Diebstahl auf heimischen Feldern

Spargelklau von Freiberg/Neckar ist kein Einzelfall

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170 Kilo grüner Spargel wurden innerhalb von drei Tagen in Freiberg (Kreis Ludwigsburg) gestohlen. Und das ist kein Einzelfall. Der Klau auf Feldern wird immer dreister.

Die Erntezeit von Spargel, Erdbeeren und Rhabarber ist in vollem Gange. Doch immer wieder finden Erntehelfer am Morgen abgeerntete Flächen vor. In Freiberg wurde kürzlich kiloweise Spargel gestohlen.

Spargelernte auf Feld in Pulverdingen im Landkreis Ludwigsburg  (Foto: SWR)
170 Kilo Spargel wurden in Freiberg am Neckar gestohlen.

Bei Landwirt Frank Scheuler aus Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) kam es in dieser Saison ebenfalls zu größeren Diebstählen. Bei uns wird alles geklaut, sagte er dem SWR. Er meinte damit Obst, Blumen, Weinreben, aber auch Diesel aus dem Tank seiner landwirtschaftlichen Maschinen. Auf 20.000 Euro schätzt Frank Scheuler seinen finanziellen Ausfall durch Diebstahl pro Jahr.

Auch Weinlaub ist begehrtes Diebesgut

Winzer Herbert Schütz aus Steinheim-Höpfigheim (Kreis Ludwigsburg) hat ähnliche Erfahrungen gemacht. "Dreist" nennt er die Diebe, die sich an Weinlaub und an jungen Reben vergreifen. Der schlimmste Fall für ihn ist immer noch ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr.

In einem Weinberg hatten Diebe fast zu hundert Prozent die Blätter von jungen Reben abgeerntet. Die Reben hat er nur mit sehr viel Mehraufwand retten können.Sonst wäre Herbert Schütz ein Schaden von rund 15.000 Euro entstanden. Aber auch der Dieb, der ihm frech in die Augen sah, bevor er sich die mitgebrachten Discountertüten mit Weinlaub füllte, geht ihm nicht aus dem Kopf.

"Es ist ein Werteverfall festzustellen."

Anzeigen bleiben in der Regel ohne Erfolg

Winzer Herbert Schütz zeigte die Entlaubung seines Weinbergs an. Und Landwirt Frank Schuer sagt, dass er den Spargelklau natürlich zur Anzeige gebracht habe. Genauso wie hunderte von Litern Diesel, die ihm gestohlen wurden.

Das Ergebnis ist aber eher desillusionierend: Solche Fälle werden in der Regel von Polizei und Staatsanwaltschaft eingestellt. Was bleibt, ist Ratlosigkeit. Oder man hilft sich selbst. Ein Nachbar habe jetzt in seinem  Weinberg ein Schild aufgestellt, dass das Grundstück videoüberwacht werde, sagt Herbert Schütz. Und hofft, dass es hilft.

Foto Erika Möller herbstliches Weinlaub in Guntersblum (Foto: SWR)
Auch Weinlaub wird in großem Stil aus Weinbergen gestohlen.

Landwirte rechnen mit weiterem Anstieg von Diebstählen

Inflation, steigende Energiekosten: Landwirt Frank Scheuler und auch Winzer Herbert Schütz rechnen damit, dass die Diebstähle noch zunehmen werden. Dabei handelt es sich beim "Ernten" auf fremden Feldern nicht um ein Kavaliersdelikt oder sogenannten Mundraub - dieser Straftatbestand wurde 1975 abgeschafft.

Von rechts wegen sind solche Vergehen wie der Weinlaubklau Diebstahl und genauso zu ahnden wie der Klau im Supermarkt. Wer hungrig und bedürftig ist, der könne bei ihm bei der Ernte helfen, sagt Frank Scheuler. Am Abend gäbe es dann noch ein Paket Spargel zum Lohn obendrauf. Damit habe er kein Problem. "Aber bloß kommen und dann mitnehmen, das ist halt schwierig."

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