Schwanenküken im Rosensteinpark (Foto: Gabi Rohde)

Vogelfotografin fassungslos

Eines tot, acht verschwunden: Was ist mit den Schwanenküken vom Stuttgarter Rosensteinpark passiert?

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Vor wenigen Tagen hatte ein Schwanenpaar im Rosensteinpark Junge bekommen. Nun ist ein Küken tot, von den anderen acht fehlt jede Spur. Eine Besucherin kämpft mit den Tränen.

Der Stuttgarter Rosensteinpark ist einer von Anne Staufs Lieblingsorten. Nilgänse, Stockenten und Schwäne tummeln sich an diesem sonnigen Mittag am Pumpsee. Doch was die 64-Jährige hier vor kurzem beobachtet hat, wühlt sie noch immer auf.

Rosensteinpark: Ein Küken tot im Wasser

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Stauf darüber gefreut, dass im Park neun Schwanenküken geschlüpft waren. Fast jeden Tag kommt die Rentnerin hierher, um die Vögel im Park zu beobachten und zu beobachten. Dafür nimmt Stauf ein ganzes Stück Weg auf sich, denn die 64-Jährige lebt in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis).

Schwanenküken im Rosensteinpark (Foto: Gabi Rohde)
Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Die Schwanenfamilie aus dem Rosensteinpark mit neun gesunden Küken. Gabi Rohde

Doch als sie Tage später wieder in den Park kam, folgte der Schock: Ein Küken schwamm leblos auf dem Wasser, von den anderen acht fehlte jede Spur. Anne Stauf fängt an zu weinen, als sie dem SWR von dem Vorfall berichtet.

"Ich habe gesehen, dass die Schwanendame gar keine Küken bei sich hat. Ein totes Küken lag auf dem Wasser. Ich war entsetzt."

Totes Küken wird wohl nicht weiter untersucht

Die Stuttgarter Feuerwehr barg das tote Tier am Samstag aus dem See. Nach Angaben der Stadt waren an ihm keine äußeren Verletzungen zu erkennen. Zu einer weiteren Untersuchung kommt es offenbar nicht: Untersucht werde ein Kadaver nur, wenn der Verdacht auf Tierquälerei oder eine Seuche bestehe, sagte ein Sprecher dem SWR. Beides sei bei dem toten Küken aber nicht der Fall gewesen.

Feuerwehr holt totes SChwanenküken aus dem See (Foto: Feuerwehr Stuttgart)
Die Stuttgarter Feuerwehr holte das tote Küken vom Wasser. Feuerwehr Stuttgart

Expertin: Hunde, Marder und Füchse sind Feinde von Schwänen

Wo die restlichen acht Küken sind, darüber hat die Stadt Stuttgart keinerlei Erkenntnisse. Anne Stauf, die die Tiere zuvor noch gesehen und dann das tote Tier entdeckt hatte, befürchtet, dass Menschen die Küken gefangen haben könnten. Doch Belege dafür gibt es nicht.

Letztlich könne man nur darüber spekulieren, was mit den verschwundenen Küken geschehen sei, erklärt die Vogelexpertin Friederike Woog vom Naturkundemuseum Stuttgart auf SWR-Anfrage.

"Für kleine Küken geht von verschiedenen Tieren Gefahr aus, zum Beispiel von Mardern, Füchsen oder Greifvögeln."

Normalerweise würden solche feindlichen Tiere aber höchstens ein oder zwei Küken fressen und nicht alle auf einmal. "Von daher ist es schon ein bisschen seltsam", sagt Friederike Woog über die insgesamt acht verschwundenen Küken. "Es können Menschen sein, die die Küken gefangen haben", sagt sie, was auch Anne Staufs Vermutung ist. "Aber ich tippe eher auf einen Hund oder einen Fuchs", sagt Woog. Doch auch das sei letztlich nur eine Vermutung.

Nicht alle Schwanen-Geschichten aus der Region Stuttgart enden tragisch - manchmal gibt es ein Happy End:

Hunde an die Leine, fordert Vogelexpertin

Die Vogelexpertin Friederike Woog vom Naturkundemuseum ruft Passanten dazu auf, Hunde an der Leine zu lassen.

"Wir haben öfter Gänse, die von Hunden gerissen werden. Es ist wichtig, Regeln zu beachten, wenn man so eng mit den Tieren in der Stadt zusammen lebt."

Stuttgarter Parks: Vögel füttern schadet ihnen eher

Wer Vögeln etwas Gutes tun wolle, dürfe sie außerdem nicht mit Brot füttern, so die Vogelexpertin vom Naturkundemuseum, denn das schade ihnen eher. Dadurch ändere sich zum Beispiel der Nährstoffgehalt im Wasser. Dadurch könnten die Gewässer kippen, wodurch die Vögel wiederum leichter krank werden könnten.

Was mit den verschwundenen Küken geschehen ist, wird sich wohl nie endgültig aufklären lassen. Die Vogelfotografin Anne Stauf, die regelmäßig den Rosensteinpark besucht, sorgt sich um das Schwanenpaar und hofft, dass die Tiere nächstes Jahr wieder brüten.

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