Ein Auto steht in Stuttgart in einer überfluteten Autounterführung.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat (SWR-Bearbeitung))

Heftige Unwetter in und um Stuttgart vor einem Jahr

Experten warnen: Juni-Unwetter 2021 in der Region Stuttgart kann sich wiederholen

STAND
AUTOR/IN
Olga Henich
Olga Henich (Foto: privat)

Vor einem Jahr haben heftige Stürme auch die Region Stuttgart erschüttert. Straßen, Tunnel und Gebäude wurden überflutet. Doch das kann häufiger passieren - gerade in Stuttgart.

Peitschender Regen und Hagel, starkes Gewitter und heftige Sturmböen - in der Region Stuttgart hinterließ das extreme Unwetter am 28. Juni 2021 verheerende Schäden. Starkregen mit bis zu 70 Litern pro Quadratmeter sorgte für überflutete Keller und Unterführungen, schwimmende Autos und überlastete Notrufnummern. Damals waren die Feuerwehren sowie Helferinnen und Helfer im ganzen Land damit beschäftigt, nach dem großen Sturm Straßen zu räumen und Wasserschäden zu beseitigen.

Überflutungen und Unfälle in der Region Stuttgart

In der Stuttgarter Innenstadt kam der Stadtbahn-Betrieb teilweise zum Erliegen, Ampelanlagen fielen aus. Den ganzen Juni über war die Region von starken Unwettern betroffen. In Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) verstopften zentimetergroße Hagelkörner die Kanalisationen und überschwemmten die Stadt. Die Höhe der Schäden lässt sich nach Angaben des Stadtsprechers Robert Berndt noch heute nicht beziffern. In Waldenbuch (Kreis Böblingen) wurden über 40 Senioren aus einer überfluteten Wohnanlage evakuiert. Bereits mehrere Wochen zuvor, Anfang Juni, hatte eine plötzliche Gewitterzelle für einen tödlichen Unfall im Stuttgarter Rosensteintunnel gesorgt. Starke Wassermassen überfluteten den Tunnel, rissen ein Baustellengerüst mit und spülten zwei Arbeiter in den Neckar. Einer der beiden kam dabei ums Leben.  

Heruntergerissenes Operndach als Mahnmal für Klimawandel

Besonders bemerkbar machte sich das Ausmaß der Schäden auch an der Stuttgarter Oper, nachdem der Sturm Teile des Kupferdachs zerknüllt und heruntergerissen und einen enormen Wasserschaden hinterlassen hatte. Mittlerweile konnte die Dachfläche versiegelt und die Feuchtigkeit beseitigt werden. Nun soll das Kupferdach vorübergehend als von der Natur geschaffenes Mahnmal gegen den menschengemachten Klimawandel im Stuttgarter Schlosspark dienen. 

Ein umgestürzter Baum liegt vor dem Opernhaus in Stuttgart. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)
In Stuttgart wurde das Operndach während des Sturms zerknüllt und in Teilen heruntergerissen. Parkanlagen waren durch umgefallene Bäume verwüstet. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Experten: Heftige Unwetter werden sich wiederholen

Abgehakt sei die Unwetterserie von 2021 als einmaliges Ereignis damit aber nicht, warnen Klimaexpertinnen und -experten. Durch den Klimawandel würden Starkregenereignisse in ihrer Häufigkeit und Intensität zunehmen, sagt der Klimatologe der Stadt Stuttgart, Rainer Kapp. Neu sei dabei im Vergleich zu bisherigen Überflutungen durch Hochwasser, dass die Wassermassen primär nicht aus den nahegelegenen Gewässern überschwappen, sondern direkt vom Himmel kommen.

"Der genaue Ort und Zeitpunkt des Wolkenbruchs sind meist eine Überraschung."

Forscher: Stuttgart von Starkregen besonders betroffen

Die Stadt sei wegen der Kessellage für Extremwetter besonders anfällig, warnt der Leiter des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Uni Stuttgart, Jörn Birkmann. Durch die vielen Betonstraßen und die Lage zwischen den Weinbergen, von denen das Wasser ins Tal rauscht, könne die Stadt bei Starkregen schnell volllaufen. Oft fehle es in der dicht bebauten Stadt an freier Fläche, um Schutzmaßnahmen umzusetzen.

"Wir haben an ganz viele Stellen in der Stadt hohe Fließgeschwindigkeiten, das Wasser fließt oberflächlich ab, weil der Kanal und der Boden das Wasser nicht aufnehmen können."

Behörden arbeiten an Gefahrenkarten und Baumaßnahmen

Video herunterladen (10,6 MB | MP4)

Um solche Szenarien wie im Juni 2021 künftig zu vermeiden, haben die Städte und Kommunen laut Stadt Stuttgart detaillierte Starkregengefahrenkarten erstellt. Auf diesen Karten könne man sehen, welche Orte besonders von Hochwasser bedroht seien, wodurch präventive Schutzmaßnahmen möglich wären, so Birkmann.

"Das Wissen über Gefahrenstellen und Risiken ist vor allem für Bauherren oder Anwohner wichtig, um Keller und Geräte wie Öltanks vorausschauend zu sichern."

Weitere Schutzmaßnahmen sind laut Birkmann auch Bauprojekte, um Wasser umzulenken oder temporär zurückzuhalten. In den nächsten Monaten soll ebenso ein digitales Informations- und Beratungstool für alle Kommunen in der Region entstehen. Es soll dann Entscheidungshilfen für die Klimaanpassung und Strategien für den Notfall bieten.

Mehr zum Thema

Stuttgart

Deutscher Wetterdienst warnt Keine Schäden durch Gewitter in der Region Stuttgart - erneut Unwetter erwartet

In der Region Stuttgart sind die heftigen Unwetter in der Nacht auf Freitag ausgeblieben. Der Deutsche Wetterdienst rechnet aber weiter mit Starkregen und Gewittern.  mehr...