Sind die PoC-NAT-Tests schnelle Alternativen zum PCR-Test? Auf dem Bild ist eine Hand mit einem Teststäbchen zu sehen, das sich dem Betrachter nähert. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)

Engpass bei der Corona-Testung

PoC-NAT-Test: Schnelle Alternative zum PCR-Test?

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Sandra Kolnik

In der Diskussion um Corona-Tests scheinen PoC-NAT-Tests Vorteile zu bieten. Anbieter versprechen ein Ergebnis, das fast so sicher wie ein PCR-Test ist und schon nach 15 Minuten vorliegt.

Die Corona-Fallzahlen steigen rasant, die PCR-Tests werden teilweise knapp und einige Labore kommen mit der Auswertung kaum noch nach. Deshalb sollen PCR-Tests nur noch für besonders gefährdete Gruppen eingesetzt werden. Da bieten sich als Alternative die PoC-NAT-Tests an. Die Abkürzung steht für "Point of Care - Nucleic Acid Testing". Das sind Covid-19 Nukleinsäure-Tests, die vor Ort ausgewertet werden und innerhalb von rund 15 Minuten das Ergebnis recht zuverlässig anzeigen sollen.

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Große NAT-Nachfrage in Esslingen

Bei der Teststelle der Johanniter in Esslingen werden die PoC-NAT-Tests durchgeführt - das Angebot ist gefragt. Im Viertelstundentakt werden hier Termine vergeben - für Menschen mit einer roten Corona-Warn-App oder einem positiven Antigen-Schnelltest-Ergebnis kostenlos - ansonsten kostet der PoC-NAT-Test 69 Euro. Die zwei Geräte schaffen vier Test pro Stunde. Zwischen 80 und 100 Tests führen die Johanniter hier am Tag aus. Fast jedes zweite Testergebnis in der Station fällt aktuell positiv aus.

PoC-NAT-Tests nur für Einzelfälle geeignet

Dass hier aber zuverlässiger als mit einem Schnelltest auf Corona getestet werden kann, klingt erstmal vielversprechend. Denn PoC-NAT-Tests kommen ohne aufwändige Laborarbeiten aus - das spart wertvolle Zeit. Eine Alternative zum PCR-Test seien PoC-NAT-Tests trotzdem nur in Einzelfällen, sagte der ärztliche Direktor des Instituts für Labormedizin am Stuttgarter Marienhospital Matthias Orth dem SWR, "weil wir einfach einen riesengroßen Bedarf haben und viele dieser Schnelltests einfach nur für Einzelmessungen ausgelegt worden sind."

Matthias Orth, Ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart (Foto: SWR)
Matthias Orth, Ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart

Orth: keine Freitestung mit PoC-NAT-Tests möglich

PoC-NAT-Tests müssen mit speziellen Geräten ausgewertet werden. Der Nachteil: So ein Gerät kann nur jeweils eine Probe auswerten. Trotzdem hält das Bundesgesundheitsministerium PoC-NAT-Tests für sinnvoll, wenn schnell ein relativ sicheres Ergebnis benötigt wird - zum Beispiel bei Testungen in Notaufnahmen oder Pflegeeinrichtungen. Auch bei Reisen können die schnellen Tests hilfreich sein. Allerdings erkennen nicht alle Länder die PoC-NAT-Tests an.

Ein weiteres Problem sei, dass der Test nicht quantitativ sei, das heißt, er liefere keine CT-Werte, so Orth. CT-Werte geben bei PCR-Tests an, wie hoch die Viruslast der getesteten Person ist. Damit ließe sich nicht abschätzen, wie infektiös eine Patientin oder ein Patient sei, so der Labormediziner. Mit den PoC-NAT-Tests könne daher niemand freigetestet werden, so Orth.

Apotheker Schittenhelm kritisiert Teststrategie des Bundes

Der Holzgerlinger Apotheker Björn Schittenhelm betreibt im Landkreis Böblingen fünf Testzentren und mehrere Teststationen. Er kritisiert, dass der Bund für die Testgeräte und die Tests nur einen Teil der Kosten erstattet. Es müsste keine Engpässe geben, so Schittenhelms Einschätzung, wenn der Bund die PoC-NAT-Tests komplett bezahlen würde - wie es bei den Labor-ausgewerteten PCR-Tests geschieht. Die Maschinen, um die Tests vor Ort auswerten zu können, kosten viel Geld, so Schittenhelm. Die Vergütung dafür vom Bund sei deutlich zu niedrig. Sie deckt "nicht mal die Sachkostenpreise der Testkits, die wir verwenden". Er fordert vom Bund knapp 70 Euro für einen Test - das ist der Preis, den die Patienten bezahlen müssten, wenn sie den PoC-NAT-Test selbst bezahlen. Das würde Anreize schaffen, um insgesamt mehr Testkapazitäten bereitzustellen, so Schittenhelm.

"Die Infrastruktur ist da, der Bund, die Politik muss sie einfach nur in die Teststrategie einbinden", sagte Schittenhelm. "Es gibt einige Apotheken, die diese Geräte schon im Einsatz haben, es gibt einige professionelle Testzentren und dementsprechend könnten wir meines Erachtens, die PCR-Kapazität im zweistelligen Prozentbereich von heute auf morgen anheben."

Der Apotheker würde sich wünschen, dass die baden-württembergische Landesregierung dem Bund-Länder-Konsens widerspricht und dafür einsetzt, dass auch private Anbieter, Ärzte, Apotheker oder die Testzentren mit ihren PoC-Geräten, die Tests durchführen können.

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