Ein Arzt untersucht in einer Kinderklinik ein Kind. Die Kliniken der Region Stuttgart sind derzeit voll mit Kindern mit dem RS-Virus - einer Atemwegserkrankung, die vor allem die Jüngsten stark trifft. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Atemwegserkrankung bei Kindern

RS-Virus: Kinderkliniken in der Region Stuttgart an der Belastungsgrenze

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Kinderkliniken in der Region Stuttgart zeichnen ein dramatisches Bild: Demnach grassiert unter Babys und Kindern das RS-Virus. Die Betten in den Kinderkrankenhäusern sind voll.

Die RSV-Welle hat vor etwa drei Wochen begonnen und seitdem beständig an Fahrt aufgenommen, so die Einschätzung von Jochen Meyburg, Ärztlicher Direktor für Kinder- und Jugendmedizin am RKH Klinikum Ludwigsburg auf SWR-Anfrage. Und: "Seit etwa einer Woche steigen die Zahlen explosionsartig an." Das bringt die Ludwigsburger Kinderklinik an ihre Grenze - und sie steht damit nicht alleine da.

200 kranke Kinder an einem Wochenende in Kinderklinik Ludwigsburg

Die Lage im Kinderkrankenhaus in Ludwigsburg sowie allen Kinderkliniken in ganz Deutschland beschreibt Meyburg als "sehr ernst". Es seien kaum noch Betten in Ludwigsburg frei. "Am Wochenende wurden täglich über 200 Kinder mit Atemwegsinfekten vorgestellt, die meisten davon dürften RSV oder Influenza gehabt haben - nicht alle Kinder werden getestet." Erschwerend komme hinzu, dass auch viel Krankenhauspersonal krank ausfalle, besonders auch durch Corona.

RSV-Welle übetrifft die der Vorjahre

Die diesjährige RSV-Welle sei noch schlimmer als die im vorigen Jahr, so die Einschätzung von Meyburg. Nicht nur was die Zahl der kranken Kinder betreffe, sondern auch die Verläufe seien oftmals schlimmer. Das treffe vor allem junge Säuglinge, denen das RS-Virus besonders zu schaffen mache. In diesem Jahr seien die Kleinsten deutlich kränker als sonst.

"Wir haben deutlich mehr Kinder auf der Intensivstation, wo langsam tatsächlich die Geräte knapp werden."

RS-Virus grassiert vermutlich noch sechs bis acht Wochen

"Auch ältere Kinder im Kindergartenalter müssen vermehrt stationär aufgenommen werden, weil sie zusätzlichen Sauerstoff brauchen, das kennt man aus den vorangegangenen Jahren so nicht." Aktuell seien in Ludwigsburg 15 Kinder mit einer RSV-Infektion stationär im Krankenhaus, vier davon auf der Intensivstation und zwei davon in einem kritischen Zustand. Kinderarzt Meyburg macht sich große Sorgen über die Entwicklung in der nächsten Zeit. Seiner Einschätzung nach wird die RSV-Welle noch sechs bis acht Wochen dauern.

"Wir wissen kaum noch, wo wir die Kinder unterbringen können und erst recht nicht, wer sie adäquat versorgen soll, falls die Zahlen weiter ansteigen."

Olgahospital Stuttgart: RS-Virus und Influenza gleichzeitig

Dr. Friedrich Reichert, Ärztlicher Leiter der Pädiatrische Interdisziplinären Notaufnahme (PINA) am Olgahospital Stuttgart (Foto: SWR)
Dr. Friedrich Reichert, Ärztlicher Leiter der Pädiatrischen Interdisziplinären Notaufnahme (PINA) am Olgahospital Stuttgart, spricht von einer "ernsten Situation".

Ähnlich sieht die Lage im Olgahospital aus, der Kinderklinik im Klinikum Stuttgart. Dr. Friedrich Reichert, Ärztlicher Leiter der Pädiatrische Interdisziplinären Notaufnahme (PINA) spricht von einem "ungewöhnlich steilen Anstieg" der Fälle mit RS-Virus und einer weiteren Welle. "Gleichzeitig haben wir viele Kinder mit Influenza im Krankenhaus. Normalerweise kommt die Influenza erst Ende Dezember oder im Januar. Jetzt haben wir beide Wellen auf einmal."

Dazu kommt laut Reichert ein altbekanntes Problem: Nicht alle Betten können wegen der Pflegemangels betrieben werden.

"Die Kinderkliniken sind ohnehin durch den Pflegemangel stark belastet, sodass die Situation im Moment sehr ernst ist."

RSV belastet auch Kinderklinik in Böblingen

Auch in der Kinderklinik des Klinikverbunds Südwest in Böblingen landen immer mehr kranke Kinder mit einer RSV-Infektion. Jeden Tag kommen zehn bis 20 neue Fälle dazu, sagte ein Sprecher des Klinikverbunds Südwest auf SWR-Anfrage. Die Kinderklinik Böblingen ist demnach bis zu 110 Prozent belegt. Vor allem Säuglinge müssten stationär aufgenommen werden. Einige werden auf der Intensivstation mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Die Fallzahlen liegen nach Angaben des Sprechers über dem Durchschnitt der Jahre vor Corona. Die Maskenpflicht habe in den vergangenen Jahren viele Atemwegserkrankungen verhindert. Neben RSV-Infektionen werden in der Kinderklinik auch viele Kinder mit Influenza behandelt.

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