Kreisimpfzentrum Esslingen (Foto: SWR, Katharina Kurtz)

Ministerium spricht von zu hohen Kosten

Schließung der Kreisimpfzentren: Wo gibt es künftig die zweite Spritze?

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Die Kreisimpfzentren schließen Ende des Monats. Wo bekommen Erstgeimpfte ihre zweite Spritze? Was ist mit Impflingen ohne Hausarzt? Der Leiter des Impfzentrums Esslingen schlägt Alarm.

Ende September ist Schluss. Dann schließen die Kreisimpfzentren in Baden-Württemberg. Das hat das Landessozialministerium am Dienstag nochmals bestätigt. Markus Müller, der Leiter des Kreisimpfzentrums am Standort in Oberesslingen, sieht mehrere Probleme.

Nach Rückkehr der Urlauber und dem zunehmenden Druck auf Ungeimpfte geht der Mediziner von steigenden Impfzahlen aus. So seien vergangene Woche fast 3.200 Impfungen im Kreisimpfzentrum in Oberesslingen durchgeführt worden. Das seien rund 30 Prozent mehr als in der Vorwoche.

"Viele fragen verzweifelt, wo sie ihre zweite Impfung bekommen."

Fast die Hälfte der nun geimpften Personen hat ihre Erstimpfung bekommen. Doch wo bekommen sie die zweite Spritze, fragt der Mediziner und spricht von verzweifelten Menschen, die keinen Hausarzt haben oder einen, der nicht impfe. Dies gelte auch insbesondere für die 12- bis 17-Jährigen, die ins Impfzentrum kommen, da ihr Kinderarzt nicht impfe.

Bleiben viele Erstgeimpfte unvollständig geimpft?

Da es für diese Menschen sehr schwierig sei, in einer anderen Praxis einen Termin für eine Impfung zu bekommen, befürchtet Müller, dass viele der jetzt Erstgeimpften unvollständig geimpft bleiben. Er verweist darauf, dass anders als in Baden-Württemberg im Nachbarbundesland Bayern die Impfzentren bis Ende April 2022 geöffnet bleiben sollen.

Ministerium: Kreisimpfzentren werden Ende September geschlossen

Das für die Impfungen zuständige Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg will an dem geplanten Schließungstermin festhalten. Insgesamt betrachtet würden in den Impfzentren die Impfungen stark zurückgehen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme am Dienstag. Sie hätten zu Beginn der Impfungen vor allem dazu gedient, möglichst viele Menschen innerhalb kurzer Zeit zu impfen. Das wäre für die Ärzteschaft auf einen Schlag zu viel gewesen, heißt es beim Ministerium.

"Die Impfzentren verursachen sehr hohe Kosten und rechnen sich nur bei voller Auslastung. Das bedeutet, dass dort am Tag tausende von Menschen geimpft werden müssten."

Ministerium verweist auf Haus- und Betriebsärzte

Für das Ministerium steht fest: Die Impfungen sollen zukünftig "ganz normal über die Regelversorgung" stattfinden, dies habe sich auch schon gut bei anderen Krankheiten wie der Grippe, Masern oder FSME eingespielt. Die zusätzlichen Corona-Impfungen sind laut Ministerium "gut leistbar" für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit der Betriebsärzteschaft.

Mobile Impfteams und Vor-Ort-Impfaktionen soll es weitergehen

Darüber hinaus soll es auch nach der Schließung der Impfzentren bis Jahresende weiterhin mobile Impfteams und Vor-Ort-Impfaktionen geben. Fazit des Ministeriums: Es gibt also nach wie vor viele Orte in Baden-Württemberg, an denen man sich unkompliziert impfen lassen kann – sowohl für Erst- als auch für Zweitimpfungen.

Esslinger Kreisimpfzentrumsleiter schlägt Kompromiss vor

Darauf will sich der Leiter des Kreisimpfzentrums am Standort Oberesslingen Markus Müller nicht verlassen. Er schlägt vor, zumindest einen Teil der Kreisimpfzentren - besonders in bevölkerungsreichen Kreisen wie dem Kreis Esslingen - bis zum Jahresende offen zu lassen. So könne zum Beispiel das Esslinger Kreisimpfzentrum auf dem Messegelände neben dem Flughafen problemlos schließen, da es nicht mehr stark nachgefragt sei. Den Standort in Oberesslingen würde Müller erhalten und außerdem die Öffnungszeiten von einem Zwei-Schicht-Betrieb auf einen Ein-Schicht-Betrieb reduzieren. Dann sei der Betrieb günstiger und mit den Kosten wie für eine Arztpraxis vergleichbar.

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