Marion Haug, Diana Kovaleva und Ina Haug haben ein eigenes Start-up gegründet (Foto: SWR)

Hochschule für Technik

Psychische Gesundheit: Stuttgarter Studentinnen gründen Start-up

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Drei junge Stuttgarterinnen haben eine Software entwickelt, mit der Unternehmen die psychische Belastung ihrer Mitarbeitenden erfassen und verbessern können. Das Start-up kommt gut an.

Ina Haug, Diana Kovaleva und Marion Riedel stehen vor einem großen Whiteboard. Darauf verteilt kleben bunte Post-its. Gemeinsam brainstormen die drei in ihrem Stuttgarter Büro, um ihr Start-up weiterzubringen. Sie diskutieren viel: Was können sie noch verbessern? Wie ist das Feedback der Kunden? Wer übernimmt welche Aufgaben? Die jungen Frauen arbeiten hart an sich und ihrer Geschäftsidee.

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"Wir möchten das machen, wofür unser Herz schlägt, und das ist psychische Gesundheit. Dadurch ist es auch eine sehr emotionale Geschichte", erzählt Marion Riedel. "Manchmal ist man sehr enttäuscht, wenn etwas nicht klappt, aber dadurch hat man auch wieder sehr, sehr große Erfolgserlebnisse, wenn man merkt: Das kommt an und das ist auch das, was gebraucht wird."

Psychische Gesundheit soll verbessert werden

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die entwickelte Software der drei jungen Frauen soll Unternehmen dabei helfen, die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden zu erfassen und zu verbessern.

Die Idee dafür kam den Frauen Ende vergangenen Jahres. Im Rahmen ihres Wirtschaftspsychologie-Studiums an der Hochschule für Technik in Stuttgart hatten sie die Möglichkeit anstelle eines Praktikums ein eigenes Start-up zu gründen.

Mitarbeiter werden anonym befragt

Möchte ein Unternehmen die psychische Belastung am Arbeitsplatz erfassen und verbessern, werden zunächst die Mitarbeitenden befragt - anonym, damit niemand Angst vor Konsequenzen haben muss. "Die Fragen beschäftigen sich mit Belastungen, die alle am Arbeitsplatz auftreten können", erklärt Ina Haug. "Das heißt, es geht um die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz, es geht aber auch um den Arbeitsinhalt an sich: Wie abwechslungsreich ist meine Aufgabe?"

Die Software wertet die Antworten aus und schlägt Maßnahmen vor, die die Belastungs-Situation von Mitarbeitenden verbessern sollen.

"Was wir am meisten versuchen, ist dem Unternehmen zu zeigen: psychische Belastung ist nicht etwas Ungreifbares, sondern es schlägt sich in Fakten wieder, also in der Motivation, in der Mitarbeiterbindung und im Endeffekt auch in Gewinn oder Verlust."

Die Zielgruppe sind vor allem mittelständische Unternehmen, so wie das von Evamaria Boll-Scholte van Mast aus Donaueschingen. Sie ist eine der ersten Kundinnen. Die Software nehme ihr viel Arbeit ab, erzählt die Geschäftsführerin. "Dadurch können wir an unsere Mitarbeiter was zurückgeben und auf ihre Bedürfnisse eingehen, ohne dass wir bei uns zusätzlich Kapazitäten aufbauen müssen. Daher finde ich das System sehr, sehr ausgeklügelt von den drei Damen", findet Evamaria Boll-Scholte van Mast.

"Arbeiten dann, wenn wir die Power haben"

Ein System, in dem viel kreative Arbeit, aber auch spaßige Pausen am Tischkicker stecken. Die drei Frauen versuchen intuitiv zu arbeiten und haben keine festen Kernarbeitszeiten. "Wir versuchen dann zu arbeiten, wenn wir die Power dafür haben und dafür machen wir längere Pausen", sagt Marion Riedel. "Dann wird’s halt mal hart, aber für uns fühlt sich das so gut an und besser als ein eintöniger Alltag in einem Angestelltenverhältnis."

Seit der Gründung ihres Start-ups werden die jungen Frauen auch von Prof. Dr. Patrick Planing unterstützt. "Im Studium hat man diesen freien Raum, um sich auszuprobieren", erklärt er. Daher fördert die Hochschule der Technik Stuttgart, die Gründung von Start-ups durch Studierende. Aus seiner Sicht gebe es nämlich viel zu wenig Gründer in der Region Stuttgart.

Junge Frauen wollen mit ihrem Start-up Vorbild sein

Das liege vor allem an der starken Industrie in Baden-Württemberg: "Die großen Unternehmen aus der Region locken mit lukrativen Verträgen. Meistens haben die Studierenden schon im fünften oder sechsten Semester vor Abschluss schon den ein oder anderen tollen Vertrag in der Tasche. Das macht es unglaublich schwierig, Studierende zu finden, die den Mut haben, diesen Schritt zu gehen."

Ina Haug, Diana Kovaleva und Marion Riedel sind diesen mutigen Schritt gegangen. Sie wollen auch nach ihrem Studium in ihrem eigenen Unternehmen arbeiten. Dafür hoffen sie auf finanzielle Unterstützung durch ein Stipendium. Eins ist den drei jungen Frauen besonders wichtig, erzählt Ina Haug. Sie wollen Vorbild sein, "um zu zeigen: Selbständigkeit als Frau ist möglich".

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