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Am Landgericht Stuttgart hat am Dienstag ein Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs begonnen. Der Angeklagte soll seine eigene, Ende 2009 geborene Tochter missbraucht haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann insgesamt 58 Fälle von sexuellem Missbrauch im Zeitraum zwischen September 2016 und August 2019 vor. Laut Staatsanwältin war das Kind dabei sechs bis neun Jahre jung. Zu den Übergriffen soll es sowohl in der Wohnung der Familie in Esslingen als auch an einem Urlaubsort gekommen sein. Der 56-jährige Angeklagte wurde im Sommer 2020 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Zum Prozessauftakt machte er noch keine Angaben zur Sache.

Vorwurf jahrelanger Vergewaltigungen

Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft seine Tochter immer wieder gezwungen haben, Porno-Videos anzuschauen. Dabei habe er sie und sich selbst ausgezogen und dann vergewaltigt, so die Anklage. Auf dem Boden, einer Couch, im Wohn- oder Spielzimmer des Kindes. Seine Frau, die Mutter des Mädchens, war wohl nie anwesend. Die meisten Taten geschahen laut Anklage in der Esslinger Wohnung der Familie; aber auch im Haus seines Bruders in der Türkei soll sich der Mann an der Tochter vergangenen haben.

Der Eingangsbereich zum Landgericht Stuttgart (Foto: SWR, Jochen Bruche)
Der Eingang zum Landgericht Stuttgart Jochen Bruche

Emotionaler Auftritt vor Gericht

Zur Sache selbst hatte sich der 56-Jährige zu Prozessbeginn nicht geäußert. Dennoch bezog er ausführlich zu seinem bisherigen Leben Stellung. Er erzählte von einer ersten Ehe mit drei Kindern, einer Beziehung, die scheiterte. Er selbst - das war das Bild, das er von sich zeichnete - sei ein hilfsbereiter, toleranter und emotionaler Mensch. Die Gerichtsverhandlung hatte ihn am ersten Prozesstag offenbar sichtlich mitgenommen. Immer wieder war er von Tränen geschüttelt, berichtete unter Schluchzen, wie er auch in der zweiten Ehe ausgenutzt wurde. Insbesondere auch von den Schwiegereltern. Warum er sich laut Anklage aber an der eigenen Tochter vergangenen hatte, dazu sagte er bislang nichts.

Motiv noch unklar

Sein Verteidiger kündigte an, vorerst nur Angaben zu Person zu machen, zu einem späteren Zeitpunkt wolle er aber auch zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Ob dann noch die Aussagen, die von seiner Tochter aufgezeichnet wurden - wohl unter Ausschuss der Öffentlichkeit vorgespielt werden - blieb offen. Seine zweite Frau war zu Prozessbeginn nicht im Gerichtssaal anwesend. Bislang sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt, in denen unter anderem das Motiv des Mannes geklärt werden soll. Auch die Fragen, welche Rolle die Mutter spielte und was sie von dem mutmasslichen schweren sexuellen Missbruach mitbekam?

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