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Dass OB Fritz Kuhn nicht mehr antritt, findet Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften, "bemerkenswert". Im SWR-Interview spricht er darüber, was jetzt wichtig ist.

Prof. Frank Brettschneider (Foto: Pressestelle, Universität Hohenheim)
Brettschneider ist Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Pressestelle Universität Hohenheim

SWR: Herr Brettschneider, Fritz Kuhn hat am Dienstag erklärt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Hat Sie seine Entscheidung überrascht?

Frank Brettschneider: Ja, ich bin auch überrascht. Angesichts des Höhenflugs der Grünen waren seine Wiederwahlchancen nicht so schlecht. Dass er jetzt verzichtet, ist bemerkenswert.

Wohnungsnot, Verkehr und die Sanierung der Oper - nicht nur diese Themen wird OB Kuhn in seiner verbleibenden Amtszeit nicht vollständig abarbeiten können. Wen braucht Stuttgart künftig an der Rathausspitze?

Eine Person, die diese Themen tatsächlich glaubwürdig bearbeiten kann. Das geht nur, wenn man gemeinsam mit der Bürgerschaft agiert. Das ist eine Frage des politischen Stils, des Umgangs mit den vielen aktiven Bürgergruppen der Zivilgesellschaft in Stuttgart. Da kommen sehr viele Ideen, die aufzunehmen und zu verknüpfen mit den Diskussionen, die im Gemeinderat stattfinden, und dann zu einer gesellschaftlich tragfähigen Lösung zu kommen - das ist die große Herausforderung. Da braucht es einerseits Tatkraft, auf der anderen Seite aber Bürgernähe.

Ist daran Fritz Kuhn gescheitert?

Gescheitert würde ich nicht sagen, aber es war tatsächlich einer der Punkte, die jetzt nicht auf seinem Haben-Konto stehen, wo er ein bisschen unnahbar schien und Bürgerideen zu stark abgeblockt hat. Zumindest aus deren Sicht. Da wäre mehr Luft nach oben gewesen.

Die Grünen müssen nun einen Kandidaten suchen. Genannt wird auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras, die ja aus dem Stuttgarter Gemeinderat kommt. Welche Chancen hätte sie aus Ihrer Sicht?

Sicher keine schlechten Chancen. Die Frage: Ist das mit ihrer eigenen Karriereplanung vereinbar? Landtagspräsidentin ist ja nun auch kein uninteressanter Job. Und vielleicht hat sie ja auch noch das Bestreben, auf Bundesebene aktiv zu werden.

Wenn man auf die aktuelle Stimmung schaut: Können die Grünen im Moment denn überhaupt verlieren?

Bis zur Wahl am 8. November ist es noch ein bisschen hin. Da haben wir noch fast das ganze Jahr vor uns. Da können auch Themen ganz schnell wechseln. Wir haben das gesehen mit "Fridays for Future". Das Thema Klimawandel ist sehr stark hochgekommen. Die Grünen haben davon profitiert. Es kann andere Themen geben, von denen wieder andere Parteien profitieren: innere Sicherheit oder Zuwanderung. Das ist in den heutigen Zeiten etwas, was sehr rasch geht. Aber im Augenblick sind die Chancen für die Grünen sehr, sehr groß. Aber im ersten Wahlgang braucht man die absolute Mehrheit. Ob das zu kriegen ist in diesem zersplitterten Stuttgart, ist die Frage. Und dann muss man mal gucken, wer im zweiten Wahlgang noch antreten möchte.

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