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Alte Hasen und frische Gesichter - in einigen Wahlkreisen der Region Stuttgart treten bei den großen Parteien neue Kandidatinnen und Kandidaten an. Wer gegen wen? Ein Überblick.

Wenn am Sonntagabend Punkt 18 Uhr die Wahllokale schließen, geht für die Wählerinnen und Wähler nichts mehr. Spannend, wer die Mandate dann schließlich gewonnen, wer sich gegen wen durchgesetzt hat. Eine Besonderheit der Region Stuttgart: Beide Spitzenkandidaten der Landtagswahl haben hier ihren Wahlkreis: Der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmannn (Grüne) bewirbt sich in Nürtingen (Wahlkreis 8) um das Direktmandat. Die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann tritt im Wahlkreis Stuttgart II gegen den amtierenden Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) an, und will sich dort das Direktmandat für den Landtag sichern. Spannende Ausgangs-Positionen also in den einzelnen Wahlkreisen in der Region Stuttgart.

Wahlkreis 1: Stuttgart I

Als große Favoritin tritt im Wahlkreis Stuttgart I wieder Muhterem Aras (Grüne) an. Die Landtagspräsidentin war bei der zurückliegenden Landtagswahl 2016 Stimmenkönigin: Sie hatte mit 42,4 Prozent das beste Resultat aller Direktkandidaten*innen in ganz Baden-Württemberg geholt. Auch 2011 war ihr das bereits gelungen.

Wahlkreis 2: Stuttgart II

Im Wahlkreis Stuttgart II treten zwei politische Schwergewichte gegeneinander an: die CDU-Spitzenkandidatin und Kretschmann-Konkurrentin Susanne Eisenmann (CDU) und der amtierende Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). 2016 hatte Hermann mit 37,2 Prozent der Stimmen das Direktmandat geholt. Eisenmann ist seit 2016 baden-württembergische Kultusministerin und war davor elf Jahre Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Wahlkreis 3: Stuttgart III

Bei der vergangenen Landtagswahl 2016 hatte der aktuelle Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart III eingefahren. Untersteller tritt 2021 aber nicht mehr an. Wird also Reinhard Löffler (CDU) seine Change ergreifen - er hatte 2011 hier schon einmal das Direktmandat errungen - oder doch jemand der neuen, wie zum Beispiel der baden-württembergische Landesvorsitzende der Grünen, Oliver Hildenbrand, die 33-jährige Sarah Schlösser von der SPD oder Andreas Mürter von der AfD?

Wahlkreis 4: Stuttgart IV

Wie die drei anderen Wahlkreise in der Landeshauptstadt ist auch der Wahlkreis Stuttgart IV zuletzt grün geprägt gewesen. 2011 und 2016 hatte Brigitte Lösch (Grüne) das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart IV geholt. Dieses Jahr tritt Lösch nicht wieder an – die Karten werden neu gemischt. Schafft Roland Schmid (CDU) ein Comeback? Er hatte 1996 das Direktmandat geholt. Petra Olschowski (Grüne) kann als aktuelle Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium mit Regierungserfahrung punkten. Weitere Kandidaten*innen, die auf eine Chance hoffen: der IT-Unternehmern Thilo Scholpp (FDP), die Gemeinschaftsschul-Rektorin Katrin Steinhülb-Joos, der stellvertretende Bezirksbeirat in Stuttgart-Ost Jörg Feuerbacher (AfD) und Mieteraktivistin Ursel Beck (Linke).

Wahlkreis 5: Böblingen

Mit Thekla Walker (Grüne), der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im baden-württembergischen Landtag, geht hier ein politisches Schwergewicht in den Landtagswahlkampf. Ihr das Direktmandat streitig machen würde unter anderem gerne Matthias Miller (CDU): Er ist neu dabei und außerdem der erste Politiker in der Region Stuttgart, der an Covid19 erkrankte. Er will sich zum Beispiel für den landesweiten Erhalt von Krankenhäusern einsetzen. Sein Vorgänger Paul Nemeth (CDU) tritt nach drei Wahlperioden nicht mehr an. Beherrschende Themen im Wahlkreis Böblingen sind unter anderem die Wirtschaft und der Verkehr.

