Schildkröten paaren sich (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | epa Raed Qutena)

Von ewiger Liebe und gefährlichen Liebschaften

Sex im Tierreich - der Stuttgarter Wilhelma-Chef klärt auf

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Sind Tiere treu? Haben sie Sex nur zur Fortpflanzung? Und warum gibt es auch im Tierreich Gewalt beim Geschlechtsakt? Thomas Kölpin, Direktor der Wilhelma in Stuttgart, hat die Antworten.

Bei vielen Tierarten geht es den Männchen vor allem darum, sich mit möglichst vielen Weibchen zu paaren, um ihre Gene breit zu streuen. Die Weibchen setzen hingegen nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. Sie legen Wert auf gute Gene, damit ihr Nachwuchs groß und stark wird.

Bei den Bonobos heißt es: Liebe statt Krieg

Bei den Zwergschimpansen, deren Erbgut zu 98,7 Prozent identisch ist mit dem von uns Menschen, ist Sex das Rezept für ein friedliches Miteinander. Er hilft, Spannungen und Aggressionen abzubauen. Gleichgeschlechtlicher Sex unter Affendamen ist bei Bonobos die Regel und schafft ein positives soziales Klima.

"Die Bonobos leben in einer Weibchen-beherrschten Gesellschaft. Da ist es wichtig, dass Allianzen geschmiedet werden können. Das wird durch Sex verstärkt."

Bei den Löwen dagegen sind es die Männchen, die durch gleichgeschlechtlichen Sex Konflikte lösen. Forscher schätzen, dass rund 1.500 Tierarten weltweit homosexuell aktiv sind.

Homosexualität ist bei Tieren weit verbreitet

Auch wenn die Geschichte vom Storch, der die Babys bringt, immer wieder gerne erzählt wird – Adebar gehört zu den Vogelarten, die eine ausgeprägte Neigung zur Homosexualität haben. Auch viele Pinguine sind schwul. Das Weibchen legt ein Ei. Ein Männchen bebrütet es und nimmt sich ein anderes Männchen. Gemeinsam ziehen sie das Jungtier auf, so der Wilhelma-Direktor.

Tiere beim Sex (Foto: SWR)
Wenn Tiere Sex haben, dann geht es vielen Tierarten nicht nur um die Fortpflanzung, sagt der Chef der Stuttgarter Wilhelma Thomas Kölpin.

"Das ist ein extremes Beispiel, wo man wirklich sieht, dass die nicht nur homosexuelles Verhalten zeigen, sondern auch tatsächlich die Jungtieraufzucht gemeinsam übernehmen."

Viele lesbische Kontakte gibt es unter den Delfinen. Das liegt daran, dass die Männchen in der Gruppe bleiben, in der sie geboren wurden. Die Weibchen wandern hingegen ab. Wenn sie dann in fremde Gruppen kommen, müssen sie gute Kontakte aufbauen zu den anderen Weibchen. Das geschieht durch Sex.

Gefährliche Liebschaften nicht nur bei Spinnen

Bei manchen Spinnen geht Liebe sprichwörtlich durch den Magen. Denn Weibchen der Schwarzen Witwe, der Kreuzspinne oder auch der heimischen Wespenspinne fressen die Männchen während oder nach der Paarung. So bleibt die Kopulation möglichst kurz und die Spinnenweibchen können sich auch noch mit anderen Männchen paaren. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Partner mit den besten Genen zu finden.

Das verspeiste Männchen ist auch eine gute Nahrungs- und Energiequelle, die dem Nachwuchs zugute kommt. Denn Forscher haben festgestellt, dass die Gelege von männerfressenden Weibchen größer sind, als die von Spinnenfrauen, die keinen Kannibalismus betreiben.

Schmetterlinge beim Sex (Foto: SWR)
Stressabbau, Zusammengehörigkeit und Harmonie sind neben dem Weitergeben der eigenen Gene Gründe für Sex bei Tieren. Doch nicht immer läuft es friedlich ab.

"Die heftigsten Formen haben wir bei Fangschrecken wie den Gottesanbeterinnen. Bei ihnen wird während des Paarungsakts die Spermaübertragung erst ausgelöst, wenn das Weibchen dem Männchen den Kopf abbeißt."

Bei den Stockenten sind es die Männchen, die aggressiv zur Sache gehen. Während die Erpel ihre Korkenzieher-Penisse in die Weibchen hinein schrauben, drücken sie sie unter Wasser. Experten schätzen, dass dabei bis zu zehn Prozent der Weibchen ertrinken!

Ewige Liebe gibt es zum Beispiel bei Echsen

Monogame Partnerschaften gibt es im Tierreich nur selten. "Richtig monogame Tiere, die also nicht fremdgehen, sind zum Beispiel die Tannenzapfenechsen aus Australien", erklärt der Wilhelma-Chef. Wenn der Partner stirbt, würden sich diese nicht mehr mit anderen Tieren paaren.

Auch Papageien bleiben sich ein Leben lang treu. Sie leben in riesigen Schwärmen, weil das den Vögeln Schutz vor Raubtieren bietet. Und innerhalb des Schwarms bilden sich fast immer monogame Pärchen.