Steht der Schlachthof Gärtringen vor dem Aus? Der Bürgerentscheid in Rottenburg zum eigenen Schlachtbetrieb hat hier die Weichen neu gestellt. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach dem Bürgerentscheid Rottenburg

Steht der Schlachthof Gärtringen endgültig vor dem Aus?

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Der Bürgerentscheid in Rottenburg über den eigenen Schlachtbetrieb hat auch Folgen für den Schlachthof in Gärtringen. Kann er noch saniert werden?

Bei einem Bürgerentscheid in Rottenburg (Kreis Tübingen) hat die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sich am Sonntag dafür ausgesprochen, den Schlachtbetrieb der eigenen Stadt zu erhalten. Damit wurde gleichzeitig der Beschluss des Gemeinderats gekippt, sich an der Sanierung des Schlachthofs in Gärtringen (Kreis Böblingen) zu beteiligen und künftig dort schlachten zu lassen.

Zur Finanzierung der Sanierung fehlt jetzt eine Million

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard bedauert das Rottenburger Ergebnis. Somit werde an einem "überalterten und nicht konkurrenzfähigen Schlachthaus" festgehalten. Mit dem Finanzierungsbeitrag aus Rottenburg und dem Landkreis Tübingen könne nun nicht mehr gerechnet werden.

"Damit fehlt eine Million Euro für die Investition in den Umbau des Gärtringer Schlachthofs. Wir werden prüfen, ob es an anderer Stelle Bereitschaft gibt, dieses Loch zu stopfen."

Dies sei aber mehr als fraglich. Der Landkreis Böblingen könne nicht in die Bresche springen für die fehlende Million. Das Ministerium für Landwirtschaft hat ein Programm zur Förderung von regionalen Schlachthöfen bei Investitionen in eine Schlachtung nach Tierwohl-Kriterien aufgelegt und ein Fördervolumen von insgesamt bis zu 11 Millionen Euro bereitgestellt (In einer früheren Version hatten wir fälschlicherweise geschrieben, dass das Land BW den Schlachthof mit einem Finanzierungsanteil von 10,5 Millionen Euro bereit stünde. Das war falsch. Wir bitten um Entschuldigung!). Für den Schlachthof Gärtringen wurde eine Förderung von bis zu 3,8 Mio. Euro in Aussicht gestellt.

Alles war schon besprochen und unterschriftsreif

Die Kooperationsverträge waren schon unterschriftsreif. Nun habe der Bürgerwille eben anders entschieden, so Bernhard. Allerdings würde das Land Baden-Württemberg wohl kaum zwei Schlachthöfe finanzieren, die nur 18 Kilometer auseinander liegen. "Im schlimmsten Fall gebe es dann keinen von beiden Schlachthöfen mehr."

Der Schlachthof in Gärtringen war 2020 nach Vorwürfen der Tierquälerei geschlossen worden. Den Plänen nach soll er zum modernen Schlachtbetrieb umgebaut werden, denn rein wirtschaftlich könne der Standort durchaus betrieben werden, heißt es aus dem Landratsamt. Aber dafür müsse er dringend saniert werden.

Landwirtschaftsministerium will Gespräche mit allen Beiteiligten führen

Das Landwirtschaftsministerium BW konnte auf SWR-Anfrage noch nicht ausführen, welche Konsequenzen die Rottenburger Entscheidung für den Schlachthof Gärtringen hat. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es:

"Welche weiteren konkreten Auswirkungen diese neue Sachlage auf den Umbau und die Realisierung des Neustarts am Schlachthof Gärtringen hat, muss nun von den Verantwortlichen vor Ort bewertet und in ein neues Konzept eingearbeitet werden."

Das Ministerium sieht in erster Linie nun den Landkreis mit der Betreibergesellschaft gefordert. Sobald ein Förderantrag mit finaler Konzeption vorliege, würden konstruktive Gespräch mit allen Beteiligten geführt. Eine hofnahe Schlachtung in regionalen Schlachthöfen sei dem Land ein großes Anliegen.

Immer weniger Schlachthöfe in der Region

Ende 2022 musste schon der Schlachthof in Metzingen (Kreis Reutlingen) geschlossen werden. Auch der Schlachthof in Backnang (Rems-Murr-Kreis) ist seit mehreren Monaten nach Tierquälerei-Vorwürfen geschlossen.

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SWR