieren und zur Anzeige bringen. Viel Schweigen sorge dafür, dass sich Täter oftmals einer Strafe entziehen könnten. Der Weissen Ring ist ein gemeinnütziger Verein, der Opfern von Gewalt und Kriminalität hilft.

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