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Bei den ersten Prozessen nach der Stuttgarter Krawallnacht waren zwei junge Männer zu Haftstrafen verurteilt worden. Experten kritisieren das und fordern eine "Kultur der Wiedergutmachung".

"Harte Strafen helfen nicht", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft Täter-Opfer-Ausgleich. Die Entscheidung des Gerichtes trage dem Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechtes nicht Rechnung. Sylvia Henning, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft, sagte, zur sinnvollen Aufarbeitung der Geschehnisse müsse man auch die Frage der Wiedergutmachung stellen: "Hohe Strafen helfen den Opfern nicht und fördern kein Umdenken bei den Tätern." Mit einem Täter-Opfer-Ausgleich dagegen würden die Beschuldigten unterstützt, den entstandenen Schaden so gut es geht wiedergutzumachen oder zumindest zu lindern, "um damit nachhaltig sozialen Frieden zu schaffen", sagte sie weiter.

In den beiden ersten öffentlichen Jugendstrafprozessen zu den Juni-Krawallen in der Stuttgarter Innenstadt waren vergangene Woche zwei junge Männer vom Amtsgericht Stuttgart zu jeweils zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt worden.

Krawallnacht in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
Zerstörte Schaufenster in der Stuttgarter Innenstadt picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

Mediatoren helfen - Schadenswiedergutmachung auf dem Weg

Mediatoren aus dem Landgerichtsbezirk Stuttgart hätten beispielsweise aktuell Kontakt zu über zehn Tätern aus der Krawallnacht, die Wiedergutmachung leisten wollten, und auch zu geschädigten Ladenbesitzern. Als Beispiele nannte Henning einen jungen Mann, der nach seiner Entlassung aus der U-Haft in den Laden gegangen sei, dessen Scheibe er eingetreten hatte, um sich persönlich zu entschuldigen.

Über die Fachstelle Täter-Opfer-Ausgleich wurde jetzt die Schadenswiedergutmachung in die Wege geleitet. Ein anderer habe gestohlene Ware zurückgebracht und bei einem zweiten Termin eine Schadensersatzzahlung abgegeben. Ziel sei auch der Austausch zwischen den Jugendlichen und den Geschädigten darüber, was passiert ist und welche Folgen die Krawallnacht hatte.

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