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Ende November wird der neue Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt. Die drei aussichtsreichsten Kandidaten beharken sich gegenseitig. SWR Reporterin Verena Neuhausen beobachtet den Wahlkampf.

Noch ist das Rennen um den begehrten Chefsessel im Stuttgarter Rathaus nicht gelaufen. Doch es zeichnet sich ab, dass einem Trio von Männern die größten Chancen eingeräumt werden. Für den SWR beobachtet Reporterin Verena Neuhausen die OB-Wahl.

Frage : Wer wird am 29. November zum Oberbürgermeister vom Stuttgart gewählt?

SWR Reporterin Verena Neuhausen:
"Frank Nopper von der CDU, Marian Schreier, der nun wohl auch die SPD hinter sich hat und Hannes Rockenbauch vom Linksbündnis im Stuttgart Gemeinderat sind die aussichtsreichsten Kandidaten. Die Grüne Veronika Kienzle und der eigentliche SPD-Kandidat Martin Körner hatten wegen des schlechten Abschneidens im ersten Wahlgang zurückgezogen. Je näher der neuerliche Wahltag rückt, desto mehr verschärft sich der Ton zwischen den drei Männern. Das zeigen etwa online gestreamte Diskussionen wie die der Stuttgarter Zeitungen. Dabei wird vor allem der Schlagabtausch zwischen den Kandidaten links des CDU-Bewerbers Nopper heftiger.

Streitgespräche

So moniert beispielsweise Schreier, dass Rockenbauchs Unterstützer ihm eine dubiose Schweiz-Connection anhängen wollten, das seien jedoch reine Fake News. Er habe zwar für seine Kampagne eine renommierte Schweizer Agentur beauftragt, die bezahle aber er - und nicht umgekehrt. Rockenbauch dagegen konterte, ihm gefalle es nicht, dass in Wahlkämpfe viel Geld flösse. Bei diesen Streitgesprächen geht es um ein Ziel: Wähler zu gewinnen, die sich seit dem Rückzug der grünen Kandidatin Kienzle neu orientieren. Wie ein lachender Dritter wirkt dabei Frank Nopper. Ihm könnte es zugutekommen, wenn beide im linken Wählerspektrum sich gegenseitig Stimmen abjagen– aber jeweils dann am Wahltag doch weniger Stimmen haben als er. Denn anders als im ersten Wahlgang wird neuer Oberbürgermeister, wer die meisten Stimmen hat. Es müssen nicht mehr über 50 Prozent sein wie im ersten Wahlgang. Es genügt die einfache Mehrheit."

Portrait Verena Neuhausen (Foto: SWR)
SWR Redaktuerin Verena Neuhausen

Frage: Wie unterscheiden sich die Kandidaten?

SWR Reporterin Verena Neuhausen: "Aufgrund der persönlichen Angriffe treten nun die inhaltlichen Unterschiede deutlicher hervor. Auch wenn alle drei Kandidaten der Meinung sind, bei den großen Themen in Stuttgart -wie beim Thema Wohnen, beim Thema Mobilität und beim Klimaschutz - müsse sich was tun, zeichnen sich jetzt klarerer unterschiedliche Konzepte ab: Beim Stichwort Wohnen etwa meint Nopper, man müsse nachverdichten, umstrittene Quartiere wie das Rosensteinviertel bebauen und auch eine Bebauung auf der grünen Wiese am Stadtrand prüfen. Schreier sieht das ähnlich, möchte zudem aber grundsätzlich mit einer "Stiftung Wohnen" dem Markt für Spekulation Immobilien entziehen. Rockenbauch verweist vor allem auf seine Rolle als Aktivist beim Kampf gegen Wohnungsleerstand  - etwas, für das er wegen Hausfriedensbruchs verurteilt wurde. Für Rockenbauch zentral wären Hilfen für Vermieter, um Leerstand von Mietwohnungen zu verhindern."

Frage: Welches sind die strittigsten Themen?

SWR Reporterin Verena Neuhausen: "Alle Kandidaten werben damit, neue Mobilität, Klimaschutz und Umwelt im Blick zu haben. Nopper will, dass man Ökonomie und Ökologie zusammen denkt: Nur wenn es Geld aus einer florierenden Wirtschaft gebe, könne man sich viel Klimaschutz und Umweltpolitik leisten. Schreier ist jemand, der sehr intensiv studiert hat, wie man anderswo in Städten die Probleme rund um Mobilität, Klima- und Umweltschutz löst. Er will die besten Modelle auf Stuttgart übertragen. Für Rockenbauch haben beim Stichwort Mobilität, Klima und Umwelt langfristige Ziele Vorrang. Er will sich auf Ziele wie einer Klimaneutralität von Stuttgart in 10 Jahren verpflichten. In den Streitgesprächen flammt auf, was wir aus den Debatten der Grünen von früher kennen: Wie Fundis und Realos aufeinander prallten. Auch in den online geführten Debatten auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen beobachtet man ähnliche Kontroversen. Die Anhänger von Rockenbauch und Schreier streiten mehr miteinander, als sich gegen Nopper zu wenden. Versuche der Kandidaten links von Nopper, sich auf gemeinsame Inhalte zu einigen, hatten zunächst funktioniert. Es war jedoch nicht gelungen, sich auf eine Person zu einigen, die diese Positionen allein gegen Nopper vertritt."

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