Wahlkreis 6: Leonberg

Nach 15 Jahren im Landtag tritt Bernd Murschel (Grüne), der 2016 das Direktmandat im Wahlkreis Leonberg erobert hat, nicht mehr an. Der Leonberger macht den Weg nach eigenen Angaben für Jüngere frei. In seine Fußstapfen will jetzt der 27-jährige Peter Seimer (Grüne) treten. Vielleicht kann aber auch Sabine Kurtz (CDU) das Direktmandat zurückerobern – sie lag 2016 nur gut vier Prozentpunkte hinter Murschel. Drittstärkste Kraft im Wahlkreis Leonberg war 2016 die AfD geworden. Für die AfD tritt dieses Mal Peter Keßler an.

Wahlkreis 7: Esslingen

Im Kreis Esslingen treten bekannte Gesichter gegeneinander an: Andrea Lindlohr (Grüne) hatte 2016 das Direktmandat im Wahlkreis Esslingen geholt. Ihr streitig machen will das ihr Landtagskollege Andreas Deuschle (CDU). Erstmals nicht mehr auf der Liste steht SPD-Urgestein Wolfgang Drexler, der seit 1988 dem baden-württembergischen Landtag angehörte. Drexler hatte Ende 2018 sein Landtagsmandat niedergelegt und an den damaligen Aichwalder Bürgermeister Nicolas Fink (SPD) abgegeben. Die Fußstapfen bei der Landtagswahl 2021 sind für den 44-jährigen SPD-Politiker also groß.

Wahlkreis 8: Kirchheim

Eine der jüngsten Kandidatinnen in der Landtagswahl 2021 kommt aus dem Wahlkreis Kirchheim: die 22-jährige Studentin Lea Aschmann aus Notzingen, die für die neue "Klimaliste Baden-Württemberg" antritt. Als Platzhirsch geht im Wahlkreis Kirchheim der Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion Baden-Württemberg Andreas Schwarz (Grüne) ins Rennen. Sein CDU-Konkurrent Karl Zimmermann tritt nach fast 20 Jahren im Landtag nicht mehr an. Nachfolgerin auf dem CDU-Posten ist die 33-jährige Nathalie Pfau-Weller. Auch Andreas Kenner (SPD) würde gerne wieder in den Landtag einziehen.

Wahlkreis 9: Nürtingen

Der Wahlkreis Nürtingen dürfte relativ unangefochten sein: Hier tritt Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) an. 2016 hat er hier mit 34,9 Prozent der Stimmen das Direktmandat geholt und sich gegen Thaddäus Kunzmann (CDU) durchgesetzt. 2021 geht Kretschmann in seinem Wahlkreis als klarer Favorit ins Rennen und hofft mit seiner Beliebtheit den Grünen erneut zum Wahlsieg zu verhelfen.

Wahlkreis 10: Göppingen

Bei der Landtagswahl 2016 hatte Alexander Maier (Grüne) das Direktmandat geholt. Seit Januar ist Maier Oberbürgermeister in Göppingen – daher werden die Karten neu gemischt: Mit von der Partie sind besonders viele Frauen. Es treten Ayla Cataltepe (Grüne) aus Eislingen, Sabrina Hartmann (SPD) aus Salach, Heidi Nader (FDP) aus Uhingen und Sarah Schweizer aus Göppingen (CDU) an. Das Rennen ist nicht zuletzt deswegen offen, weil auch die langjährige SPD-Größe Peter Hofelich nicht mehr antritt. Ebenso wenig Heinrich Fiechtner (fraktionslos), der 2016 für die AfD aus dem Stand mit rund 17 Prozent und einem Zweitmandat in den Landtag eingezogen war.

Wahlkreis 11: Geislingen

Schon drei Mal hintereinander (1996, 2011 und 2016) hat Nicole Razavi (CDU) im Wahlkreis Geislingen das Direktmandat geholt – wenn auch bei der letzten Wahl nur knapp vor ihrem grünen Konkurrenten. Für die Grünen geht ebenfalls eine Frau ins Rennen: die Donzdorfer Pfarrerin Kathinka Kaden. Der Wahlkreis Geislingen ist ein ländlich geprägter Raum, in dem zum Beispiel der Ausbau der B10 eine große Rolle spielt.

