Verhandlung in Stuttgart

Prozess um blutigen Streit zwischen zwei Familien in Singen

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Mitten am Tag war in Singen ein blutiger Streit zwischen zwei verfeindeten Großfamilien eskaliert. Seit Montag wird der Fall im Hochsicherheitsgericht in Stuttgart-Stammheim verhandelt.

Angeklagter im Hochsicherheitsgericht Stuttgart-Stammheim (Foto: SWR)
Acht Angeklagte müssen sich seit Montag vor Gericht in Stuttgart-Stammheim verantworten. Ihnen wird unter anderem versuchter Totschlag vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Familienstreit aus.

Der Prozess findet im Gebäude des Oberlandesgerichts in Stuttgart-Stammheim statt, weil die Räumlichkeiten der Justiz in Konstanz nicht ausreichen. Neben versuchtem Totschlag wird den acht Angeklagten auch gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Wegen Verdunkelungsgefahr sitzen die Beschuldigten während ihrer Untersuchungshaft in verschiedenen Gefängnissen ein.

Erster Prozesstag: Angeklagte machen keine Aussagen zur Person

Zum Prozessauftakt wollte sich keiner der Angeklagten zu den Vorwürfen äußern. Nur drei von ihnen machten zumindest Angaben zur Person.

"Die sind mit Messern auf ihn losgegangen, haben insbesondere eine Beinvene durchtrennt. Das Opfer hat die noch selber abgeklemmt. Sonst hätte das wesentlich schlimmer ausgehen können."

Mitten in Singen: Kleinbus angegriffen und Insassen schwer verletzt

Mitte Dezember vergangenen Jahres war in Singen (Kreis Konstanz) ein Streit unter zwei verfeindeten syrischen Großfamilien auf offener Straße eskaliert. Die acht Angeklagten sollen einen Kleinbus angegriffen haben, in dem Mitglieder der anderen Familie saßen. Dabei sollen sie drei Insassen verprügelt und schwer verletzt haben. Eines der Opfer wurde mit einem Messer attackiert und musste notoperiert werden.

Zum Überfall auf den Kleinbus gibt es ein von Passanten gedrehtes Handy-Video. Dieses sei akribisch ausgewertet worden, sagte der Konstanzer Oberstaatsanwalt Ulrich Gerlach, um jedem einzelnen Angeklagten seine Taten zuweisen zu können.

Hintergrund des blutigen Streits sei eine seit Jahren andauernde Familienfehde. Der Mann, der mit dem Messer am Bein verletzt und später notoperiert wurde, soll zuvor Mitglieder der anderen Familie beschuldigt haben, der Terrororganisation IS ("Islamischer Staat") anzugehören. Die Beschuldigten sitzen seit Dezember 2020 in Untersuchungshaft.

Ermittlungen wegen Unterstützung des IS in Syrien

Ein neunter Verdächtiger, der mutmaßliche Hintermann des Angriffs, wurde erst vor wenigen Wochen in Deutschland festgenommen. Gegen ihn und einen weiteren der mutmaßlichen Täter ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart wegen Mitgliedschaft und Unterstützung des IS.

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