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Ein Jahr nach den Ausschreitungen in der Stuttgarter Krawallnacht bilanziert die Stadt die seither ergriffenen Maßnahmen - und wird von kirchlicher Seite harsch kritisiert.

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Als Folge der Vorfälle aus der Stuttgarter Krawallnacht vom Juni 2020 war eine Sicherheitspartnerschaft zwischen der Stadt Stuttgart, dem Land und der Polizei geschlossen worden. Land und Polizei haben bereits erklärt, ihren Anteil an Aufarbeitung und Prävention - etwa mit der Ermittlung und Strafverfolgung der beteiligten Täter - größtenteils geleistet zu haben. Zudem stelle das Land nun provisorisch Kameras am Neuen Schloss zur Verfügung, mit der die Videoüberwachung am Schlossplatz und im Schlossgarten zum Jahrestag der Krawallnacht starten könne.

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) erklärt, die Stadt habe im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft mobile Jugendarbeit in der Innenstadt etabliert. Acht Streetworker suchten nun den Kontakt zu jungen Menschen. Außerdem betreut das Jugendamt 30 junge Menschen aus der Krawallnacht, die sich um Wiedergutmachung de Schäden bemühten, hieß es in einer Mitteilung der Stadt. Auch wenn man in Sachen Aufarbeitung und Prävention großes Engagement sehe, könne man von den Maßnahmen "keine Wunder erwarten", so Nopper.

Harsche Kritik an Stadtverwaltung

Stuttgart sei Anziehungspunkt für tausende junge Menschen, "Hotspots" stellten Stadt und Polizei vor extreme Herausforderungen. Der katholische Stadtdekan Christinan Hermes zeigte sich unterdessen tief enttäuscht von den Präventionsmaßnahmen. Hermes sagte dem SWR, die Stadt habe jahrelang tatenlos dabei zugesehen, was sich rund um den Eckensee im Schlossgarten und am Schlossplatz abspiele.

"Keine Überraschung"

Es gebe seit vielen Jahren schon das Problem der Partynächte, der Vermüllung und Verwahrlosung. Auch das Land trage Verantwortung. Teile des Schlossplatzes und des Schlossgartens seien Liegenschaften des Landes, so der Stadtdekan. "Wer überrascht davon war, dass das Ganze irgendwann mal explodiert oder so ausbricht, hat vorher wenig davon mitbekommen - oder wollte es nicht mitbekommen", so Hermes. Er lebt in unmittelbarer Nähe des Schlossplatzes und kritisiert unter anderem - wie andere Anrainer auch - seit Jahren das Fehlen öffentlicher Toiletten in diesem Bereich. Im SWR-Interview (Audio) schildert Hermes ausführlich die Zustände.

Sicherheit als dringendes Gebot

OB Nopper verwies in einer Mitteilung darauf, dass jenseits der Strafverfolgung Stadt und Land im Rahmen ihrer Sicherheitspartnerschaft zahlreiche präventive und repressive Maßnahmen auf den Weg gebracht habe, um Stuttgart sicherer zu machen. Allerdings räumte Nopper ein:

"Die Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen. Wir werden einen langen Atem brauchen"

Die Beleuchtung im Oberen Schlossgarten, einer Liegenschaft des Ministeriums für Finanzen Baden-Württemberg, sei bereits im vergangenen Jahr optimiert worden. Auch seien nun Verbote zum nachhaltigen Alkoholkonsum in den Schlossgartenanlagen wirksam geworden.

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