Hündin Minouche döst im Filderstädter Tierheim vor sich hin (Foto: SWR)

Haustier-Boom mit Folgen

Wegen Ferien und Corona: Tierheime befürchten Abgabe-Welle

STAND
AUTOR/IN

Die Pandemie hat einen Haustier-Boom ausgelöst. Jetzt könnten viele ihre angeschafften Tiere aber wieder loswerden wollen. In der Region Stuttgart kommen schon jetzt Tierheime an ihre Grenzen.

Schwanzwedelnd springen Minouche und ihre Kumpels um Tierpflegerin Josefine Bohn herum. Die vierköpfige Rasselbande tollt in ihrem Auslauf umher und holt sich zwischendrin immer mal wieder eine Streicheleinheit ab.

Ihr Zuhause, das Tierheim in Filderstadt, ist zurzeit gut ausgelastet. Es könnte aber bald noch voller werden. Das befürchtet auch der Deutsche Tierschutzbund: Auch wenn Tierheime bisher nur vereinzelt mit vermehrten Abgaben zu kämpfen hätten, rechnen sie in der kommenden Zeit mit einer Flut von Neuaufnahmen. Irgendwann könnten die Kapazitäten dann erschöpft sein.

"Die aktuelle Entwicklung lässt uns mit Sorge in die Zukunft blicken."

Die Tierschutzvereine in Stuttgart, Esslingen und Nürtingen hätten aber zuletzt rückgemeldet, dass die Lage noch entspannt sei, teilte der Deutsche Tierschutzbund mit.

Corona-Pandemie löst Haustier-Boom aus

Dank Corona waren die Tierheime in der vergangenen Zeit so leergefegt wie noch nie. Im Lockdown entschieden sich viele für ein eigenes Haustier. Die Gründe: Kurzarbeit und Homeoffice, Einsamkeit und Langeweile. Vielen sind der Aufwand und die Verantwortung jetzt aber doch zu groß.

Josefine Bohn hat schon jetzt mehrere Verkaufsanzeigen im Internet gefunden, oft mit Hunden, die maximal eineinhalb Jahre alt sind und im Lockdown angeschafft wurden. Die lieben und netten Hunde könnten im Internet auch gut vermittelt werden, problematischer werde es bei älteren, verhaltensauffällig oder kranken Tieren.

Hohe Nachfrage fördert illegalen Welpenhandel

Weil die Nachfrage nach Hunden während der Pandemie so hoch war, soll der illegale Welpenhandel geboomt haben. Viele dieser Tiere sind von klein auf nicht gesund. Nach Angaben der Stuttgarter Tierschutzbehörde habe es in letzter Zeit keine größeren Fälle von illegalem Welpenhandel in der Region gegeben – zumindest keine, die registriert wurden.

Mit diesem Problem hätten vor allem grenznahe Tierheime zu kämpfen, erzählt Josephine Bohn. Sie hat in Filderstadt bislang erst zwei Fälle erlebt.  

Tierheim in Schorndorf an Kapazitätsgrenze

Obwohl eine Abgabe-Welle erst noch droht, kommen einige kleinere Tierheime in der Region Stuttgart schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen – so wie das in Schorndorf. An einem Tag kommen zwei neue Kaninchen, am nächsten ein Hund, der vor einem Jahr unüberlegt angeschafft wurde.

Leguan Jim Knopf wartet im Tierheim Filderstadt auf sein neues Zuhause (Foto: SWR)
Neben Hunden, Katzen, Kaninchen und Wasserschildkröten wartet im Filderstädter Tierheim auch Leguan Jim Knopf auf einen neuen Besitzer

Im Stuttgarter Tierheim werden jährlich bis zu 2.000 Tiere abgegeben. Tierheimleiterin Marion Wünn sieht derzeit keinen Anstieg bei den Neuaufnahmen. Außerdem hätten sie noch kein Tier bekommen, welches im Lockdown unüberlegt angeschafft wurde. Außerdem gebe es ihrer Meinung nach das Phänomen nicht, dass während der Sommerferien mehr Tiere abgegeben würden: "Wir konnten in den letzten 10 Jahren keinen Anstieg zu Beginn der Ferienzeit verbuchen."

Vorbereitungen in Filderstadt auf Abgabe-Welle

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) appellierte zu Ferienbeginn an das Verantwortungsbewusstsein der Tierbesitzer. Schließlich habe man auch im Urlaub Verantwortung für sein Tier.

"Zur Urlaubsplanung gehört auch, sich Gedanken über den Verbleib und die Versorgung der Haustiere zu machen. Nicht immer können die Tiere mit in den Urlaub fahren. Für diesen Fall müssen Lösungen gefunden werden."

Damit Josefine Bohn und ihr Team auf eine drohende Abgabe-Welle vorbereitet sind, wollen sie in Filderstadt zukünftig extra Boxen freihalten, damit kein Tier abgewiesen werden muss.

STAND
AUTOR/IN