Wahlkreis 12: Ludwigsburg

Der eigentlichen Kandidatennominierung im Wahlkreis Ludwigsburg ist ein Paukenschlag vorausgegangen: Wegen eines parteiinternen Streits tritt das Grünen-Urgestein Jürgen Walter nicht mehr für die Landtagswahl an. 2011 hatte er das Direktmandat geholt. Ihn beerben will nun Silke Gericke (Grüne), die Frauen in der Politik stärker vertreten sehen will. Vor 2016 war der Wahlkreis Ludwigsburg fest in der Hand der CDU. Für die Christdemokraten tritt mit Andrea Wechsler (CDU) dieses Mal ebenfalls eine Frau an.

Wahlkreis 13: Vaihingen

Im Wahlkreis Vaihingen gibt es bei den aussichtsreichsten Kandidaten keine Veränderung. Markus Rösler will zum dritten Mal für die Grünen in den Landtag einziehen. Rösler, der in Vaihingen wohnt, konnte sich bei der vergangenen Wahl das Direktmandat mit rund 33 Prozent der Stimmen sichern. Für die CDU kandidiert Konrad Epple. Der Schlossermeister sitzt seit 2011 im Landtag. Die SPD schickt den 32-jährigen Verkehrsexperten Torsten Liebig ins Rennen. Für die AfD kandidiert Friedemann Meyer.

Wahlkreis 14: Bietigheim-Bissingen

Im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen stehen die Zeichen auf Veränderung. Dort treten für CDU und die Grünen neue Kandidaten an. Für die Grünen geht Tayfun Tok ins Rennen. Der 34-jährige Enkel türkischer Gastarbeiter sitzt in Murr im Gemeinderat. 2016 gewannen die Grünen das Direktmandat im Wahlkreis. Tobias Vogt ist der neue Kandidat der CDU. Er sitzt im Kirchheimer Gemeinderat und will das Direktmandat für seine Partei zurückerobern. Für die SPD kandidiert der 32-jährige Daniel Haas aus Freiberg. Nikolaos Boutakoglou tritt für die AfD an. Er wollte sich schon 2019 für die AfD in den Kreistag wählen lassen, zuvor war er mehrere Jahre CDU-Mitglied.

Wahlkreis 15: Waiblingen

Im Wahlkreis Waiblingen tritt der grüne Verteidiger des Direktmandats Wilhelm Halder bei dieser Landtagswahl nicht mehr an. Seine Nachfolgerin ist Swantje Sperling. Auf seine Chance hofft auch Siegfried Lorek (CDU). Er setzt unter anderem auf Themen wie innere Sicherheit und ein durchlässiges Bildungssystem. Das Thema Bildung ist auch ein wichtiges Thema für einige seiner Herausforderer, unter anderem Julia Goll (FDP) und Sören Weber (Linke). Sybille Mack (SPD) will Kindern eine Lobby geben. Für die AfD tritt der Unternehmer Marc Maier an.

Wahlkreis 16: Schorndorf

Über viele Jahrzehnte gehörte der Wahlkreis Schorndorf der CDU. Im Jahr 2016 holten dort erstmals die Grünen mit Petra Häffner das Direktmandat. Das will sie diesmal auch verteidigen. Herausgefordert wird sie dabei unter anderem von Christian Gehring (CDU). Der Kriminalhauptkommissar aus Kernen ist der Nachfolger von Claus Paal, der nach zehn Jahren im Landesparlament nicht mehr antritt. Jochen Haußmann (FDP) tritt erneut an und hofft, nach 2011 und 2016 auch diesmal wieder in den Landtag einzuziehen. Für die AfD tritt Stephan Schwarz an. Er begann seine politische Laufbahn in der PDS und trat 2016 für die AfD im Nachbarwahlkreis Waiblingen an.

Wahlkreis 17: Backnang

Nachdem der bisherige CDU-Abgeordnete Wilfried Klenk nicht mehr antritt, kommt es dieses Mal beim Kampf um das Direktmandat zu einem Duell zweier Murrhardter Stadträte: Für die CDU kandidiert der Bankkaufmann Georg Devrikis, für die Grünen Ralf Nentwich, Lehrer und Leiter des Kreismedienzentrums in Backnang. 2016 hatte die CDU nur rund fünf Prozent Vorsprung vor den Grünen. Der Wahlkreis Backnang hat im Vorfeld der Wahl bereits auf sich aufmerksam gemacht, als der Kandidat von "Die Partei", Alexander Lisson, alte OB-Wahl-Plakate von Frank Nopper (CDU) recycelte: Noppers Kopf wurde mit dem von Lisson überklebt.

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