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Der Schlachthof in Gärtringen (Kreis Böblingen) darf vorerst keine weiteren Schlachtungen durchführen. Das hat das Landratsamt Böblingen verfügt. Der Schlachthof reagiert mit Unverständnis.

Der Schlachthof in Gärtringen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
Der Schlachthof in Gärtringen picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

Nachdem Anfang der Woche Tierquälereien am Gärtringer Schlachthof durch ein Video der Tierschutzorganisation SoKo Tierschutz an die Öffentlichkeit kamen, wurden dem Betreiber bestimmte Maßnahmen zum Schutz der Tiere vorgeschrieben.

Landratsamt: Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt

Diese Schutzmaßnahmen hat der Betreiber des Schlachthofs laut Landratsamt bisher aber nicht umgesetzt. Deswegen komme jetzt das Schlachtverbot. Erst wenn der Betreiber des Schlachthofs ein Konzept vorlege, wie und mit welchem Personal künftig tierschutzgerecht geschlachtet werde, soll die Verfügung wieder aufgehoben werden.

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Schließung ist ein Problem für die Landwirte

Landrat Roland Bernhard (parteilos) versprach den betroffenen Landwirten und Metzgern in der Region, den Neubeginn konstruktiv zu unterstützen. Im Moment fehlen den Landwirten die Alternativen. Der nächste Schlachthof in Rottenburg (Kreis Tübingen) ist zu klein. Und der Schlachthof Ulm ist manchen zu weit weg. Ein Biobauer sagte gegenüber dem SWR, dass die lange Anreise für Weidetiere zu stressig sei und man dies auch an der Fleischqualität merken würde.

Aufsichtsrat Egeler: Konsequenzen wurden beschlossen

Laut Schlachthof-Aufsichtsrat Günther Egeler wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe auf einer Krisensitzung des Schlachthofs beschlossen, dass mehr Personal eingestellt werde. Am Mittwoch sagte er im SWR, dass Viehzutrieb und Betäubung zur Chefsache erklärt worden seien und dass die Schlachtgeschwindigkeit reduziert werden solle. Egeler äußerte sich entsetzt über die Tierquälereien.

Schlachthof: Schließung erfolgte ohne Not

In einer Pressemitteilung reagierte der genossenschaftlich organisierte Schlachhof auf die angeordnete Schließung mit Unverständnis. Kurzfristige Maßnahmen wie Schulung des Personals, die Verringerung der Bandgeschwindigkeit oder die Anpassung der Betäubungsfalle für Schweine seien bereits eingeleitet und umgesetzt. Außerdem solle ein Kameraüberwachungssystem und eine neue Betäubungsanlage für Schlachtschweine installiert werden, die alle gesetzlichen Vorgaben erfülle.

Streit ging schon länger

Das Landratsamt Böblingen ist nicht erst in jüngster Zeit tätig geworden. Die Behörde hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren immer wieder auf bauliche Probleme hingewiesen und sogar Abmahnungen verschickt. Unter anderem ging es dabei um eine steile Rampe, über die sich die Tiere nur langsam bewegten. Die Beteuerungen des Schlachthofs, dass man Konsequenzen aus den Vorhaltungen ziehen wolle und auch schon gezogen habe, können Landrat Bernhard nicht überzeugen. Der Schlachthof habe schon viel zugesagt und sich dann nicht daran gehalten. Es geht auch um fehlendes Vertrauen.

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