Landwirte sprechen von ruinösen Preisen

Demo mit Traktoren und Ruderboot in Stuttgart: Bauern fordern höheren Milchpreis

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Sophie Rebmann

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hat am Dienstag in Stuttgart für faire Milchpreise demonstriert. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Genoverband. Der sieht das anders.

Milchbauern protestieren mit einem Ruderboot in Stuttgart (Foto: SWR, Sophie Rebmann)
Protest der Milchbauern in Stuttgart vor dem Geno-Haus. Sie sprechen von Galeere, von ruinösen Preisen und fordern einen Kurswechsel - auch vom Genossenschaftsverband. Dieser weist die Kritik zurück. Sophie Rebmann

Etwa 20 Traktoren und Hänger haben die Bäuerinnen und Bauern in einer langen Reihe entlang des Geno-Hauses in der Heilbronner Straße aufgestellt. Auf den Fahrzeugen prangten Pappschilder und Banner mit der Aufschrift "Bauern brauchen faire Preise" oder "Wenn der letzte Landwirt aufgibt, werdet ihr feststellen, dass man Politik nicht essen kann." Auch Kühe sind mitgefahren – Plastikkühe in Schwarz-Rot-Gold. Auch auf ihnen stand die Forderung nach fairen Milchpreisen.

Traktor-Sternfahrt und Demo vor dem Geno-Haus in Stuttgart

Die Demonstration ist Teil einer Aktionstour durch Deutschland. Unter dem Motto "Schluss mit Mauern! Schluss mit ruinöser Fremdbestimmung! Höchste Zeit für Kommando- und Kurswechsel! Unsere Milch - unser Markt - unsere Zukunft!" will der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) auf die prekäre finanzielle Situation vieler Betriebe aufmerksam machen. In Stuttgart nahmen rund 50 Landwirtinnen und Landwirte teil.

Während die Erzeugerpreise auf deutlich zu niedrigem Niveau liegen, steigen Verarbeitungs- und Vertriebskosten, heißt es vom BDM. Dass die Verarbeiter neue Milchpreissenkungen angekündigt haben, sei ein Beleg für das Marktmachtgefälle im Milchmarkt, so der BMD-Vorsitzende Stefan Mann.

"Weltmarkt und höchste Standards - diesen Spagat schaffen wir nicht. Das zerreißt uns."

Milchbauern fordern mehr Engagement vom Geno-Verband

Im Fokus der Kritik steht der Genossenschaftsverband Baden-Württemberg. Dies sei eine "Organisation, die permanent mauert", so der BDM-Landesvorsitzende Karl-Eugen Kühnle. Die Landwirte hätten in den letzten Jahren immer wieder Gespräche mit den genossenschaftlichen Molkereien geführt. Doch von Seiten des Geno-Verbands sei immer wieder die Aussage gekommen, die Landwirte hätten zwar recht, aber die kleinen Molkereien hätten keinen Einfluss auf die Preise. Es sei also alles gut.

Den protestierenden Bäuerinnen und Bauern reicht das nicht. Sie fordern laut ihrem Landesvorsitzenden Kühnle eine "180 Grad Drehung". Man sei für eine nachhaltige Landwirtschaft und für Insektenschutz, aber es könne nicht sein, dass die bäuerliche Landwirtschaft die Zeche allein zahle.

"Die Darstellung, dass das finanzielle Risiko nur bei den Erzeugern liege, wie der BDM behauptet, stimmt so nicht."

Genossenschaftsverband weist Kritik der Bauern zurück

Jedes Glied in der Wertschöpfungskette, also auch die genossenschaftliche Molkerei, trage sein Risiko, heißt es beim Genossenschaftsverband. Den genossenschaftlichen Molkereien sei die schwierge Lage der landwirtschaftlichen Betriebe bewusst. Auch deshalb eine Trennlinie zwischen Erzeugern und Molkereien zu ziehen, sei nicht stimmig.

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