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Fliegen mit gutem Gewissen – das soll mit einem wasserstoff-elektrischen Flugzeug bereits 2025 möglich sein. Am Dienstag wurde in Stuttgart die Absichtserklärung dazu unterschrieben.

Eine Dornier 328 soll umgebaut werden zu einem Brennstoffzellen betriebenen Flugzeug für bis zu 40 Passagieren. (Foto: Pressestelle, Flughafen Stuttgart)
Noch fliegt dieses Flugzeug - eine Dornier 328 - mit Kerosin. Bis zum Jahr 2025 soll es umgebaut werden und dann klimaneutral mit Wasserstoff fliegen können. Pressestelle Flughafen Stuttgart

Das Unternehmen H2FLY und der Flugzeugbauer Deutsche Aircraft aus Oberpfaffenhofen haben sich am Dienstag darauf verständigt, ein klimaneutrales Regionalflugzeug zu entwickeln. Dieses soll 32 bis 40 Sitzplätze haben. Das Flugzeug gibt es schon. Es ist eine Dornier 328, die von einem Kerosinantrieb auf Wasserstoff-Brennstoffzellentechnik umgerüstet werden soll.

Erfahrung mit wasserstoff-elektrischen Flugzeugen

Die beiden Unternehmen fangen nicht bei null an. Die Firma H2FLY, eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), hat bereits vor einigen Jahren ein wasserstoff-elektrisches Testflugzeug entwickelt. Der futuristisch anmutende Viersitzer mit dem Namen "HY4" hatte im Jahr 2016 in Stuttgart seinen ersten Testflug vor Publikum. Vier Jahre später – im Dezember 2020 – präsentierte H2FLY dann – wieder auf dem Flughafen Stuttgart – die sechste Generation des Fliegers.

"Wir sind überzeugt, dass uns die Zusammenarbeit mit H2FLY auf dem Weg zur Anwendung von Wasserstoffbrennstoffzellen in Großflugzeugen weiterbringen wird."

Martin Nüßeler, Technikvorstand von der Deutschen Aircraft, sagte am Dienstagnachmittag, dass die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technik zusammen mit grünem Wasserstoff der "Schlüssel zum klimaneutralen Luftverkehr" sei.

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Mit grünem Wasserstoff soll das Fliegen klimaneutral werden

Josef Kallo, Chef und Mitbegründer von H2FLY, freute sich, dass nach der Entwicklung des Viersitzers nun die "nächste Entwicklungsstufe" gezündet werden könne. Im Jahr 2025 sei der Erstflug mit dem bis zu 40-sitzigen Passagierflugzeug geplant. Auch sei es denkbar, dass durch Brennstoffzellentechnik in Flugzeugen bis zu 70 Personen transportiert werden könnten. Doch für Großflugzeuge sieht er derzeit eher eine andere Technik: Flugzeuge, bei denen der Wasserstoff in Düsen direkt verbrannt wird.

"Die Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie bietet uns die Möglichkeit, dass Regionalflüge vollständig CO2- und Stickoxid-frei werden – und diese Technologie ist bereits heute verfügbar."

Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung des Flughafen Stuttgart, begrüßte die Absichtserzklärung und sprach von einem Transformationsprozess der Luftfahrt hin zu einem klimaschonenden Luftverkehr, der jetzt Fahrt aufnehme.

"Wir sind überzeugt, dass dies ein Meilenstein auf dem Weg zu emissionsfreien Flugzeugen ist."

BUND spricht sich gegen regionalen Flugverkehr aus

Die Umweltschutzorganisation BUND übte hingegen Kritik. Sie findet, dass insbesondere Strecken mit bis zu einigen hundert Kilometer Entfernung nicht mit dem Flugzeug zurückgelegt werden sollten.

"Ich wunderte mich schon, dass es ausgerechnet ein Regionalflugzeug sein soll, weil der Regionalflugverkehr - wo immer es möglich ist - auf die klimafreundliche Schiene verlagert werden sollte."

BUND-Mobilitätsreferent Klaus-Peter Gussfeld verweist außerdem darauf, dass grün erzeugter Wasserstoff besser in der chemischen Industrie und bei der Stahlerzeugung eingesetzt werden sollte.

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