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Fast hätte es so ausgesehen, als würden die Ostergottesdienste in diesem Jahr wieder ins Wasser fallen oder nur virtuell stattfinden können. Doch dieser Kelch ging an den Kirchen noch einmal vorüber.

Jetzt bleibt an Ostern für die christlichen Kirchen doch alles beim Alten, das heißt, bei den inzwischen bekannten Corona-Einschränkungen. Gottesdienste dürfen gefeiert werden und das nicht nur virtuell. Die Bundesregierung hat ihre Bitte, auf die Ostermessen zu verzichten, zurückgenommen.

Erleichterung in der Erzdiözese Freiburg

Die Erleichterung ist groß. Auch bei Bernd Gehrke, in der Erzdiözese Freiburg zuständig für die Gottesdienste. Der Priester hatte vor allem einen Wunsch: bloß nicht noch mal wie im letzten Jahr. "Wir haben gespürt, wie schmerzlich das ist, am eigentlich höchsten Fest, das wir Christen feiern können, keine öffentlichen Gottesdienste feiern zu dürfen.“

Gottesdienst feiern ist großes Privileg

Auch der Dompfarrer am Freiburger Münster, Christoph Neubrand, schaut dankbar nach oben: dafür, dass dieser Kelch an den Kirchen vorübergegangen ist. Das sei ein großes Privileg. Aber schließlich dürften die Menschen ja auch demonstrieren gehen. Da sei es nur folgerichtig, wenn auch das Grundrecht der freien Religionsausübung weiter gelten würde. "Wir versuchen, alles dafür zu tun, dass es auch wirklich Gottesdienste sind und nicht verkappte Konzerte oder sonst was", betont der Geistliche. Einfach so in die Messe kommen, gehe sowieso nicht. Wie in den letzten Wochen sei eine Voranmeldung nötig.

Generell hatte der Freiburger Erzbischof Burger die Gläubigen dazu aufgefordert, selbstverantwortlich zu entscheiden, ob sie in die Kirche kommen oder lieber über den Livestream am Münstergottesdienst teilnehmen wollen. Wenn der Inzidenzwert in den nächsten Tagen sehr schnell sehr hoch gehen würde, etwa auf 300, dann müsste man darüber noch einmal nachdenken, findet Neubrand. Aber er glaubt nicht, dass es so weit kommt: "Für Freiburg schließe ich aus, dass wir uns dieser Frage stellen müssen."

Evangelische Ostermessen nur in großen Kirchen

Die evangelische Kirche rechnet da deutlich anders. Bis zu einem Inzidenzwert von 100 soll alles laufen wie geplant. Oberhalb davon ist der Freiburger Stadtdekan Markus Engelhard aufgerufen, abzuwägen. Laut Empfehlung der Evangelischen Landeskirche müsse man bei einer 7-Tages-Inzidenz zwischen 100 und 200 nach besonders geeigneten Kirchen schauen, um Präsenzgottesdienste zu feiern. "Das sind dann vor allem größere Kirchen, in kleineren sollte man sich überlegen, ob man's macht."

Gesundheit geht vor Religionsfreiheit

Und ab Inzidenzwert 200 sind dann Online-Gottesdienste vorgeschrieben. Markus Engelhard findet, die Kirchen sollten nicht nur auf Religionsfreiheit pochen, sondern auch an die Pandemiebekämpfung denken. Er sieht es kritisch, "wenn die Kirchen die Glocken läuten lassen und Menschen dazu veranlassen, ihre Wohnung zu verlassen, um zum Gottesdienst zu kommen."

Kirche zwischen "unverantwortlich" und "staatsfromm"

Engelhard ist zwar froh, dass die Empfehlung der Politik, an Ostern auf Messen zu verzichten, vom Tisch ist. Es fällt ihm aber schwer, die richtige Position zu finden. "Die einen werfen uns vor, speziell der evangelischen Kirche, wir sind viel zu staatsfromm. Andere wiederum sagen, es ist völlig unverantwortlich, in der aktuellen Entwicklung Präsenzgottesdienste anzubieten. Man muss doch ein Zeichen der Solidarität setzen mit den Risikogruppen oder mit den Kulturschaffenden." Es seien diese beiden Pole, zwischen denen sich die Kirche aktuell bewegen müsse, so der Freiburger Stadtdekan. Ein Spagat, wenn man einigermaßen glaubwürdig sein wolle.

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