boarding-house-stuttgart (Foto: SWR)

Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine

Ärger um Boarding-Houses in Stuttgart-Weilimdorf: Möchte ein Eigentümer seine Mieter rausekeln?

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Die Stadt möchte einen Wohnkomplex anmieten, um dort hunderte ukrainische Flüchtlinge unterzubringen. Die derzeitigen Mieter haben den Verdacht, der Eigentümer wolle sie loswerden.

Um die beiden Boarding-Houses in Stuttgart-Weilimdorf ist ein Streit entbrannt: Die Bewohner der dortigen möblierten Appartements werfen dem Vermieter vor, sie herausekeln zu wollen. Die Stadt hatte zuvor Interesse beim Vermieter angemeldet, in leer stehenden Appartements Geflüchtete aus der Ukraine unterbringen zu wollen.

Mieterin bekommt Kündigung - kein WLAN und kein warmes Wasser mehr

Eine der misstrauischen Mieterinnen im Boarding-House ist Trixie Schüle. Sie macht eine Ausbildung zur Wirtschaftskorrespondentin, verdient momentan nicht viel Geld und bewohnt eines der Einzimmerapartments in dem großen Wohnkomplex in Stuttgart-Weilimdorf.

Die kleine Wohneinheit mit Bett, Schreibtisch und Küchenzeile ist für sie in der aktuellen Situation genau richtig. Wie viele andere Mieter der zwei Boarding-Houses in Stuttgart-Weilimdorf hat sie aber eine Kündigung bekommen und es geschahen ihrer Aussage nach seltsame Dinge.

"Irgendwann hatten wir kein WLAN mehr, kein Warmwasser für ein paar Tage, Kabelfernsehen war dann auch weg."

Ihr Verdacht: Der Vermieter würde die Mieter herausekeln wollen. Das gesamte Haus an die Stadt zu vermieten, sei für den Vermieter - eine Firma aus Göppingen - einfacher und damit lukrativer, so Schüle. Zu dem Verdacht und den Vorwürfen äußerte sich das Unternehmen aus Göppingen bislang nicht.

Stadt Stuttgart nicht glücklich über Situation

Bei der Stadt Stuttgart sei man auch nicht glücklich über die Entwicklung, so Bürgermeister Thomas Fuhrmann. Immerhin wolle man hunderte Appartements mieten und dabei nicht Geflüchtete und andere Mieter gegeneinander ausspielen.

"Wir haben natürlich mit dem Eigentümer geredet und das ist natürlich ein Zustand, den wir auf keinen Fall akzeptieren wollen. Uns wurde gesagt, dass kein einziger Mieter rausgeekelt werden soll", sagte Fuhrmann. Man habe von Anfang an klargemacht, dass man nur die Appartements anmieten wolle, die auch frei seien.

Wohnkomplex in Stuttgart-Weilimdorf ursprünglich für ausländische Fachkräfte

Ursprünglich gedacht waren die rund 280 möblierten Appartements für Fachleute und Arbeiter internationaler Konzerne, die mal für ein paar Monate in Stuttgart arbeiten. Während der Pandemie ging dieser Austausch an Fachleuten aber zurück. Der Besitzer hat die Boarding-Houses in Stuttgart-Weilimdorf deshalb langfristig anderweitig vermietet.

Der Mieterverein Stuttgart hat in diesem Fall mittlerweile Rechtsmittel ergriffen. Rolf Gassmann vom Mieterverein warnt die Stadt davor, mit fraglichen Investoren Geschäfte machen.

"Jemand, der sich an Mietverträge nicht hält, Mietern wahllos kündigt mit unberechtigten Gründen, Mieter dann unter Druck setzt, […] so jemanden als Vertragspartner zu nehmen und so jemandem sehr viel Geld für die Unterbringung von Flüchtlingen zu geben, das ist bedenkenswert."

Hoffnung auf Wohnraum

Bei der Stadt heißt es: Man prüfe den Fall auf Recht und Verhältnismäßigkeit, aber man sei auch auf Angebote aus der Immobilienbranche angewiesen.

Trixie Schüle will in ihrer Wohnung bleiben und um sie kämpfen. Das Kabelfernsehen läuft bei ihr immer noch nicht. Das Warmwasser geht mittlerweile wieder. Das WLAN musste sich die Auszubildende selbst kaufen, weil sie für ihre Ausbildung darauf angewiesen ist.

Die Rechnung dafür musste ihr Vater übernehmen, der selbst Rentner ist und nicht viel Geld übrig hat. Die Situation belaste die die 21-Jährige. "Es macht mich mental echt fertig, muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt Nächte, da lieg ich einfach im Bett und bin einfach nur am Verzweifeln."

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