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Um die Bewohner in einem Seniorenheim in Großerlach vor Corona zu schützen, haben sich die Mitarbeitern im Heim verbarrikadiert. Wie das war, erklärt Heimleiter Alexander Flint im Interview.

Dauer

SWR: Herr Flint, Sie hatten sich Mitte März mit Ihren Mitarbeitern im Seniorenheim verbarrikadiert. Wie kann ich mir das vorstellen?

Alexander Flint: Es ist weniger martialisch als es tatsächlich klingt. Wir haben die Mitarbeiter gefragt, ob sie dazu bereit sind, 14 Tage sozusagen Dauerdienst zu treiben und sich gemeinsam mit den Bewohnern einzuschließen. Als wir die Frage gestellt haben, haben wir erstaunlich viele Antworten bekommen. Es haben sich mehr Leute bereit erklärt, den Dienst zu machen, als wir brauchten. Daraufhin haben wir tags drauf das Heim einfach von außen hermetisch abgeriegelt.

Ich stelle mir das nicht so einfach vor. Essen muss man ja auch…

Wir haben im Prinzip ein internes Team gebildet, das permanent im Haus war und ein zweites Team, das diese externen Dienste gemacht hat, wie zum Beispiel Lebensmittel einkaufen, für Rezepte bei den Ärzten und all die Kleinigkeiten, die man halt eben von außen braucht.

Und was haben Sie drinnen gemacht?

Erstmal die ganz normale reguläre pflegerische Versorgung, die haben wir ein bisschen reduziert. So konnten wir mit den Bewohnern dann noch vernünftig Zeit verbringen, für Gespräche, fürs Grillen, gemeinsam abends ein Bier trinken und so weiter und so fort. Die Stimmung war so ein bisschen wie im Zeltlager oder wie im Schullandheim.

Hat die Maßnahme am Ende etwas gebracht? Gibt es nach wie vor keinen Corona-Krankheitsfall bei Ihnen?

Das ist richtig, wir sind sehr froh. Offensichtlich hat die Maßnahme etwas gebracht, zumal wir sehr dicht an bestätigten Fällen waren. Deswegen haben wir uns auch massive Sorgen gemacht und sehr schnell und sehr stark reagiert.

Bedeutet das, dass sie sich weiter einschließen und dieses Modell weiter durchziehen?

Ja, ein Stück weit. Also die Mitarbeiter können jetzt seit Samstag wieder nach Hause gehen und natürlich auch ihre Familien und Kinder sehen. Allerdings die Quarantäne bleibt bis auf weiteres bestehen. Das bedeutet, man kann nicht zu Besuch kommen. Wir reduzieren Arzt-Kontakte auf ein absolutes Minimum. Für die Mitarbeiter gelten folgende Spielregeln: Sie können sich zuhause, im Auto und auf der Arbeit ohne Mundschutz bewegen. Allerdings: Wenn sie außerhalb ihrer eigenen Häuslichkeit oder der Arbeit sind, müssen sie einen Mundschutz tragen. Das ist unerlässlich. Die Einsicht bei den Mitarbeitern ist auch da. Und so können wir bis auf weiteres auch guten Mutes sein, dass wir die Viren eben nicht ins Haus bekommen.

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