Herrenberg vielen im Klimaschutz voraus

Was machen die Städte gegen den Klimawandel?

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Der Klimagipfel in Glasgow geht zu Ende - enttäuschend, sagen Umweltschützer. Sie fordern mehr politischen Einsatz. Die Städte in der Region arbeiten am Klimaschutz. Tun sie genug?

Protestschild bei Klimagipfel in Glasgow (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Soeder)
Der Klimaschutz geht nicht weit genug, die Politik sei zu ängstlich, kritisieren Umweltschutzaktivisten - beim Klimagipfel in Glasgow und in Stuttgart. picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Mit dem Stand der Klimaverhandlungen in Schottland sind die Aktivisten und Umweltschützerinnen aus der Region unzufrieden. "Die Verhandlungen sind momentan sehr enttäuschend und absolut unzureichend, gerade aus Sicht des globalen Südens, den die Auswirkungen am stärksten betreffen", sagt Louisa Schneider, Sprecherin von Fridays for Future Stuttgart.

"Es wird gerade so getan, als würde uns die Klimakrise erst 2030 wirklich etwas angehen. Dabei ist die Klimakrise jetzt schon spürbar."

Nicht nur im globalen Süden, auch hier sind die Auswirkungen des Klimawandels längst spürbar: Für Ludwigsburg ergeben Klimaanalysekarten der Firma Geo-Net in Hannover, dass die Temperaturen bis 2035 im Sommer auf über 40 Grad steigen werden. Schon jetzt sei die Durchschnittstemperatur in Städten in der Region Stuttgart um 1,5 Grad gestiegen, sagt Jobst Kraus, ehrenamtlicher Nachhaltigkeitsbeauftragter beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Landesverband Baden-Württemberg. Das führt zu Trockenheit und Dürre einerseits, und großen Regenfällen andererseits.

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In Herrenberg (Kreis Böblingen) treten die Seitenbäche der Ammer regelmäßig über die Ufer, sagt Thomas Kleiser, Klimaschutzmanager der Stadt Herrenberg. Im Wald mache sich der Wandel im Vergleich zu anderen Regionen verhältnismäßig wenig bemerkbar: Die Struktur des Waldes sei "einigermaßen abwechslungsreich". Dennoch sind auch hier schon einige Bäume Hitzeschäden und Borkenkäfern zum Opfer gefallen, und Landwirte klagen über Ernteausfälle.

Der Klimabeirat in Herrenberg - die Klimakonferenz in Klein

Die Stadt Herrenberg versucht, dem entgegenzuwirken. Seit etwa einem Jahr tagt in Herrenberg eine regelmäßige Klimakonferenz in Klein: Der Klimabeirat, der 2020 ins Leben gerufen wurde. In dem Gremium kommen etwa 20 Vertreter aus dem Gemeinderat, aus Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, den Arbeitskreisen Mobilität und Energie zusammen, um lokale Maßnahmen für den Klimaschutz zu diskutieren. Etwa 100 Maßnahmen werden diskutiert, sagt der Klimaschutzmanager der Stadt Herrenberg, Thomas Kleiser. Das sei "ein längerer Austauschprozess", bei dem alle Positionen und Interessen berücksichtigt werden müssen.

Die Maßnahmen reichen vom Ausbau der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität, über die Landwirtschaft bis hin zur Sanierung alter Häuser. Neubaugebiete sollen verkehrsärmer geplant werden und Emissionen einsparen, erzählt der Klimaschutzmanager. Für die Landwirte wird ein verändertes Anbauverhalten diskutiert, mit Fruchtfolgen und anderen Anbauarten, die an das sich verändernde Klimaangepasst werden sollen. Noch handelt es sich dabei jedoch um Ideen, konkrete Pläne kann Klimaschutzmanager Kleiser nicht nennen. Der Fahrplan soll erst im März 2022 vom Gemeinderat verabschiedet werden. Das Ziel: Klimaneutralität der Stadt Herrenberg bis 2045.

"Die Politik ist zu ängstlich"

Das aber sei schon zu spät, sagt Jobst Kraus. Er findet, dass die Politik oft zu ängstlich sei, und den Bürgern und Bürgerinnen zu wenig zutraue. "Die Politik vermeidet es, die Zielkonflikte zu beschreiben und zu sagen, vor welchen großen Herausforderungen wir stehen. Und daher wird immer nur gesagt, was getan werden müsste, und das machen wir schon seit 20 oder 30 Jahren."

Und doch gilt Herrenberg im Vergleich zu anderen Kommunen als Vorbild. Dem baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zufolge sind nur Tübingen (Klimaneutralität bis 2030), der Landkreis Karlsruhe sowie Konstanz (bis 2035) sowie Ravensburg (bis 2040) besser aufgestellt.

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