Darstellung von König Wilhelm I. von Württemberg (Foto: SWR)

Gemeinderat muss über Finanzierung entscheiden

Streit in Stuttgart: Darf man noch König und Königin spielen?

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Markus Frank
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Philipp Pfäfflin
Bild von Philipp Pfäfflin (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)

Das Historische Volksfest in Stuttgart war ein Erfolg. Doch wurde dabei die Monarchie verherrlicht? Der Gemeinderat wird sich mit dem Thema beschäftigen - dabei geht es auch um Geld.

Darstellung von König Wilhelm I. von Württemberg (Foto: SWR)
König Wilhelm I. eröffnet zusammen mit Königin Katharina das erste Cannstatter Volksfest im Jahr 1818. Nachgestellt beim Historischen Volksfest 2018.

Beim ersten Historischen Volksfest 2018 wurden König Wilhelm I. und Königin Katharina in einer Kutsche auf dem Stuttgarter Schlossplatz vorgefahren. Die Zuschauerinnen und Zuschauer beklatschten und bejubelten sie. Den König ließ man hochleben.

Daran stört sich der Stuttgarter Stadtrat Hannes Rockenbauch vom Linksbündnis "Die FrAKTION". Ihm gehe es darum, dass Geschichte ganzheitlich vermittelt und Monarchien und auch Königinnen wie Könige nicht verherrlicht würden. "Mir ist eben der andere Teil der Geschichte wichtig, der dazugehört, der das Herrschaftssystem abbildet, wo die Demokratie gefehlt hat, die Pressefreiheit gefehlt hat, die Versammlungsfreiheit gefehlt hat. Und das ist schwierig als Schauspieler abzubilden."

Nach Hungerkatastrophe fand 1818 das erste Volksfest in Stuttgart statt

Monarchie verherrlichen - diesen Vorwurf will Sabine Schief, die Darstellerin der Amalie von Stubenrauch, nicht auf sich sitzen lassen. Amalie von Stubenrauch war im 19. Jahrhundert eine bekannte Volksschauspielerin und enge Vertraute von König Wilhelm I. Der Vorwurf habe sie etwas amüsiert und auch verärgert, weil nicht mit ihnen direkt darüber gesprochen worden sei. "Und wir selber haben es vor vier Jahren beim ersten historischen Volksfest auch überhaupt nicht so empfunden. Das war einfach eine riesengroße Freude für uns und für - in Anführungszeichen - das 'Volk'."

Für Sabine Schief  ist die Geschichte des Cannstatter Volksfests untrennbar mit König Wilhelm I. und seiner Katharina verbunden. Nach einer Hungerkatastrophe ließen die Beiden im Jahr 1818 zum ersten Mal ein Fest für die Bauern ausrichten - als Entschädigung und Ansporn.

Darstellerinnen und Darsteller von König Wilhelm I. und II. sowie Königin Katharina (Foto: SWR)
Eine Attraktion beim Historischen Volksfest 2018: Schauspielerinnen und Schauspieler treten auf als (v.l.) König Wilhelm II., Königin Katharina, König Wilhelm I., Amalie von Stubenrauch und Bauer des 19. Jahrhunderts.

Stadtrat: Falsches Signal in schwierigen Zeiten

Hannes Rockenbauch jedenfalls will nicht zurück in die Zeit, als Monarchen dem Volk nach Hungerkatastrophen Feste schenkten, damit es - wie er sagt - zu keinen Revolutionen komme. "Der König lebe hoch" sei in diesen Tagen ein falsches Signal.

Das Autoritäre habe gerade wieder Oberwasser, so Rockenbauch. "Ich finde das in Europa gefährlich und auch in Deutschland gefährlich. Da ist Demokratie bedroht! Und deswegen finde ich es wichtig, dass man in diesen Zeiten autoritäre Herrscher, wie es eben die Könige auch zu der Zeit waren, dass man die eben klar einordnet als nicht demokratisch."

Prächtige Pferdegespanne auf dem Stuttgarter Schlossplatz beim ersten Historischen Volksfest 2018 (Foto: SWR, Michael Folk)
Prächtige Pferdegespanne auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Im Jahr 2018 wurde das Historische Volksfest zum ersten Mal in Stuttgart gefeiert. (Archiv) Michael Folk

Schauspielerin: Heimatkunde statt Monarchie-Verherrlichung

Sabine Schief setzt dagegen: "Die Demokratie ist, glaube ich, nicht in Gefahr, dadurch dass man die Monarchie verherrlicht. Und sie wird ja auch gar nicht verherrlicht, sondern sie wird authentisch dargestellt. So wie sie damals war. Das ist Heimatkunde, das ist Geschichte. Wir machen nichts mehr und nichts weniger als genau das nachzustellen."

Der Gemeinderatsausschuss "Wirtschaft und Wohnen" beschäftigt sich am Freitag mit dem Thema. Schließlich  unterstützt die Stadt das zweite Historische Volksfest mit knapp einer Million Euro.

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