Handschellen auf einem Stuhl (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Opfer soll in Hinterhalt gelockt worden sein

Prozess um Messerstiche in Feuerbach: Vier Männer sollen 22-Jährigen ermordet haben

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Vier Angeklagte sollen einen 22-Jährigen ermordet haben. Seine Mutter beschimpft sie vor Gericht als Mörder und bricht zusammen. Er wollte sich wohl von einer Gang lösen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den angeklagten Männern im Alter zwischen 19 und 24 Jahren gemeinschaftlichen, heimtückischen Mord an einem 22-jährigen Mann vor. Sie sollen ihn im Oktober des vergangenen Jahres in Stuttgart-Feuerbach attackiert haben. Auch eine 26-jährige Frau steht bei dem Prozess vor Gericht, weil sie das Fluchtauto gefahren haben soll.

Mutter des Opfers bricht vor Gericht zusammen

Als die Angeklagten von der Polizei in den Saal 1 des Stuttgarter Landgerichts hereingeführt werden, springt plötzlich eine blonde Frau in der zweiten Reihe der Zuschauerplätze auf und schreit immer wieder voller Wut "Mörder!", "Mörder!". Es ist die Mutter des Opfers.

Mehrere Menschen versuchen, sie in ihren Stuhl zurückzudrücken, halten ihr den Mund zu, reden auf sie ein. Schließlich sackt die Frau in sich zusammen und verliert das Bewusstsein. Sie wird hinausgetragen. Man hört vor dem Saal ihr lautes Wehklagen, als sie kurz darauf wieder zu sich kommt. Manche Zuschauerinnen und Zuschauer kamen zum Prozess mit T-Shirts, auf denen in schwarz-weiß das Opfer abgebildet ist, aber mussten sie ablegen, um in den Saal zu gelangen.

SWR-Reporterin Bernice Tshimanga hat sich am Tatort in Stuttgart-Feuerbach umgesehen:

Anklage: 22-Jähriger wurde in Feuerbach in eine Falle gelockt

Einer der Angeklagten, ein 24-jähriger Stuttgarter, hatte sich laut Anklage mit dem späteren Opfer verabredet und ihn so in Feuerbach in einen Hinterhalt gelockt. Er habe den Jüngeren bei dem Treffen festgehalten, während die anderen angeklagten Männer mit Schlag- und Stichwerkzeugen seine Brust und seinen Kopf malträtierten.

Ein Freund habe dem Opfer geholfen, sei ebenfalls verletzt worden und ist nun den Angaben zufolge Nebenkläger.

Der Angriff hatte auch eine Debatte über Messer unter Jugendlichen in der Region Stuttgart ausgelöst. So berichtete der SWR am 20.10.2021:

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Auch eine Beziehung soll Anlass für den Angriff gewesen sein

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es für die Tat mehrere Motive gab: Zum einen habe sich der 22-Jährige von den sogenannten Esslinger Kurden zurückziehen wollen, die wiederum aus der verbotenen rockerähnlichen Straßengang "Red Legion" hervorgegangen seien. Außerdem sei einer der mutmaßlichen Angreifer dagegen gewesen, dass seine Schwester mit dem 22-Jährigen zusammen war.

Das geschah im Oktober

Am Sonntag, den 10. Oktober 2021, war es am Abend in Stuttgart-Feuerbach im Bereich des Wilhelm-Geiger-Platzes zum Streit gekommen. Um 17:30 Uhr ging ein Notruf bei der Polizei ein. Der 22-Jährige wurde mit Stichverletzungen ins Krankenhaus gebracht, wo er laut Polizei an den Folgen seiner Verletzungen gestorben ist.

Der Prozess wird am 22. Juni fortgesetzt.

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