picture alliancedpa | Sebastian Gollnow (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Berechnungen an der Universität

Stuttgarter Mathematiker: Omikron in wenigen Tagen dominierende Corona-Variante

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Seit Beginn der Pandemie führt Christian Hesse Berechnungen zu Corona durch - wie jetzt zur Omikron-Mutante. Der Experte macht aber auch Hoffnung für das neue Jahr.

Noch sei die Datenlage ein wenig unsicher, sagt Professor Hesse im Gespräch mit dem SWR. Grund seien die Feiertage. Gesundheitsämter und Labore seien personell unterbesetzt gewesen. Allerdings könne man aufgrund der Anstiegsraten und der Verdoppelungszeiten sowie aus Vergleichsdaten aus Ländern wie Dänemark, die Deutschland in Sachen Omikron-Welle etwa zwei Wochen voraus sind, den Schluss ziehen, dass Omikron schon in wenigen Tagen die dominierende Corona-Variante sein wird, so der Statistik-Professor.

"Es wird sehr wahrscheinlich sein, dass der nächste Wochenbericht des RKI am Donnerstag schon ausweist, dass die Omikron-Mutante für die Mehrzahl der Neuinfektionen verantwortlich ist."

Omikron gilt als hochansteckend, führt aber mutmaßlich etwas seltener zu schweren Krankheitsverläufen. Nach den Worten des Statistik-Professors bedeuten kürzere Inkubationszeiten auch, dass Omikron-Infizierte früher ansteckend sind für andere, aber auch früher nicht mehr ansteckend sind für andere. Das würde bedeuten, dass unter anderem die Quarantänezeit verkürzt werden könne von derzeit zwei Wochen auf zehn Tage.

Ballungsräume mit tendenziell höherem Anteil an Omikron-Fällen

Nach den Berechnungen von Christian Hesse werden es in Baden-Württemberg etwa 30 bis 35 Prozent an Omikron-Fällen werden. In Ballungsräumen wie Stuttgart werde es einen tendenziell höheren Anteil geben, etwa 35 bis 40 Prozent, so der Mathematiker.

"Für Stuttgart würde ich diese Wahrscheinlichkeit bei etwa 35 bis 40 Prozent ansiedeln, dass ein positiver Test auf eine Infektion mit Omikron hinweist."

Prof. Christian Hesse in SWR1 Leute (Mathematiker am Institut für Stochastik und Anwendungen Fakultät Mathematik und Physik Universität Stuttgart) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Archiv Hesse | Vlad Sasu)
Der Stuttgarter Statistikprofessor Christian Hesse sieht einen Zusammenhang zwischen der Zunahme an Omikron-Fällen und einem möglichen Abflauen der Pandemie. Archiv Hesse | Vlad Sasu

Der Experte für Wahrscheinlichkeit macht gleichzeitig Hoffnung auf ein Abflauen der Pandemie. Man könne vorsichtig optimistisch sein. Das plausibelste Szenario derzeit sei tatsächlich, dass Omikron zunächst dominant und dann Delta vollständig verdrängt haben wird. "Und da Omikron typischerweise mildere Verläufe macht, würde das bedeuten, dass wir von einer pandemischen Situation in eine endemische Situation übergehen werden", sagte Hesse. Das wiederum bedeute, dass das Immunsystem der allermeisten Menschen schon einmal Kontakt mit Omikron hatte und darauf eingestellt ist. "Und das könne bedeuten, dass wir mit Omikron so leben würden, wie wir das gelernt haben mit der saisonalen Grippe", so der Statistik-Professor.

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