Intensivstation an einer RKH-Klinik (Foto: Pressestelle, RKH Kliniken/Benjamin Stollenberg)

Viele Krankenhaus-Stationen kämpfen mit den gleichen Problemen

Eingeschränkter Betrieb auf Ludwigsburger Intensivstation wegen Personalmangel

STAND

Die Pandemie hat Fahrt wie nie zuvor aufgenommen. Auch das RKH-Krankenhaus Ludwigsburg läuft voll mit Covid-Patienten. Doch das Personal auf den Intensivstationen fehlt auch hier.

Nicht nur die Uhr auf der Intensivstation im RKH Krankenhaus in Ludwigsburg zeigt fünf vor zwölf. Die Intensivpfleger arbeiten seit Langem körperlich und seelisch am Limit. Steigt die Zahl der Covidpatienten weiter so an, wie in den letzten Wochen, wird hier schon Ende des Monats gar nichts mehr gehen, sagt Jacqueline Finke, Intensivpflegerin an der RKH Klinik in Ludwigsburg:

 

"Es ist fast jeder zweite Patient verstorben. Und wenn man das dauerhaft hat, dass pro Schicht drei Patienten sterben, muss man resilient sein und damit umgehen können. Sonst wird man krank."

Dramatischer Mangel an Pflegepersonal zeichnet sich ab


Und die Situation verschärft sich gerade täglich. Es gibt rund 22 Intensivbetten in der Ludwigsburger Klinik, davon können aktuell nur 14 belegt. Mit einem hohen Anteil an Covid-Erkrankten, die künstlich beatmet und aufwendig gepflegt werden müssen. Der Grund ist Pflegermangel. 13 Vollzeitkräfte fehlen derzeit allein hier. Einige haben einfach gekündigt, andere seien ausgebrannt, so Götz Geldner, der Leiter der Ludwigsburger Anästhesie und Koordinator der Coronafälle in Baden-Württemberg.


Aktuell laufen die Intensivstationen von immer mehr Kliniken voll, auch in der gesamten Region Stuttgart. Es zeichnet sich ein dramatischer Mangel an Pflegepersonal ab. Die Lage ist nicht nur schlecht, sagt Geldner, sie ist schlechter als je zuvor. Und das auch für Patienten, die nicht an Corona erkrankt sind.

Betriebssituation auf Intensivstationen seit Monaten kritisch

Wie dramatisch sich die Situation aktuell zuspitzt, zeigt auch eine laufende Befragung der Vereinigung der Intensivärzte über die Betriebssituation auf den Erwachsenen Intensivstationen: Während noch im Juli vergangenen Jahres trotz Corona die Versorgung der Intensivpatienten Überwiegend reibungslos verlief - brach der reguläre Betrieb zum Ende des Jahres ein. Und hat sich seitdem nicht mehr erholt.

Oft nur eingeschränkter Betrieb möglich

Aktuell melden rund zwei Drittel der befragten Stationen, dass nur ein eingeschränkter Betrieb möglich ist. Tendenz stark steigend, wie die Auswertung einer weiteren Befragung der Vereinigung der Intensivmediziner DiVi belegt. Auffallend dabei: Während des Höhepunktes der 2. Coronawelle im Januar diesen Jahres gab es noch deutlich mehr Intensivpfleger.  Aktuell melden nahezu achthundert Intensivstationen Betriebseinschränkungen wegen Personalmangels, obwohl die Anzahl der Patienten noch deutlich unter dem damaligen Niveau liegt. Andere Faktoren, wie Raumangebot, oder Ausrüstung spielen eine untergeordnete Rolle.

Grafik zu den Gründen für Betriebseinschränkungen in Kliniken (Foto: SWR)
Grafik zu den Gründen für Betriebseinschränkungen in Kliniken

Impfpflicht oder Lockdown ?


Sollte die Belegung der Intensivstationen mit Covid Patienten sich weiter steigern, drohe auch der normale Klinikbetrieb zusammen zu brechen, so Intensivmediziner Geldner. Für den Leiter der Intensivstationen in Ludwigsburg gibt es nur einen Weg aus der drohenden Katastrophe. Dabei müsse auch die Politik endlich Kante zeigen. Sei es durch eine Impfpflicht – oder, in letzter Konsequenz – einen weiteren Lockdown. Nur so könne verhindert werden, dass schon bald alle Patienten in den Krankenhäusern unter dem Pflegemangel leiden müssen.

Denie Auslastung der Intensivstation prägt die Leistungsfähigkeit am RKH-Klinikum in Ludwigsburg  (Foto: SWR)
Die Auslastung der Intensivstationen prägt die auch Leistungsfähigkeit am RKH-Klinikum in Ludwigsburg
Bretten

Immer mehr Personal fällt aus Corona-Pandemie: RKH-Kliniken in Bruchsal/Bretten/Mühlacker fordern Hilfe der Bundeswehr an

Die Lage an den RKH-Kliniken in Bruchsal, Mühlacker, Bretten ist angespannt: Kaum ein freies Intensivbett steht zur Verfügung. Nun soll die Bundeswehr aushelfen.

COVID-19-Patienten auf Intensivstationen Corona in Krankenhäusern: Die aktuelle Lage auf den Intensivstationen

Viele Infizierte erkranken so schwer an COVID-19, dass sie auf einer Intensivstation im Krankenhaus behandelt werden müssen. Sehen Sie hier die aktuelle Lage für Ihre Region.

Baden-Württemberg

Endlosschleife in der Pandemie droht Ministerpräsident Kretschmann spricht sich erneut für allgemeine Corona-Impfpflicht aus

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann fordert eine allgemeine Impfpflicht im Kampf gegen das Coronavirus. Nur so sei die Pandemie zu bezwingen.

STAND
AUTOR/IN
SWR