Das Langericht in Stuttgart. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliancedpa  Bernd Weißbrod)

Mehr als 500 Anklagepunkte

Sexueller Missbrauch von Kindern: Jugend-Trainer aus Fellbach gesteht vor Gericht

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Philipp Pfäfflin
Bild von Philipp Pfäfflin (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)

Ein 53-Jähriger hat vor Gericht zugegeben, jahrelang Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Dafür setzte er offenbar auf Geschenke, Computerspiele und Angst.

Zu Beginn des Prozesses am Mittwoch bat der ehemalige Handballtrainer aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) in einer Stellungnahme, die von seinen Anwälten vorgelesen wurde, um Entschuldigung. Er räumte darin außerdem alle Vorwürfe ein.

Der Angeklagte (links) verbirgt beim Prozessauftakt sein Gesicht vor Pressevertretern.  (Foto: SWR)
Der Angeklagte (links) verbarg beim Prozessauftakt sein Gesicht vor Pressevertretern.

Die Anklage umfasst 567 Anklagepunkte. Dazu zählen beispielsweise schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sowie sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen. Die Taten sollen sich überwiegend in der Wohnung des Angeklagten ereignet haben, aber auch im Auto nach Handballspielen oder Turnieren.

Laut Staatsanwalt hat der 53-Jährige seine Position als Vertrauensperson und als Sporttrainer ausgenutzt. Die meisten seiner Schützlinge hätten vor allem Angst gehabt, nicht mehr von ihm gefördert zu werden. Außerdem habe er ihnen Geschenke gemacht und mit ihnen gemeinsam Computerspiele gespielt.

Trainer soll sexuellen Missbrauch gefilmt haben

Dem Angeklagten wird auch der Besitz von kinder- und jugendpornografischen Inhalten vorgeworfen. Denn nachdem sich mehrere Familien von mutmaßlichen Opfern an den Verein in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) und dann auch an die Polizei gewandt hatten, konnte diese bei einer Durchsuchung nach eigenen Angaben "umfangreiches Beweismaterial" sicherstellen. Darunter befinden sich auch Videos, die der Angeklagte von seinen Taten angefertigt hat.

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Fast alle mutmaßlichen Opfer des Handball-Trainers sind heute erwachsen

Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum von 2006 bis 2021. Das bedeutet, dass die zur Tatzeit 13 bis 18 Jahre alten Opfer heute bis auf einen Jungen erwachsen sind. Da es im Prozess aber um Verbrechen an Kindern und Jugendlichen geht, findet er vor der Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts statt.

Ein Handball liegt im Netz eines Handballtores (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / HOCH ZWEI | Philipp Szyza / HOCH ZWEI)
Der SV Fellbach zeigte sich erschüttert angesichts der Vorwürfe gegen den Ex-Handballtrainer (Symbolbild). picture alliance / HOCH ZWEI | Philipp Szyza / HOCH ZWEI

Schock beim SV Fellbach angesichts der Vorwürfe

Der SV Fellbach hatte sich im Dezember 2021 mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt: "Der mutmaßliche Täter hat Leid über viele Kinder, Jugendliche und Familien gebracht, welches schwer auszuhalten ist. Alle sind von dem Ausmaß der Tat schockiert." Außerdem kündigte der Verein an: "Wir wollen alles tun, damit so etwas in Zukunft möglichst nicht mehr geschehen kann." Der Waiblinger Rechtsanwalt Jens Rabe, der mehrere Betroffene vertritt, sagte vor Beginn des Prozesses, der Fall zeige erneut, wie wichtig Präventionsarbeit in Sportvereinen sei.

SV Fellbach: "Keine Austritte wegen des Missbrauchsskandals"

Als Reaktion auf die Missbrauchsfälle hat der SV Fellbach eine Schulung veranstaltet, um derartige Fälle möglichst zu verhindern. Das wolle der Verein nun fortsetzen, sagte Vorstandsmitglied Tilmann Wied dem SWR. Das Wichtigste sei, Menschen zum Hinschauen anzuregen, anstatt die Augen zu verschließen, wenn einem "etwas komisch vorkomme", sagte Wied, der im Verein auch eine von drei sogenannten Vertrauenspersonen ist.

Tilmann Wied im Interview mit SWR Aktuell-Moderatorin Vanja Weingart:

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Trotz des Missbrauchs-Skandals rund um den früheren Trainer hätten keine Kinder oder Jugendliche den Verein verlassen, berichtete Wied. Natürlich habe es Rückfragen aus der Elternschaft gegeben, so Wied, aber: "Wir haben da durchweg positive Rückmeldungen bekommen auch für den offenen Umgang."

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