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Seit Beginn der Corona-Pandemie haben alle ihren Alltag umgestellt. Im Berufsleben, bei Festlichkeiten, Geburten und Todesfällen. Doch gerade Abschied nehmen und trauern fällt besonders schwer.

“Trauern ist die Lösung, nicht das Problem!” sagt Chris Paul, Trauerbegleiterin. Sie ist eine von sechs Experten, die am kommenden Dienstagnachmittag im Rahmen der Reihe "Sterben in Stuttgart – Wunsch und Wirklichkeit" über Abschied nehmen und trauern mit Betroffenen und Interessierten diskutieren wird. Weil auch Angehörige sich immer wieder an das aktuelle Infektionsgeschehen und die Corona-Verordnungen bei der Sterbebegleitung anpassen mussten, wird auch diese Veranstaltung des Palliativenetzes Stuttgart und der Bürgerstiftung online angeboten.

2020: bislang über 4.500 Tote in Stuttgart

Es geht bei der Runde um Menschen, die nicht nur um ihre Gesundheit und die ihrer Nächsten bangen, sondern auch um den Umgang mit der Arbeitsstelle. Viele haben Angst, andere anzustecken. Bis Ende Oktober verstarben laut dem Statistisches Amt der Landeshauptstadt in Stuttgart 4543 Personen. Das waren im Schnitt fast 15 Menschen pro Tag. Viele davon in Zusammenhang mit Corona. Aber nahezu alle hinterließen sie Angehörige und Freunde.

"Wir holen uns den Abschied"

Und das in einer Zeit, in der Abstand den Alltag prägt, in der Kirchen, Moscheen und Synagogen eine Zeitlang geschlossen waren, Trauer- und Abschiedsrituale nicht wie gewohnt stattfinden konnten, Verstorbene vielleicht nicht mehr berührt werden konnten, eingeübte Rituale der Begegnungen und Gemeinsamkeit, die Halt gaben, nicht oder kaum möglich waren. "Es geht jetzt darum ganz bewusst zu sagen, wir brauchen den Abschied . Und: wir holen uns den Abschied" sagte die Trauerbegleiterin Martina Reinalter vom Hospiz Stuttgart dem SWR.

Offene Online-Veranstaltung

In der für alle offenen Online-Konferenz des Palliativnetzes (Anmeldung über Mail: info@palliativ-netz-stuttgart.de) werden Fragen gestellt und diskutiert: Was geschah in dieser Zeit? Konnten Angehörige trauern in diesem Jahr? Welche Formen wurden gefunden? Wurden große Trauerfeiern vermisst? War Einsamkeit ein besonderes Problem? Hat die Unsicherheit die Trauer verdrängt? Kann Trauer nachgeholt werden? Dabei sollen nicht nur die schwierigen und traurigen Momente, sondern auch gelungene Abschiede angesprochen werden. Im digitalen Raum werden Erfahrungen zu Trauerprozessen geteilt, Informationen zu den Corona-Verordnungen vermittelt sowie individuelle Handlungsspielräume für jeden einzelnen erörtert.

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