Der Schlachthof der Firma Kühnle in Backnang (Rems-Murr-Kreis)

"Der amtliche Veterinär macht sogar mit"

Schlachthof Kühnle: Tierschützer erheben Vorwürfe gegen Amt

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Nicole Florié
Nicole Florié
Christian Spöcker
Christian Spöcker, SWR

Nach Recherchen von Report Mainz hat die Firma Kühnle ihren Schlachthof in Backnang vorerst geschlossen. Nun werfen Aktivisten dem amtlichen Veterinär Tierquälerei vor.

Im Fall des geschlossenen Schlachthofs in Backnang weist das Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises neue Vorwürfe von Tierschützern zurück. Der Verein "SOKO Tierschutz" mit Sitz in München kritisiert, ein Tierarzt der Behörde habe sich an Tierquälerei beteiligt. "Vor den Augen des amtlichen Veterinärs und Überwachungskameras kommt es zu brutalen Übergriffen auf die Tiere", schreiben die Aktivisten in einer Mitteilung vom Dienstag und berufen sich auf Aufnahmen, die diesen Vorwurf angeblich belegen.

Friedrich Mülln vom Verein SOKO Tierschutz
Friedrich Mülln vom Verein SOKO Tierschutz im Interview mit Report Mainz

"Der amtliche Veterinär macht sogar mit und quält ein Rind illegal mit Stromschlägen."

Die Tierschützerinnen und -schützer berufen sich dabei auf "Aufnahmen des Schlachthofes Backnang aus den letzten Monaten". Damit meinen sie den Betrieb der Firma Kühnle, den diese nach Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz vorerst geschlossen hatte. Auch Report Mainz bezieht sich auf diese Aufnahmen.

Landratsamt: Kein Strom, daher keine Qual

Die Aufsichtsbehörde im Rems-Murr-Kreis weist den Vorwurf zurück, ihr Veterinär habe sich an Tierquälerei beteiligt und ein Rind mit Stromschlägen gequält. "In einer Sequenz sieht man eine Amtsperson, die mehrfach mit einem Treiber antreibt", räumt Veterinäramts-Leiter Thomas Pfisterer ein. "Also ja, es ist zutreffend, dass Amtspersonen anwesend sind, beim sogenannten Zutrieb."

"Es stimmt auch, dass einer ebenfalls getrieben hat, mit einem E-Treiber - aber ohne elektrischen Strom."

Das sehe man auch auf den Aufnahmen daran, wie die Tiere reagiert hätten. Denn im Fall eines Stromstoßes hätte man eine Schmerzreaktion des Tieres gesehen, so Pfisterers Argumentation. Das Antreiben der Tiere zur sogenannten "Rinderfalle" sei jedoch an sich gerechtfertigt - "weil die baulichen Mängel eben da sind", sagt er über den Backnanger Schlachthof. Diese baulichen Mängel hätte seine Behörde auch beim Betrieb angemahnt.

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Magazin hat Aufnahmen von Tierschützern Schlachthof Kühnle in Backnang: Amt wusste von Vorwürfen

Das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises kannte Mängel im Schlachthof, den der Betreiber nach Report Mainz-Recherchen schloss. Für eine behördliche Schließung habe es nicht gereicht.

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Thema erreicht die Landespolitik

Die Aktivistinnen und Aktivisten des Vereins SOKO Tierschutz zielen mit ihrer Kritik auch auf die Landesregierung. "Die Mitarbeiter haben keine Ahnung, die Tiere erwachen im Todeskampf, der Veterinär bleibt untätig oder macht sogar mit. Das zeigt, dass die Regierung absolut gescheitert ist", so der Sprecher des Vereins. Die Landtags-Opposition hat das Thema inzwischen aufgegriffen: SPD-Fraktionschef Andreas Stoch wirft der Regierung Untätigkeit vor.

Seit Jahren fordern @spdlandtagbw und @jonasweber, dass die Schlachthöfe in #BW besser kontrolliert werden, damit #Tierquälerei verhindert wird. Landwirtschaftsminister Hauk macht seine Arbeit nicht und @FraktionGruenBW schaut zu. Wann handelt @RegierungBW? https://t.co/OpiPC7SEFQ

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