FKK-Camping bei Murrhardt im Rems-Murr-Kreis (Foto: SWR)

Camping ohne Kleidung

FKK: Die Nacktcamper vom "Schönrain" bei Murrhardt

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Ein Campingplatz bei Murrhardt (Rems-Murr-Kreis) im Schwäbisch-Fränkischen Wald folgt seiner eigenen Philosophie. Auf der Anlage ist Kleidung keine Pflicht, FKK ist angesagt.

Der Natursportbund Schwäbischer Wald e.V. zählt rund 150 Mitglieder. Der Campingplatz ist gleichzeitig ein Sportverein. Man trifft sich zum Bogenschießen, Volleyballspielen oder im Swimmingpool. Jedes Jahr machen viele Mitglieder hier ihr Sportabzeichen. Ein idyllischer Campingplatz, wie es ihn an vielen Orten in der Region gibt. Eine Kleinigkeit unterscheidet diesen Campingplatz jedoch von anderen: Die Menschen sind nackt.

FKK-Campen als Lebensstil

Die FFK-Camperinnen und -Camper genießen die Freiheit keine Klamotten tragen zu müssen und Dinge anders wahrzunehmen. "Wenn ich ins Bad gehe und ich kann nackt sein, dann fühlt sich das ganz anders an, wie wenn ich eine Badehose anhabe und die an meinem Hintern klebt", sagt Karl lachend. Der 86-Jährige ist begeisterter Nacktcamper und schon sehr lange mit dabei. "Damals waren hier nur ein paar Leute. In den letzten Jahren ist die Mitgliederzahl rapide gestiegen."

"Was Schöners gibt's doch gar nicht als nackt zu sein!"

Die FKK-Fans bei Murrhardt sind keineswegs Menschen, die einen Drang verspüren, sich in der Öffentlichkeit auszuziehen. Ihr Hobby zwingen sie keinem anderen Menschen auf. Auf dem Gelände des Campingplatzes sind sie zwar meistens nackt, aber viele bringen auch Kleidung mit. "Wenn jemand kommt, der nicht dazugehört, dann zieht man sich kurz was über", erzählt Bettina vor ihrem Campingwagen. Das erste Mal nackt herumlaufen sei für sie auch seltsam gewesen, aber: "Es ist ne Gewohnheit. Wenn Sie mal zwei bis drei Tage hier wären. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie das dann auch machen."

Eingeschworene Gemeinschaft, aber offen für neue Mitglieder

Einige Nacktcamper kennen sich seit Jahren und bilden eine enge Gemeinschaft. "Man kommt mit jedem aus, man kann zusammensitzen. Man hat sein Handtuch dabei und kann jederzeit zum Nachbarn und mit dem ein Bier trinken", erzählt Karl. Sorgen um seinen Körperbau muss sich dabei niemand machen. "Viele Freunde sagen auch: 'Ich komme euch nicht besuchen, weil ich hab ja keine Bikini-Figur.' Dann sag ich: 'Brauchst du auch nicht, wir haben hier keine Bikinis'", sagt die 45-jährige Steffi.

"Wenn man nackt ist, sieht man keinem an, was er tatsächlich ist. Nicht einmal dem Konto sieht man an, was er hat!"

Neue Mitglieder seien immer willkommen. Wichtig sei jedoch vor allem ein Handtuch. Das benutzen die FKKler immer dann, wenn sie sich hinsetzen möchten. Hygiene werde sehr groß geschrieben. Sich mit dem nackten Hintern auf einen fremden Stuhl zu setzen, gilt als unhöflich.

Nacktcamper: Mittlerweile werden wir in Murrhardt akzeptiert

"Früher hat die Dorfjugend noch durch die Löcher im Zaun auf den Platz geschaut oder ist mit Ferngläsern auf Bäume geklettert", erzählt der 86-jährige Karl. Heute seien die Camper aber akzeptiert. In Murrhardt störe sich niemand mehr an ihnen. Trotzdem müssten die FKK-Fans ab und zu noch vorsichtig sein, wem sie von ihrem Hobby erzählen. "FKK ist was ganz Harmloses, aber die Leute haben schlechte Gedanken", sagt Camperin Heidi. Einige hätten Probleme bei der Arbeit bekommen. Ihr Hobby stelle ein Tabu dar. "Dabei hat das nichts mit Sex zu tun." Es gehe schlichtweg um die Freiheit und darum, dass man die Umwelt ganz anders wahrnehme, wenn man nackt sei.

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SWR