STAND
AUTOR/IN

Die Gäubahn: Nadelöhr und wichtig für pünktliches Zugfahren. Die Deutsche Bahn hat am Dienstag bestätigt, dass die Gäubahn beim Deutschlandtakt eine Rolle spielen soll. Aber konkret wurde man nicht.

Von einer "kleinen Revolution" spricht Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Vorstellung des Schienenpakts in Berlin. Kern des Pakts ist der sogenannte Deutschlandtakt, der es ermöglichen soll, bis 2030 alle größeren Städte Deutschlands im Halbstundentakt zu verbinden. Das hieße auch für Baden-Württemberg, dass wichtige Infrastrukturprojekte jetzt zügig angegangen werden sollen.

Auf Nachfrage des SWR bestätigte Bahnchef Richard Lutz, dass auch die Gäubahn in den Deutschlandtakt eingebunden werden solle. Konkreter werden wollte er jedoch nicht. Die Gäubahn führt von Stuttgart nach Horb (Kreis Freudenstadt), Rottweil, Singen (Kreis Konstanz) bis nach Zürich.

Finanzierung: Kretschmann sieht Bund in der Pflicht

Letzte Woche hatte auch die baden-württembergische Landesregierung bestätigt, dass es tatsächlich Ausbaupläne gebe. Unter anderem soll ein rund zehn Kilometer langer Tunnel zwischen Stuttgart-Rohr und dem Stuttgarter Flughafen gebaut werden. Am Dienstag betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): "Solche Ergänzungen müssen sehr rasch umgesetzt und angegangen werden." Bei der Finanzierung sieht der Ministerpräsident den Bund in der Pflicht.

Ist das der Durchbruch für die Gäubahn? Danach sieht es aus. Die Strecke von Stuttgart nach Zürich wurde lange vernachlässigt. Sie ist über weite Strecken eingleisig. Ihr Ausbau wird schon lange gefordert, doch passiert ist nichts. Nun könnte der Deutschlandtakt helfen.

Tunnel könnte Nadelöhr beseitigen

Ein zusätzlicher Tunnel zwischen Stuttgart-Rohr und dem Flughafen würde auch ein Nadelöhr beseitigen, das durch die Planungen für Stuttgart 21 entstanden ist. Bisher sollten die Züge aus Richtung Horb über die S-Bahn-Gleise zum Flughafen geführt werden. Doch für S-Bahn-Züge sowie den gesamten Regional- und Fernverkehr wäre kaum Platz gewesen.

Video herunterladen (2,7 MB | MP4)

Ein zusätzlicher Tunnel würde hier Abhilfe schaffen. Außerdem solle auch endlich die teilweise Zweigleisigkeit südlich von Horb hergestellt werden - also eine ganz große Lösung. Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) schätzt die Kosten dafür auf rund eine Milliarde Euro.

Projekt könnte bis 2030 dauern

Allerdings ist das alles noch Zukunftsmusik, denn es gibt wohl noch keine fertigen Pläne für den Tunnel. Optimisten gehen davon aus, dass frühestens 2030 ein solches Projekt fertiggestellt werden könnte. Finanziert werden sollen der Tunnel und der weitere Ausbau vom Bund über den Bundesverkehrswegeplan. Der Tunnel wäre damit aus der Finanzierung von Stuttgart 21 herausgelöst. Er soll im Wesentlichen die wenig tauglichen Planungen von Stuttgart 21 am Flughafen ausbessern - darüber sind sich die Projektpartner weitgehend einig.

Ministerpräsident Kretschmann konnte sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: Bei all den Ergänzungen des Projekts Stuttgart 21 dürften sich die damaligen S21-Gegner vielleicht schon fragen, wo sie denn Unrecht hatten.

Neue Tunnelidee für Bahnprojekt S21 Neuer Gäubahn-Tunnel? Verkehrsminister gibt sich zurückhaltend

Der Bau eines neuen Gäubahn-Tunnels würde aus Sicht von Verkehrsminister Winfried Hermann zu Verzögerungen und Kostensteigerungen im Stuttgarter Bahnknoten führen. Gutachter hatten einen solchen Tunnel für die Anbindung an den Stuttgarter Flughafen vorgeschlagen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN