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Mit seinen Entwicklungen fuhren andere zu WM-Titeln. Hans Mezger hat als Konstrukteur bei Porsche eine Sportwagen-Generation geprägt. Im Alter von 90 Jahren ist Mezger nun verstorben, ein Nachruf.

Der Stuttgarter Autobauer Porsche hat Hans Mezger viel zu verdanken - beispielsweise die Entwicklung des Porsche-911-Motors, ein Modell, das für Porsche-Fans zum Mythos wurde. Auch für die Konstruktion des 917 war er verantwortlich und für den TAG-Turbo Formel-1-Motor. Mit diesem Motor wurde der Österreicher Niki Lauda 1984 Formel-1-Weltmeister, ebenso wie der Franzose Alain Prost 1985 und 1986. Am Mittwoch (10. Juni) ist Mezger im Alter von 90 Jahren verstorben - und Porsche trauert.

"Die Nachricht über seinen Tod trifft uns sehr. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie", sagte Michael Steiner, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Porsche. "Wir danken Hans Mezger für seine außerordentlichen Ingenieursleistungen, was er für den Motorsport im Allgemeinen und für Porsche im Besonderen getan hat. Seine Innovationen für unsere Serien-Sportwagen bleiben für immer unvergessen."

We are deeply saddened by the passing of an icon. Hans Mezger’s name will always be synonymous with Porsche engineering and innovation. He will be fondly remembered. https://t.co/edSAhtwFRF

Erstes Motorsport-Erlebnis am Hockenheimring

Mezger, geboren am 18. November 1929 in Ottmarsheim (Kreis Ludwigsburg), ist das jüngste von fünf Kindern. Seine Eltern hatten Porsche zufolge einen Landgasthof. Schon früh begeistert er sich für Flugzeuge und das Fliegen. "1946 erlebte ich das erste Autorennen meines Lebens. Es war in Hockenheim, wo alte Vorkriegsrennwagen am Start waren, darunter auch Hans Stuck, den ich mit meiner alten Kamera aufgenommen habe", berichtet er über sein erstes Motorsport-Erlebnis.

Nach dem Abitur entscheidet sich Mezger für ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule, der heutigen Universität Stuttgart. 1956 hat er das Studium abgeschlossen - und bekommt eine Vielzahl von Jobangeboten. "Es waren 28", erinnert sich Mezger. "Doch Porsche war nicht dabei." Wegen seiner Begeisterung für den Porsche-Sportwagen "Typ 356" wollte der junge Absolvent aber genau dorthin. "Daraufhin bewarb ich mich, wurde auch eingeladen und man bot mir eine Tätigkeit in der Dieselmotorenentwicklung an. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass es bei Porsche so etwas gab. Mir schwebte jedoch die Arbeit an Sportwagen vor. Man zeigte Verständnis und so fing ich in der Berechnungsabteilung bei Porsche an", beschreibt Hans Mezger seinen Einstieg beim Sportwagenhersteller.

Mezgers Karrieresprünge: Formel-1-Projekt und "Mezger-Motor"

Wenig später, im Jahr 1958, heiraten Hans Mezger und seine Frau Helga. Kurze Zeit später folgen die beiden Kinder Daniela und Oliver. Beruflich sammelt er erste Erfahrungen mit dem Viernockenwellenmotor Typ 547, entwickelt eine Formel zur Berechnung von Nockenprofilen und wird 1960 Teil des ersten Formel-1-Projekts von Porsche. "Bei diesem Formel-1-Projekt lernte ich viel über die Gestaltung von Brennräumen. Dies kam unmittelbar auch der Konstruktion des Sechszylinder-Boxers für den späteren 901/911 zu Gute", resümiert Mezger.

Beruflich folgen Anfang der 1960er-Jahre die Entwicklung des weltberühmten "Mezger-Motors" für den 901 beziehungsweise 911 und 1965 der Aufstieg zum Leiter der von Ferdinand Piëch geschaffenen Abteilung "Konstruktion Rennfahrzeuge". Charakteristisch für den 911 sind eine Konstruktion aus Gitterrohrrahmen, Glasfaser-Karosserie und der Auslegung auf die neue Reifentechnologie aus der Formel 1.

Porsche glückt der Sieg in Le Mans im 917

Auch bei der Entwicklung des 917 setzt Porsche 1968 auf dieses Konstruktionsprinzip. Das Ziel: Erstmals soll der Gesamtsieg in Le Mans gelingen. Mezger ist verantwortlich für die Gesamtkonstruktion des Wagens und des Zwölfzylinder Motors. Und er hat Erfolg: 1970 und 1971 dominieren die 917 in Le Mans und in der Sportwagen-WM. Weitere siegträchtige Entwicklungen für die 24 Stunden von Le Mans, die Sportwagen-WM oder auch für die amerikanische Indy-Serie folgen.

Heraus sticht ein Projekt, das 1981 Fahrt aufnimmt. Ron Dennis und sein McLaren-Rennstall sind auf der Suche nach einem Turbo-Motor für die Formel 1. Die Wahl fällt schließlich auf Porsche und es wird beschlossen, einen komplett neuen Motor zu entwickeln.

Formel-1-Weltmeister im McLaren mit Porsche-Motor

Auch diesmal ist Mezger der Verantwortliche, unter seiner Leitung entsteht der TAG-Turbo, mit dem die Fahrer Niki Lauda (1984) und Alain Probst (1985 und 1986) Weltmeister werden. Insgesamt 25 Rennsiege erringt der TAG-Turbo, hinzu kommen die beiden Konstrukteurs-Weltmeisterschaften 1984 und 1985. "Das war ein großartiger Erfolg und gleichzeitig auch der bis dahin bedeutendste Entwicklungsauftrag einer Fremdfirma für Porsche", sagt Mezger, der bis zuletzt die Angebote anderer Hersteller ausschlägt.

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