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Vor der großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart läuft seit Freitag ein Schleuserprozess. Verhandelt wird über erschlichene Aufenthaltsberechtigungen durch Scheinehen.

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, Menschen aus Nicht-EU-Staaten durch Scheinehen zu einer Aufenthaltsberechtigung in Deutschland verholfen zu haben. Diese Ehen wurden laut Anklage meist zwischen indischen Männern und Griechinnen arrangiert.

Staatsanwaltschaft vermutet Bandengeschäft

Vor Gericht haben sich zwei Männer zu verantworten. Die Angeklagten seien ein 58 Jahre alter Inder, der das illegale Geschäft von Griechenland aus organisiert haben soll, sowie ein aus Pakistan stammender 38 Jahre alter Mann, der in Pforzheim lebt. Darüber hinaus sollen aber noch mindestens 16 weitere Menschen beteiligt gewesen sein, so die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Zunächst stehen aber nur die beiden Angeklagten vor Gericht.

Gefälschte Miet- und Arbeitsverträge

Um die Aufenthaltsberechtigung zu bekommen, sollen die Angeklagten Frauen in Griechenland 5.000 Euro geboten haben. Im Gegenzug ließen sich diese von einem Priester in Griechenland mit den vermittelten Männern verheiraten und beim Standesamt offiziell genehmigen. Dies soll möglich gewesen sein, ohne dass der Partner überhaupt anwesend war. Unter den Ehegatten sollen Asylbewerber aus Indien sein, die bereits in Deutschland leben und deren Asylantrag abgelehnt worden ist.

Damit das Ehepaar letztendlich eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland erteilt bekommt, sollen die beiden Angeklagten die Scheinehepaare mit gefälschten Miet- und Arbeitsverträgen sowie anderen Unterlagen zur Vorlage bei Ausländerbehörden ausgestattet haben. Dafür sollen sie zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Fall kassiert haben.

Ermittlungen gegen Scheineheleute

Zwischen 20 und 30 Paare sollen die Männer auf diese Weise nach Deutschland geschleust haben, wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte. Darunter seien auch Paare in Stuttgart und der Region.

Das Landgericht Stuttgart hat bis zu zehn Verhandlungstage angesetzt. Diese reichen bis zum Februar im nächsten Jahr. In ähnlichen Fällen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart die Täter mit bis zu vier Jahren Haft bestraft. Auch gegen die angeblichen Scheineheleute wolle die Staatsanwaltschaft ermitteln.

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