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Der Landkreis Esslingen hat die kritische Grenze von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner deutlich überschritten. Das Landratsamt hat nun weitere Maßnahmen vorgestellt.

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Um den steigenden Infizierungen mit Covid-19 entgegenzuwirken, gilt im Kreis Esslingen seit Freitag die Pflicht, eine Alltagsmaske zu tragen. Das teilte der Landrat Heinz Eininger (CDU) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit. Das gelte, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Etwa in Fußgängerzonen oder auf Wochenmärkten. Es werde verstärkt Kontrollen geben.

Landrat appelliert an Vernunft der Menschen

Auch bei privaten Feiern werde weiter eingeschränkt: Bei angemieteten Räumen dürfen nicht mehr als 25 Besucher teilnehmen, bei privaten nicht mehr als zehn, so Eininger. Diese Maßnahme ziele auf die Verbreitung innerhalb von Familien. Er wies ferner darauf hin, dass man nicht alles was man tun dürfe, auch tun müsse. So ist Publikum bei Sportveranstaltungen in Hallen möglich, aber es werde geraten, keine Zuschauer zuzulassen. Auch Religionsgemeinschaften werden gebeten, ihre Mitglieder zu sensibilisieren.

Beherbergungsverbot für "Hotspot-Bewohner"

Auch das Beherbergungsverbot greift für Bewohner aus dem Landkreis Esslingen. Die Länder hatten am Mittwoch mehrheitlich beschlossen, dass Menschen aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test haben.

Verfolgen Sie die Pressekonferenz hier noch einmal in voller Länge:

Frachtzentrum entwickelt sich zum Hotspot

Seit Mittwoch sei klar, dass das DHL-Frachtzenturm in Köngen sich zu einem Hotspot entwickle. Dort wurden 250 Abstriche genommen, 76 Personen seien infiziert - jedoch seien noch nicht alle Ergebnisse da. Dort arbeiten nach den Angaben viele Flüchtlinge, die wiederum in Gemeinschaftsunterkünften lebten. Insgesamt seien zudem mindestens 26 Schulen, fünf Kindertagesstätten und neun Flüchtlingsheime von Ausbrüchen im Landkreis betroffen. Aus Pflegeheimen sei kein Fall bekannt.

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Testkapazitäten werden hochgefahren

In den Kliniken wären mittlerweile wieder mehr Menschen mit schweren Covid-19-Verläufen. Bei der Pressekonferenz wurde auch darauf hingewiesen, dass das Drive-In-Testzentrum in Nürtingen wieder mehr frequentiert werde, deshalb werde das zweite an der Messe Stuttgart wieder hochgefahren. Im bestehende Abstrichzentrum in Nürtingen ließen sich wieder mehr Menschen testen, so Christian Baron aus dem Landratsamt am Donnerstag. Dort könne man pro Tag 600 Tests durchführen. Mit dem Abstrich-Zentrum auf der Messe könne man täglich mehr als 1.000 Menschen testen. Im Kreis leben 530.000 Einwohner.

Kontaktnachverfolgung: Wird die Bundeswehr unterstützen?

Die Gesundheitsämter seien insbesondere mit der Kontaktnachverfolgung stark ausgelastet, sagte Eininger. Viele der Infizierten seien zwischen 20 und 40 und hätten mehr Kontakte als die Infizierten in der erste Phase der Pandemie - da waren viele ältere Menschen betroffen. Es solle mehr Personal gewonnen werden. Man habe einen Antrag gestellt, dass die Bundeswehr unterstützend tätig wird. Bedingung sei, dass dies längerfristig und für die Zwecke der Kontaktnachverfolgung geschehe.

Reisende aus Balkan und Türkei bringen Virus mit

Landrat Eininger nannte das Infektionsgeschehen diffus. Reisende aus dem Balkan und der Türkei hätten das Virus offenbar in ihre Familien und nun auch in die weitere Gesellschaft getragen.

Am Donnerstagabend verzeichnete der Kreis Esslingen 54,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Bereits am Mittwoch wurde in dem Landkreis laut Gesundheitsamt die kritische Marke von 50 Neuinfektionen überschritten. Die Region gilt offiziell als innerdeutscher "Hotspot".

Oberbürgermeister fordert Maskenpflicht in Esslingen

Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) forderte bereits am Donnerstagvormittag die Maskenpflicht im öffentlichen Raum für das gesamte Stadtgebiet ab Freitag. "Wir sehen uns einfach in der Verantwortung vor den hohen Infektionszahlen, die wir haben. Es gibt Alleinstellungsmerkmale, auf die man nicht besonders stolz sein muss, jetzt solche Maßnahmen auch zu ergreifen", so Zieger gegenüber dem SWR.

Am Montag hatte der Kreis Esslingen private Feiern und Zusammenkünfte eingeschränkt, nachdem die Vorwarnstufe von mehr als 35 Corona-Neuinfektionen überschritten worden war.

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Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) betonte im SWR, dass die nun geplanten Maßnahmen in Esslingen nicht pauschal für das ganze Land gelten sollen. Man habe im Sommer mit den Kommunen Konzepte erarbeitet, die im Verhältnismäßigkeitsprinzip angewendet werden können, so Lucha. Dazu gehörten unter anderem die Aktivierung von Coronapraxen und Fieberambulanzen oder die Erhöhung des Personals zur Kontaktnachverfolgung.

Andere Städte haben auch steigende Infektionen

Während im Kreis Esslingen bereits die nächste Stufe erreicht ist, bleibt die Lage auch in anderen Kommunen riskant: Stuttgart (43,7) liegt über der kritischen Marke von 35 Neuinfektionen. Der Stadtkreis Heilbronn (28,4) kann hingegen ein wenig aufatmen. Die Landkreise Göppingen (34,9) und Mannheim (33,8) verzeichnen jedoch hohe Werte.

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