Neues Programm der Polizei gegen Femizid

Häusliche Gewalt in Stuttgart: Wenn der Partner mit dem Tod droht

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Mit einem neuen Ansatz will die Stuttgarter Polizei eskalierende häusliche Gewalt verhindern. Sie hilft, wenn der Partner mit dem Tod droht - das Opfer bestimmt aber, wie die Hilfe aussieht.

Eine Frau wird von Ihrem Partner mit tödlicher Gewalt bedroht.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa | Maurizio Gambarini (Symbolbild))
Zu 80 Prozent werden Frauen Opfer von Häuslicher Gewalt. picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa | Maurizio Gambarini (Symbolbild)

Die Stuttgarter Polizei hat ihre interne Alarmkette verändert. Ziel ist es, dass häusliche Gewalt erst gar nicht eskaliert. Dazu gibt es jetzt eine neuen Bereich: Die Abteilung von Kriminalhauptkommissarin Sylvia Fischer wird immer dann aktiv, wenn jemand von seinem Partner mit dem Tod bedroht wird: Zu 80 Prozent betrifft das Frauen. Fischer wird dann von Streifenbeamten alarmiert. Wenn diese Anzeigen aufnehmen, bei denen es um Bedrohungssituationen geht, die tödlich enden könnten, müssen Streifenpolizisten das nicht nur dem Ordnungsamt melden, sondern auch der Abteilung von Sylvia Fischer.

"Das sind Frauen, die jahrzehntelang Gewalt auf sich nehmen."

Die Fälle, bei denen Sylvia Fischer einschreitet, haben oft eines gemeinsam: "Das sind Frauen, die jahrelang, teilweise jahrzehntelang, Gewalt auf sich nehmen, um zum Beispiel die Kinder zu schützen", so Fischer. Zuerst versucht sie Kontakt mit den Frauen aufzunehmen: Sie trifft sie entweder Zuhause, an einem neutralem Ort oder auf der neu eingerichteten Polizeidienststelle.

Foto aus der Kampagne zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt. (Foto: SWR)
Die Stuttgarter Polizei hat einen neuen Bereich "Operativer Opferschutz". Der wird aktiv, um Frauen zu schützen, die von ihrem Partner mit dem Tode bedroht werden.

Opfer bestimmen, wie die Polizei eingreift

Was dann kommt, bestimmen die Opfer, erklärt Fischer. Wie genau die Polizei helfen kann, will sie zum Schutz der Betroffenen nicht offen legen. Ziel sei aber immer, die potentiellen Opfer vor möglichen Tätern abzuschirmen. Gesucht werde eine Lösung, mit der Frauen und Familien dauerhaft vor Übergriffen bewahrt werden können.

Programm "Stop" gegen häusliche Gewalt seit 20 Jahren in Stuttgart

Der neue Bereich "Operativer Opferschutz" erweitert Prävention, wie sie das Stuttgarter Programm "Stop" seit 20 Jahren betreibt. Ein Netzwerk von Ordnungsamt, Beratungsstellen, Polizei und Justiz versucht, zu sensibilisieren und zu unterstützen. "Mit Erfolg", meint Fischer. Etwa 1.000 Mal pro Jahr werde die Polizei wegen häuslicher Gewalt in Stuttgart gerufen. Zu Todesfällen oder versuchter Tötung komme es nur selten. Man habe Zahlen "im niedrigen einstelligen Bereich", führt die Kommissarin aus. Das liege an dem Stuttgarter Programm, dadurch "dass wir ein Auge drauf haben, wo etwas passieren könnte".

In ganz Deutschland wird laut Statistiken jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner getötet. Hintergrund seien oft Männer, die selbst Gewalterfahrung erlitten hätten oder einem überzogen paternalistischen Weltbild anhingen.

Gegen Femizid: "Einsatz für Frauen in Not lohnt sich"

Für Kommissarin Fischer geht es darum, "Femizid" zu verhindern. Mit dem aus dem englischen entlehnten Begriff will man deutlich machen, dass vor allem Frauen Opfer von Männern werden. Begriffe wie "Beziehungstat" oder "Familienstreit" werden von vielen als verharmlosend wahrgenommen. Fischer bekommt für ihren Einsatz viel positive Resonanz. 99,9 Prozent der stark bedrohten Frauen, die sie kontaktiert, nähmen die Hilfsangebote an, sagt sie. Und wenn dann - oft noch während laufender Verfahren - ihr Telefon klingele, weil sich Frauen bei ihr einfach nur bedankten, dann wisse sie, dass sich ihr Einsatz lohne.

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